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Reise

Burgherren und Herbergseltern

Das Mittelrheintal mit seinen imposanten Ausblicken ist ein populäres Reiseziel. Beliebt ist auch Burg Stahleck: eine der schönsten Jugendherbergen Deutschlands - und der Arbeitsplatz von Andrea und Michael Kumpfe.

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Herbergseltern vor ihrer Burg

Es ist kein leichter Aufstieg über den steilen Pfad hinauf zur Burg Stahleck. Doch wer eine ganz besondere Übernachtung sucht, muss ihn auf sich nehmen. Hundert Meter über dem Rhein in Bacharach zwischen Bingen und Koblenz bietet die Burg Stahleck für Familien und viele Schülergruppen ein bisschen Mittelalter und vor allem einen beeindruckenden Blick über das Rheintal.

Und davon haben offenbar viele gehört, denn die Herberge ist im Sommer immer ausgebucht, erzählt Herbergsvater Michael Kumpfe: "Normalerweise haben wir in unserem Rittersaal Veranstaltungen, wie Hochzeiten oder Tagungen. Heute ist es ein Matratzenlager, weil einfach genug Wanderer oder unangemeldete Gäste gekommen sind und gesagt haben: Wir brauchen noch ein Bett. Die können wir nicht wegschicken."

Improvisieren muss Burgherr Michael Kumpfe immer wieder, nicht nur, wenn abends noch neue Gäste kommen. Bei starkem Regen steht schon mal Wasser im Hof der mittelalterlichen Burg, oder eine Gruppe Schüler zerstört in einer hitzigen Kissenschlacht Möbelteile.

Vom Sterne-Hotel in die Herberge

Jugendherberge Burg Stahleck, Totalen

Burg Stahleck, Bacharach

Für den 43-Jährigen und seine Frau Andrea ist das Leben auf der Burg überm Rhein noch kein Alltag. Denn bis vor anderthalb Jahren arbeiteten sie in einem Vier-Sterne-Hotel in München. "Es war schon eine Riesenumstellung von der Anonymität in der Großstadt hierher zukommen. Hier in der kleinen Stadt ist man als Burgherr plötzlich eine Persönlichkeit", erzählt Kumpfe. "Der Unterschied in der Herberge ist, dass alles viel lauter ist, dass viel mehr Treiben ist. Wenn sie hier 150 Schüler haben, dann ist hier ein Gekreische, ein Gespiele, ein Gejohle. Vor allem vor dem Abendessen ist hier Highlife."

Aber vor allem ist es die Burg selbst, die sowohl Gäste als auch den Burgherrn beeindruckt. Aus Schiefersteinen gebaut, gruppieren sich drei Häuser um einen Wohnturm in der Mitte der Anlage. Im offenen Hof und auf der Terrasse haben sie Bänke und Tische aufgebaut. Besucher und Übernachtungsgäste können hier bei Kaffee oder Bier den Ausblick genießen - auf das tief in die Hügellandschaft eingeschnittene Rheintal, die Schiffe und die Weinreben an den Hängen gegenüber. "Wer hat denn schon mal in einer Burg geschlafen? Und dann die Lage hundert Meter überm Rhein. Wenn Sie hier rausgucken - das ist schon gigantisch. Das ist mit einer der schönsten Rheinblicke, zu denen Sie Zugang haben", so Kumpfe.

Um 1135 wurde die Burg Stahleck erstmals erwähnt und war über Jahrhunderte im Besitz der Pfalzgrafen. Der Ort Bacharach galt als wichtiger Handelsplatz am Rhein. Durch Zölle wurden die Burggrafen reich, bis das Gemäuer im 17. Jahrhundert von den Franzosen zerstört wurde. Vor knapp einhundert Jahren wurde die Burg wieder aufgebaut und ist seitdem Jugendherberge.

Ritterspiele und Basteleien

Heute können bis zu 168 Gäste in Ein- bis Zwölfbettzimmern übernachten. Im Sommer kommen vor allem Familien aus dem In- und Ausland. Viele davon ganz gezielt, so wie eine fünfköpfige amerikanische Familie auf Deutschland-Tour, erzählt die Mutter Conny Kreyzer: "Wir dachten, dass es sicher einen Riesenspaß macht, in einer Burg zu wohnen. Und die Jungs würden Deutschland richtig kennen lernen, wenn sie all diese Burgen und Schlösser hier sehen. Und dass es hier eine Jugendherberge gibt, hilft bei unserer langen Reise auch noch, etwas Geld zu sparen."

Doch die meisten Gäste von Michael und Andrea Kumpfe sind Schülergruppen, wie derzeit eine siebte Klasse aus Baden-Württemberg. Sie haben gerade das Mittelalter in der Schule behandelt, erzählt die 13-jährige Jasmin: "Das ist ein anderes Gefühl hier. Und wenn man weiß, dass die Burg aus dem Mittelalter ist, kann man sich auch besser in die Lage hineinversetzen, wie es hier früher war."

Rund 20.000 Schüler kommen im Jahr in die Jugendherberge und füllen auch in den Wintermonaten das Haus. Für sie hat Andrea Kumpfe spezielle Programme entwickelt. Die Kinder sollen nicht nur Burgen besichtigen, sondern über Basteleien oder Ritterspiele die Geschichte der Region besser kennen lernen. Und dass es sich lohnt, zeigten nicht nur die gestiegenen Gästezahlen, so Michael Kumpfe: "Letztens habe ich 30 Briefe von einer Schulklasse bekommen, in denen sie sich bedankt haben, dass das Essen gut war und dass sie Spaß hatten. Es freut uns alle, wenn die Kinder das sagen oder wenn der Rucksack-Japaner fröhlich rauskommt und sagt: Da war ich mal und ich komme auch wieder."