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Reise

Burgenromantik am Mittelrhein

Die Marksburg ist die einzige nie zerstörte Höhenburg am Mittelrhein. Eine echte Ritterburg, die viele Touristen anzieht. Ein Besuch im Herbst und Winter bietet sich an, dann hat man die Burg fast für sich alleine.

Blick auf die mittelalterliche deutsche Marksburg

Die Marksburg

Mit einem Schlüssel, lang wie ein Unterarm, öffnet die Burgführerin das Tor und geht die krumm und schief in den Felsen gehauenen Stufen hinauf. Ein kleines Grüppchen Menschen in wattierten Jacken, Schals und Mützen folgt ihr. Kalt weht der Wind über den Höhenzug nahe des Städtchens Braubach am Rhein. Anders als die meisten Burgen ist die Marksburg ganzjährig geöffnet. Im späten Herbst und Winter, wenn die großen Touristenströme versiegt sind, wird eine Führung mit einer Hand voll Teilnehmer zum beinahe privaten Erkunden der Vergangenheit. Es bleibt Zeit für Fragen und Gespräche.

Die Uneinnehmbare

Burg Katz nahe St. Goarshausen am Rhein. (Aufnahme vom Mai 1990).

Burg Katz nahe St. Goarshausen am Rhein

"Die Marksburg ist die einzige Höhenburg am Mittelrhein, die nie zerstört wurde", sagt die Burgführerin und zeigt über die weiten Landschaften, die es den Angreifern auch im 30-jährigen Krieg unmöglich machten, sich der Burg ungesehen zu nähern. 200 Meter weit schossen die Kanonen ihre Kugeln hinein in die feindlichen Heere. Die größeren, neueren und eintausend Meter weit reichenden Kanonen wurden - friedlichere Zeiten waren inzwischen angebrochen - nur zum Salutschießen benutzt.

Häufig wechselnde Besitzer

Der überwiegende Teil der imposanten Burg stammt aus dem 14. Jahrhundert, sie besteht aus einem romanischen Palast, einem gotischen Saalbau, Zwingern, einem Bergfried, Bastionen und vier Toren. Häufig wechselten die Besitzer. Unter anderem gehörte die Marksburg dem Grafen von Katzenelnbogen, der sie in der heutigen Form ausbaute. Danach besaßen sie hessische Landgrafen und Fürsten von Nassau. 1900 war es der preußische König Wilhelm II., der die Marksburg der Deutschen Burgenvereinigung verkaufte.

Verlust der historischen Authentizität

Der deutsche Architekt Bodo Ebhardt trieb den Rückbau der Marksburg nach historischen Quellen voran. Sein Anspruch auf historische Genauigkeit bildete eine Gegenbewegung zu der Welle der Burgenbegeisterung, die seit dem 19. Jahrhundert durch die deutschen Lande schwappte. Jeder, der es sich leisten konnte, kaufte sich eine heruntergekommene Burg und baute sie wieder auf - nach eigenem Geschmack, eigenem Gutdünken und eigener Fantasie.

Noch heute hat der Deutsche Burgenverein mit seinen gut 3000 Mitgliedern seine liebe Last mit den baulichen Auswüchsen, für die die Burgenromantik des 19. Jahrhunderts die Wurzeln legte. Da wurde viel an- und umgebaut. Die historische Authentizität ging verloren.

Wein statt Wasser

Die Burg Stahleck, im Vordergrund, über dem Rhein in Bacharach. (AP Photo/DJH Rheinland-Pfalz-Saarland, Ho)

Eine Burg nach der anderen - hier die Burg Stahleck über dem Rhein in Bacharach

So ganz kann sich die Marksburg dem Anspruch der Besucher nach wilder Romantik und gruseligen Grausamkeiten nicht entziehen. In einem der Kellerräume wird eine Sammlung von Folterwerkzeugen gezeigt, die auf der Marksburg aber nie zur Anwendung kamen. Aber ein bisschen Grusel gehört zu einer gut geführten Burg ebenso wie das Angebot englisch-, französisch- und japanischsprachiger

Burgführungen. Viel hübscher als die Folterwerkzeuge ist der sorgfältig gepflegte Kräutergarten der Marksburg mit vielen Heil- und Zauberkräutern, die auch Hildegard von Bingen in ihren Schriften erwähnte. Und viel nahe liegender auch der Weinberge in der Umgebung wegen, ist die Bedeutung des Weinkellers mit der damit verbundenen Information, dass zu Ritterszeiten wegen des häufig vergammelten Wassers pro Person und Tag bis zu zwei Liter Wein getrunken wurden. (epd)

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