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Sport

Buntes Sportfest mit schalem Beigeschmack

In Baku sind die ersten Europaspiele mit einer prunkvollen und spektakulären Schlussfeier zu Ende gegangen. Die Gastgeber nutzten die Spiele vor allem zur Werbung in eigener Sache - auch mit Blick auf Olympia 2024.

Zum Abschluss was das Stadion noch einmal voll. Die Stimmung ausgelassen. Im Publikum und bei den Sportlern, die in den vergangenen zwei Wochen ihr Bestes gegeben hatten. Internationale Show-Acts, bunte Lichterspiele, Feuerwerk. Und Lob von allen Seiten. Wie bei Olympischen Spielen.

"Diese Spiele haben jede Erwartung übertroffen, jeder Aspekt dieser Spiele war ausgezeichnet", schwärmte der Präsident des Europäischen Olympischen Komitees, Patrick Hickey, schon vor der Schlussfeier der ersten Europaspiele in Baku. Und er legte sogar noch nach: "Sie sind sehr gut in der Lage, Olympische Spiele zu veranstalten. Nach diesen Spielen wird Aserbaidschan immer in meinem Herzen sein." Das ist auch der Tenor vieler Sportler, die in Aserbaidschans Hauptstadt an den Wettbewerben teilgenommen haben. Für die stellvertretend fasste DOSB-Vorstandschef Michael Vesper zusammen: "Wir sind sehr zufrieden mit den professionellen Bedingungen der Veranstalter."

Das totalitär regierte Land im Südkaukasus hat also erreicht, was es wollte: "Ein Ziel war, Aserbaidschan der ganzen Welt bekanntzumachen", berichtete Sportminister Azad Rahimov stolz. Und das ist zweifellos gelungen. Auch wenn die Berichterstattung in den Medien selbst im deutschen Sommerloch eher spärlich ausfiel. Ob das nun daran lag, dass die Topstars in vielen Sportarten in Baku nicht vertreten waren oder weil die Sender doch Skrupel ob der Menschenrechtssituation im Land hatten - man weiß es nicht. Insgesamt gab es europaweites Lob für Organisation und Qualität der Spielstätten und damit Mut für die dritte Olympiabewerbung Bakus. Für 2024 will man endlich den Zuschlag, Boston, Paris und Hamburg sind die bisher feststehenden Konkurrenten.

Kaum offene Kritik an der Regierung

Bis zur IOC-Entscheidung 2017 gibt es allerdings noch Handlungsbedarf. Zumindest nach Auffassung vieler in Deutschland und Großbritannien: Der englische Journalist Owen Gibson, Chef-Sportkorrespondent des Guardian, hatte weder Akkreditierung für die Europaspiele noch Visum für die Einreise erhalten, was Hickey aber kaum mehr als ein Achselzucken abrang: "Wir können einem souveränen Staat aber nicht sagen, wie er seine Dinge regelt", sagte der Ire an der Spitze des EOC. Sportminister Rahimov nannte auf mehrfache Nachfragen während der Spiele keinen konkreten Grund und sprach mehrfach von drei Journalisten, die keine Einreiseerlaubnis erhalten hätten. Das Organisationskomitee konnte dies ebenfalls nicht aufklären. Die autoritär geführte Regierung von Staatspräsident Ilham Aliyev steht wegen Verstößen gegen Menschenrechte und die Pressefreiheit in der Kritik.

Europaspiele Baku 2015 Schlussfeier

Eröffnungs- und Schlussfeier waren ebenso perfekt und opulent wie bei Olympia in London oder Peking

Rein sportlich gab es Spitzenleistungen, die es aber im Kontext mit der internationalen Besetzung einzuordnen gilt. "Wir sind insgesamt mit der sportlichen Bilanz unserer Europaspiele-Mannschaft sehr zufrieden", lobte Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig am letzten Wettkampftag. Mit 16 Goldmedaillen belegte die deutsche Mannschaft im Nationenranking Platz vier, bei 66-mal Edelmetall liegt nur der unangefochtene Spitzenreiter Russland besser. "Wir müssen unsere Arbeit im Leistungssport intensivieren und noch zielgerichteter betreiben, um die Farbe der Medaillen in diesem Trend ins Positive zu verändern", forderte Schimmelpfennig auf dem Weg zu Olympia 2016. Neben den mit jeweils drei Europaspiele-Titeln überragenden Kanuten und Schützen dürfen auch die Volleyball-Herren mit reichlich Selbstvertrauen in die entscheidende Qualifikationsphase für Rio starten.

Noch kein Gastgeber für die nächsten Spiele

Für die nächste Auflage der Europaspiele 2019 wird übrigens immer noch ein Gastgeber gesucht. Ob dann auch die Top-Sportler im Schwimmen und Leichtathletik dabei sind, ist ebenfalls offen. Das hinderte den Veranstalter aber nicht daran, entgegen vorheriger Ansagen noch weiter in die Zukunft zu blicken. "Es wird eine sehr gute zweite Auflage", sagte EOC-Chef Hickey. "Und es wird eine sehr gute dritte Auflage geben." Und im Zweifel verschließt man einfach die Augen, wenn es um die Zustände im Bewerberland geht. Man könnte ja auch ein "Auswärtsspiel" in Katar veranstalten...

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