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Bunte Welt

Der eine sieht die Welt nur in Schwarz und Weiß, der andere trägt eine rosarote Brille und manch einer kann nicht genug von blauen Augen bekommen. Wie immer man's macht, die Welt ist oft viel bunter, als man denkt.‎

Was klingt besser: "ein bunter Blumenstrauß" oder "ein farbiger Blumenstrauß"? Die meisten von uns würden wahrscheinlich für den bunten Strauß plädieren. Farbig ist ein Strauß sowieso. Er kann sogar einfarbig sein, aber niemand käme im Blumengeschäft auf die Idee, nach einem einfarbigen Strauß zu verlangen. Aber auch der "mehrfarbige Strauß" ist kein besonders schönes, wenn auch streng genommen kein falsches Deutsch. Oder doch?

Freude an Farben

Auf jeden Fall ist "bunt" einfach schöner. Bunt ist vielfältig – auch im übertragenen Sinne. "Die Welt ist bunt", heißt es, und das bedeutet sowohl vielfarbig als auch vielfältig. Farben bringen Farbe ins Leben. Farben haben, so sagen die Psychologen, im Allgemeinen eine "positive Anmutung". Ein Adjektiv, das diese Tatsache schön zum Ausdruck bringt, ist "farbenfroh". "Farbentraurig" gibt's nicht. Allerdings gibt es, zumindest in unserem Kulturkreis, die Farbe der Trauer – nämlich Schwarz, wobei Schwarz genauso wie Weiß keine Farbe ist. Rein wissenschaftlich gesehen.

Alles was wir sehen, nehmen wir in Farbabstufungen wahr, und die Sprache spiegelt das wider. So ist Grün nicht gleich Grün. Da gibt es Lindgrün, Moosgrün – und gewissermaßen als Überbegriffe – Hellgrün und Dunkelgrün. Wer schon einmal in Irland war weiß, welche Vielfalt es allein an Grüntönen in der Natur gibt.

Giftiges und Grünes

Da wir gerade bei Grün sind, darf das "Schweinfurter Grün" nicht unerwähnt bleiben. Dies ist – oder besser war – ein giftiger Farbstoff, ein Gemisch aus Kupferacetat und Kupferarsenit. Längst ist das "Schweinfurter Grün" als Färbemittel verboten, aber ihm verdanken wir das Adjektiv "giftgrün". Als Modefarbe werden wir Giftgrün nie finden, aber das leuchtend hellgrüne Kleid der Kollegin, die wir nicht ausstehen können, ist natürlich ein giftgrünes. Trägt die ungeliebte Kollegin ein zart gelbes Kleid wird aus dem Pastellton boshafterweise "quietschgelb".

Besonders aufdringlich wirkenden Farben verleiht die deutsche Sprache ungewöhnliche Eigenschaften: Da gibt es ein Rot, das knallt, ein Gelb, das quietscht, und grellbunt gemusterte Hemden in schreienden Farben. Knallrot kann man allerdings auch im Gesicht werden, wenn man sich fürchterlich aufregt. Vom Puter, der einen dicken, feuerroten Hals bekommt, wenn er zornig ist, haben wir das "Puterrot": Eine Farbe, die uns der Zorn oder auch die Scham ins Gesicht treibt. Rot ist aber auch die Farbe der Liebe. Rot ist Signal, rot ist Feuer und Leidenschaft, rot ist der Kirschmund und rot ist die Sonne, wenn sie zum Beispiel im blauen Meer versinkt.

Blau sind deine Augen, blau bin auch ich

Ernstzunehmenden Untersuchungen zufolge ist Blau bei Frauen und Männern die mit Abstand beliebteste Farbe. Blau steht für Ferne, Sehnsucht und Weite und für Harmonie. "Deine blauen Augen" und "kornblumenblau" sind tausendfach in Schlagern verewigt worden. "Blau, blau, blau ist der Enzian" hat uns Heino, der blonde Schlagersänger mit der Sonnenbrille, gleich dreifach versichert.

Blau geht aber auch anders: Zum Karneval zum Beispiel schunkeln sich die Massen mit dem feuchtfröhlichen Lied "Heute blau und morgen blau und übermorgen wieder" von einem Alkoholspiralnebel zum nächsten. Aus dem Mittelalter soll die Redewendung "blau sein" stammen. Sie beschreibt den Zustand des Betrunkenseins. Blauer Farbstoff wurde damals unter Verwendung von Alkohol hergestellt. Da blieb es wohl nicht aus, dass die Färber ab und zu einen kräftigen Schluck nahmen. Und weil Blau eben auch abfärben kann, torkelten sie nach der Arbeit mit blau verfärbten Kleidern und "blau" vom Alkohol durch die Straßen. Ob die Geschichte so stimmt, ist nicht erwiesen, aber sie klingt ganz einleuchtend.

Die Welt in Rosarot

Eine ganz besondere mit Blau verwandte Farbe ist "Lila". Nicht zu verwechseln mit Violett. Man stelle sich blühenden, duftenden Flieder vor: Das ist Lila. Und zur selben Jahreszeit, nämlich im Frühling, erblüht auch das dunklere "Violett" der Veilchen. "Violette" heißt Veilchen auf Französisch. Wenn die Veilchen blühen, leuchtet auch das helle, kräftige Rosa der Magnolien, der "Rustica Rubra" zum Beispiel, deren Blüten fast pinkfarben sind. Übrigens: "I'm in the pink" sagen die Engländer, wenn sie ausdrücken möchten, dass es ihnen prächtig geht. Und in Deutschland sagt man Optimisten gerne nach, dass sie "rosarote Brillen" tragen. Aber warum eigentlich farbige Brillen tragen, wenn die Welt doch eh schon so bunt ist?

Autor: Michael Utz

Redaktion: Shirin Kasraeian

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