1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Bunt gegen Schwarz in Wuppertal

Großes Polizeiaufgebot in Wuppertal: Salafisten und Pegida-Anhänger demonstrierten gleichzeitig in der Stadt. Doch viele Bürger gingen auch gegen jede Art von Extremismus auf die Straße. Von Anne Allmeling, Wuppertal.

Geschlossene Geschäfte, leere Fußgängerzonen, abgesperrte Straßen - Wuppertal macht einen tristen Eindruck vor den angekündigten Großdemos. "Wie ausgestorben", meint die Studentin Jana Lompe. Wo sonst Einheimische einkaufen und Tagesausflügler durch die Stadt schlendern, herrscht gespenstische Ruhe. Kein Wunder: Die Polizei hatte gleich mehrere Bereiche der Innenstadt gesperrt - aus Sicherheitsgründen.

Am Nachmittag wird es dann ernst für die mehr als 1000 Polizisten, die zu diesem Zeitpunkt schon seit Stunden in der Stadt sind und die neuralgischen Punkte abgesichert haben. Eine Gruppe von Salafisten hat eine Demonstration angekündigt - strenggläubige Muslime, von denen manche am liebsten die Scharia in Deutschland einführen würden, das islamische Recht. Gleichzeitig wollen auch Anhänger der islamkritischen Bewegung "Pegida NRW" durch die Stadt marschieren. Auch Hooligans und Neonazis wollen demonstrieren.

Die Polizisten aus Nordrhein-Westfalen werden von Kollegen aus anderen Bundesländern unterstützt. Sie wollen unbedingt verhindern, dass die gegnerischen Gruppierungen aufeinander losgehen. Im Oktober war es bei einer Kundgebung der Gruppe "Hooligans gegen Salafisten" (Hogesa) in Köln zu Ausschreitungen gekommen. Nun will die Polizei gegen jede Art von Krawall gerüstet sein.

Chansons und bunte Luftballons

Axel Pütter schaut in den Himmel, wo ein Hubschrauber kreist. "Das könnte heute böse werden", sagt der Polizeihauptkommissar. Er hält sich vor der Alten Synagoge bereit, wo eine weitere Gruppe demonstrieren will - gegen die Salafisten. Doch bis die Kundgebungen beginnen, spielt die Musik woanders: am Kirchplatz. Dort lauschen etwa 700 Menschen französischen Chansons - weit mehr als angekündigt. Das "Wuppertaler Bündnis gegen Nazis" verteilt bunte Luftballons als Zeichen der Toleranz. "Ich verspüre Scham angesichts der Pegida-Demonstration", sagt einer der Redner - und erntet starken Applaus.

Polizeikette vor Demonstranten in Wuppertal - Foto: Gabriel Borrud (DW)

Mehr als 1000 Polizeibeamte waren vor Ort

Einige Hundert Pegida-Anhänger haben sich mittlerweile vor dem Schauspielhaus versammelt - deutlich weniger, als erwartet. Die meisten sind schwarz gekleidet, einige schwenken Deutschlandfahnen. "Salafisten sind Terroristen" steht auf einem Transparent. Aber wer konkret hinter solchen Parolen steckt, weiß keiner so genau. Pegida-Anhänger, Hooligans, Neonazis? Diese Frage können auch die Polizisten nicht beantworten. Aber sie tun alles dafür, dass sich die schwarze Menge nicht mit den Salafisten mischt.

Gerechtigkeit, Wahrheit - zu lapidar!

Gerade einmal ein gutes Dutzend Männer mit langen Bärten hat sich auf dem Wuppertaler Willy-Brandt-Platz versammelt. Ein bisschen verloren stehen die Strenggläubigen dort herum. Einige sind extra aus dem Münchner Raum angereist. Warum sie heute hier sind? "Gerechtigkeit", meint einer. "Wahrheit", sagt ein anderer. Seinen Namen will er aber nicht nennen. "Zu persönlich", meint er. Viel mehr wollen die Männer ohnehin nicht sagen. Sie warten auf den islamistischen Prediger Sven Lau.

Salafisten-Kundgebung auf dem Wuppertaler Willy-Brandt-Platz mit Prediger Lau - Foto: Sascha Schuermann (Getty Images)

Salafisten-Kundgebung auf dem Wuppertaler Willy-Brandt-Platz mit Prediger Lau

"Salafisten raus!", brüllt eine Menschenmenge, die sich nicht weit entfernt versammelt hat. Linke Demonstranten, Anhänger der kurdischen Arbeiterpartei PKK - wer hier den Ton angibt, ist unklar, diese Versammlung war nicht angemeldet. Die Polizisten halten die wütenden Bürger in Schach. Ein paar bunte Luftballons, die aus der Menge herausstachen, verschwinden, und allmählich löst sich die Gruppe ganz auf.

Pegida-Demo vorzeitig beendet

So glimpflich läuft es bei den Pegida-Anhängern nicht ab. Als Vermummte Flaschen und Böller auf die Polizisten werfen, beendet der Veranstaltungsleiter die Versammlung. Alle Teilnehmer müssen den Ort einzeln und ausschließlich in Richtung Hauptbahnhof verlassen. "Das heißt jetzt nicht, dass unser Einsatz schon beendet ist", sagt Ronald Wolf. Er gehört zum zwölfköpfigen Info-Team der Polizei, das die Fragen der Bürger beantwortet. "Wir sind noch mittendrin."

Polizisten und Salafistenanhänger in Wuppertal - Foto: Sascha Schuermann (Getty Images)

Der Polizei gelang es, die verschiedenen Gruppierungen getrennt zu halten

Wie zur Bestätigung rennen einige Dutzend Polizisten los in Richtung Schwebebahn-Haltestelle. In Sekundenschnelle überwältigen sie einen Vermummten, der sich in die Menge gemischt hat, und bilden eine Mauer gegen Hooligans. Eine Reiterstaffel behält den Überblick von oben, während mehrere Polizeiwagen mit Blaulicht Richtung Willy-Brand-Platz fahren.

Dort ist inzwischen Sven Lau eingetroffen. "Allahu akbar!", rufen seine Anhänger. "Halt die Fresse!", brüllen Linke und Antifaschisten, die in Sichtweite Stellung bezogen haben. Immer wieder fordern einzelne Gruppen die Polizei heraus - ein bisschen so, als würden sie Räuber und Gendarm spielen. Doch die Beamten lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch die Wuppertaler Bürger wirken gelassen. "Bei den Kundgebungen waren viel weniger Rechtsextreme und Salafisten als angekündigt", freut sich Studentin Jana Lompe. "Dafür waren viele Menschen unterwegs, die zeigen, dass Wuppertal kein Platz für Extremisten ist."

Die Redaktion empfiehlt