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Aktuell Europa

Bunkerhaft für die "Traumfrau" des Arztes

Horror in Schweden: In einem Bunker hielt ein Mediziner eine junge Frau fast eine Woche lang gefangen. Jetzt hat ein Gericht in Stockholm den Mann zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Ein schwedischer Arzt, der eine Frau sechs Tage lang in einem bunkerartigen Verlies gefangen gehalten hat, soll nach einem Gerichtsurteil für zehn Jahre ins Gefängnis kommen. "Grund für die lange Strafe ist, dass der Arzt die Tat minutiös und über lange Zeit geplant hat", teilte das Stockholmer Gericht mit. Außerdem muss Martin Peter Trenneborg (auf der Gerichtszeichnung links) 180.000 Kronen (rund 19.000 Euro) Schadenersatz an die junge Frau zahlen. Von dem Vorwurf der Vergewaltigung sprachen die Richter den Schweden frei.

Mit Champagner, Fruchtsaft und Erdbeeren betäubt

Sie sahen es dagegen als erwiesen an, dass der Arzt seinem Opfer bei einem romantischen Date in dessen Wohnung in Stockholm Champagner, Fruchtsaft und Erdbeeren angeboten hat, worin sich starke Beruhigungsmittel befanden. Danach habe Trenneborg die Frau in den Bunker im südschwedischen Schonen gebracht, den er zu diesem Zweck über Jahre gebaut hatte. Der Bunker wirkte von außen wie ein unscheinbares Gartenhäuschen, die schalldichte Zelle war jedoch nur über zwei elektrisch verschließbare Türen zu erreichen.

Im Prozess hatte der Arzt das damit begründet, dass er eine Freundin haben wollte. Die Entführte sei "seine Traumfrau" gewesen, hatte die Verteidigerin des bei seinem Chef beliebten und angesehenen Mediziners gesagt.

Der Bunker, in dem die Frau festgehalten wurde (Foto: picture alliance/dpa/Swedish Police)

Der Bunker im südschwedischen Schonen, in dem die junge Frau festgehalten wurde

Die Entführung begann im vergangenen September. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der 38-Jährige geplant, die Frau für Jahre auch als Sexpartnerin in dem licht- und schallisolierten Verlies gefangen zu halten. Schon nach wenigen Tagen änderte der Täter aber seinen Plan. Durch Vermisstenmeldungen in den Medien nervös geworden, präsentierte sich der Allgemeinmediziner gemeinsam mit seinem Opfer in einer Polizeiwache - die Frau sollte versichern, dass ihr Verschwinden völlig harmlos gewesen sei. Die Beamten wurden misstrauisch - sie befragten die Frau allein und erfuhren so die wahre Geschichte.

Richter: Psychische Störung nicht strafmildernd

Der Mann gab an, eine psychische Störung zu haben. Nach Einschätzung der Richter ist diese aber nicht so groß, dass sie sich strafmildernd auswirken würde. Medien hatten den Arzt nach Bekanntwerden des Verbrechens "Schwedens Josef Fritzl" getauft. Fritzl hatte seine Tochter in Österreich 24 Jahre lang in ein Kellerverlies gesperrt und missbraucht.

Die Personalien der Frau wurden nicht bekannt gegeben. Vor Gericht verbarg sie ihren Kopf hinter einem Schal. Der jungen Frau geht es nach Angaben ihres Anwalts "sehr schlecht". Sie habe es unerträglich gefunden, ihrem Peiniger erneut zu begegnen.

sti/uh (dpa, rtr)