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Studieren in Deutschland

Bundesweiter Bildungsstreik

Masterstudienplätze für alle, mehr Zeit fürs Studium und mehr Geld für die Bildung. Mit diesen Forderungen sind bundesweit Schüler und Studierende auf die Straße gegangen. In Köln war die Resonanz aber eher dürftig.

Dort, wo sonst Imbissbuden und Fahrräder stehen und Studierende sich zum Plaudern treffen, steht am Mittwoch (25.06.2014) ein großer Demo-Wagen, beklebt mit Plakaten: "Mehr Geld für die Bildung – Wir sind es wert!". Drumherum haben sich Studierende und Schüler versammelt, um für ihre Ziele zu demonstrieren. Darunter auch Daniel Brenner. Er studiert auf Lehramt, allerdings nach dem alten System, er wird also noch sein Staatsexamen machen. Doch seine Uni macht Druck. Über kurz oder lang sollen an der Universität zu Köln alle Studiengänge auf die Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt sein. Eine Folge der Bologna-Reform. "Wir haben Angst, dass wir es gar nicht mehr schaffen und exmatrikuliert werden oder auf Bachelor und Master wechseln müssen", beklagt der angehende Lehrer.

Um seiner Sorge Luft zu machen, ist Daniel Brenner dem Aufruf zum bundesweiten Bildungsstreik gefolgt. Nicht nur in Köln, sondern in vielen anderen Uni-Städten quer durch die Republik sind am Mittwoch Studierende, aber auch Schüler und Lehrer auf die Straße gegangen, um für mehr Studienplätze, ein elternunabhängiges BAföG und bezahlbare Mieten zu demonstrieren.

Nur rund 300 Demonstranten in Köln

Thomas Liermann, AStA Köln und Mitorganisator des Bildungsstreiks 2014 (Foto: Pia Behme)

Thomas Liermann vom Kölner AStA hatte auf tausend Teilnehmer gehofft

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Köln, der die Demo vor Ort organisiert hat, hatte mit Hunderten Teilnehmern gerechnet. "Wenn es tausend werden, wäre das schon schön", so Thomas Liermann, Referent für Soziales und Internationales beim AStA, vorab. Am Ende stehen am Mittwochvormittag aber gerade einmal rund 300 Schüler und Studierende vor dem Hauptgebäude der Kölner Uni, der größten Hochschule in Deutschland. In anderen Städten war die Resonanz wesentlich größer. Im Leipzig kamen am Mittwoch nach Schätzungen der Polizei etwa 7500 Demonstranten zusammen, in Wiesbaden beteiligten sich nach Schätzungen der Organisatoren etwa 3000.

Der Bildungsstreik in diesem Juni ist nicht der erste. Bereits im Mai waren Schüler und Studenten bundesweit auf die Straße gegangen, im Rahmen der Kampagne "Bildungsstreik", in der sich seit ein paar Jahren auch Lehrer und Hochschuldozenten für bessere Bedingungen an Schulen und Hochschulen stark machen. Im Sommer 2009 war die Beteiligung besonders groß, damals demonstrierten Zehntausende Schüler und Studierende deutschlandweit.

Für mehr Masterstudienplätze und gegen finanzielle Kürzungen

Schüler und Studierende protestieren auf dem Gelände der Kölner Uni. (Foto: Pia Behme)

An der Universität zu Köln haben am Mittwoch nur etwa 300 Schüler und Studierende demonstriert

Die konkreten Anliegen allerdings ändern sich teils: Vor ein paar Jahren richteten sich die Proteste insbesondere gegen die neu eingeführten Studiengebühren. Die wurden nach und nach in den Bundesländern abgeschafft. Eines der Themen diesmal sind die fehlenden Masterstudienplätze. Wer keinen Einser-Bachelor hat und nicht mobil genug ist, hat es schwer, einen der begehrten Plätze zu ergattern. Das sollte eigentlich auf dem Arbeitsmarkt kein Problem sein, wo doch mittlerweile mehr als 200 Großunternehmen die Erklärung "Bachelor Welcome" unterschrieben haben. Die soll für attraktive Einstiegschancen sorgen – auch für Bachelor-Absolventen ohne Berufserfahrung. Doch die bleiben in Deutschland weiterhin unbeliebt. Richtig drastisch könnte die Lage 2016 werden, wenn die 500.000 Erstsemester des letzten Jahres als Absolventen auf den Arbeitsmarkt drängen. Im schlimmsten Fall könnten laut dem gemeinnützigen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) 36.000 Masterplätze fehlen.

Doch um die Forderungen der Demonstranten zu realisieren, fehlt es den Hochschulen an Geld. Bildung ist in Deutschland Ländersache. Der Bund fördert nur über Programme, wie den Hochschulpakt. Das seien aber eher Almosen, findet Jan Delph, Referent für Hochschulpolitik beim AStA Rostock. Was gebraucht würde, sei eine nachhaltige Finanzierung. Denn nicht jedes Bundesland kann sein Bildungssystem im gleichen Maße finanzieren. "Bayern hat zum Beispiel bessere Voraussetzungen als Mecklenburg-Vorpommern mit seiner relativ schwachen demografischen Lage", sagt Jan Delph. Deshalb demonstriert er am Mittwoch dafür, dass das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern aufgehoben wird.

Auch Schüler demonstrieren

Zwei Demonstrantinnen halten ein Plakat mit dem Text No borders, no nations, free education (Foto: Pia Behme)

Vertreterinnen von "Campus Grün" fordern, dass alle ausländischen Studierenden von den Studiengebühren befreit werden

Aber es geht bei diesem Streik nicht nur um Hochschulpolitik. Auch die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf zwölf Jahre steht in der Kritik, bekannt unter G8. In Köln haben sich deshalb mehrere Schulklassen der Demonstration angeschlossen. Eine Lehrerin, die ihren Namen lieber nicht nennen möchte, bemängelt die Umstellung auf G8. "Dadurch wird den Schülerinnen und Schülern ein Jahr gestohlen", sagt sie. Was auf der Strecke bleibe, sei die persönliche Entwicklung: "Der Leistungsdruck ist mittlerweile sehr groß."

Unter den Kölner Demonstranten ist auch Julian Gürster von der Initiative für eine unabhängige Jugendorganisation der Uni Köln. Die politische Hochschulgruppe unterstützt die Kommilitonen zwar bei dem Protest, sieht aber die Organisation des Bildungsstreiks kritisch. "Wir stimmen nicht damit überein, wie der Bildungsstreik seine Forderungen zusammenstellt", so der Geschichtsstudent. Die Initiatoren der Kampagne entschieden zu viel unter sich und ließen zu wenig Beteiligung anderer Studierender zu, bemängelt Gürster. Vielleicht auch ein Grund für die mäßige Teilnahme der Kölner Studierenden? Mitorganisator Thomas Liermann hält dagegen. "Die Zusammenarbeit mit dem Studierendenparlament war sehr demokratisch."

Für die nächsten Bildungsstreiks dürften die Kölner auf eine größere Beteiligung hoffen. Gelegenheit dazu gibt es: Für den Herbst sind die nächsten Demos geplant, dann soll es auch eine weitere Großdemonstration in Berlin geben.