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Politik

Bundeswehrsoldaten bei Zwangsprostituierten?

Der Vorwurf ist nicht neu, aber nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen nach wie vor aktuell. Deutsche Soldaten im Kosovo sollen als Freier zu Zwangsprostituierten gehen.

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Gegen die Anschuldigungen gewappnet? Soldaten im Kosovo

Schon mehrfach wurde behauptet, deutsche Soldaten im Kosovo würden zu - teilweise noch minderjährigen - Zwangsprostituierten gehen. Doch viel geändert habe sich an den Vorwürfen nicht, kritisieren Nichtregierungsorganisationen wie Medica Mondiale in Köln. Seit 1999 - seit die KFOR-Truppen im Kosovo stationiert sind - seien auf dem ganzen Balkan Zwangsbordelle entstanden, sagt Monika Hauser, Leiterin von Medica Mondiale. Immer jüngere Mädchen würden dort den internationalen Soldaten angeboten.

Unübersehbare Zwangslage

Medica Mondiale unterstützt eine Einrichtung in Djakovica im Süden des Kosovo. Die Geschichten der Frauen, die zur dortigen gynäkologischen Praxis oder zur psychologischen Beratung kämen, würden die Vorwürfe von Medica Mondiale bestätigen, sagt Monika Hauser. Die Mädchen seien gekidnappt oder unter falschen Versprechungen in die Bordelle geschafft und dort unter sklavenhaften Bedingungen eingesperrt, vergewaltigt und misshandelt worden. "Wir sprechen von Bordellen, wo die Frauen Gitter vor dem Fenster haben. Sie haben überhaupt keine Chance raus zu gehen. Und das ist für die Freier erkennbar", sagt Hauser. Keiner, der dort hin gehe, könne behaupten, er hätte nicht bemerkt, wie jung die Mädchen seien und dass sie wie in einem Gefängnis lebten.

"Truppen mitverantwortlich"

Die Behauptungen von Medica Mondiale werden auch von Amnesty International und der UN-Frauenorganisation UNIFEM bestätigt. In einem Bericht zum Frauenhandel im Kosovo stellte Amnesty International Anfang Mai dieses Jahres fest, die von der NATO geführten KFOR-Truppen und die UN-Mission im Kosovo seien für den sexuellen Missbrauch von Frauen mitverantwortlich. Die deutsche Amnesty-Sektion beklagt unter Berufung auf einen UNIFEM-Bericht, dass auch die Bundeswehr-Soldaten zu Zwangsprostituierten gehen würden.

Kosovo KFOR NATO-Friedenstruppe Obilic

KFOR-Soldaten im Kosovo

Auch Monika Hauser hat solche Geschichten vor Ort gehört: "Ein UN-Polizist hat mir einmal in Pristina gesagt, dass sie vor allem deutsche Soldaten in Bordellen antreffen." Auf Anfrage der Deutschen Welle wiegelt die UN-Verwaltung im Kosovo allerdings ab: In der schriftlichen Antwort heißt es, in nur wenigen Fällen seien internationale Mitarbeiter in den Bordells angetroffen worden. Gegen sie habe man strenge disziplinarische Maßnahmen eingeleitet. Zu Nationalitäten oder Funktionen macht die UNMIK allerdings keine Angaben.

Falsche Vorwürfe?

Die KFOR in Pristina verweist an das Bundesverteidigungsministerium in Berlin. Dort bestätigt der Pressesprecher Udo Schnittger, dass die Vorwürfe der Bundeswehr bekannt seien, der Ursprung dieser Vorwürfe aber mehrere Jahre zurück liege. Das Verteidigungsministerium habe daraufhin umfangreiche Untersuchungen veranlasst, die jedoch ergeben hätten, dass die Vorwürfe falsch seien, sagt Schnittger.

Während der dienstfreien Zeit sei es den Soldaten schlicht untersagt, das militärische Lager zu verlassen, sagt Schnittger. "Und während des Dienstes sind die Soldaten aufgrund der Auftrags- und Sicherheitslage so eng eingebunden, dass ihnen gar keine Gelegenheit bliebe, diese Bordelle aufzusuchen."

Trotzdem: Monika Hauser bleibt bei ihren Vorwürfen gegen die deutschen Soldaten. Sie seien immer noch Kunden der Zwangsprostituierten im Kosovo. Mitarbeiter der deutschen KFOR-Truppe in Prizren würden ihre Behauptung bestätigen, sagt sie - unter der Bedingung, anonym zu bleiben.

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