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Afrika

Bundeswehr trainiert Malis Armee für Ernstfall

Die Europäische Union will Malis Armee in die Lage versetzen, selbst gegen radikale Islamisten im Norden des Landes kämpfen zu können. Von der Bundeswehr lernen Malis Soldaten den Umgang mit Sprengstoff und Erste Hilfe.

In Koulikoro brennt schon am frühen Morgen die Sonne. In der Kleinstadt, die rund 60 Kilometer von Malis Hauptstadt Bamako entfernt liegt, sind die Temperaturen längst auf über 40 Grad Celsius geklettert. 30 malische Soldaten stehen trotz der Hitze vor einem großen Sandberg, um rotbraunen Sand in lange, schmale Säcke zu füllen.

Die Knochenarbeit gehört zum Training der Bundeswehr, das am Montag (29.04.2013) begonnen hat. Im Rahmen der EU-Ausbildungsmission Mali - kurz EUTM - sind die deutschen Soldaten ab sofort für die Pionierausbildung zuständig. Diese absolviert auch Soldat Salif Kouyaté. "Dafür sind wir hier. Und es macht uns Freude, die Europäer hier zu sehen", sagt er.

Große Ausbildungsmission für das krisengebeutelte Mali

Die verschiedenen Armeen aus Europa haben in den vergangenen Wochen in Koulikoro ein großes Trainingscamp errichtet. Möglich wurde das durch die Entscheidung der Europäischen Union, eine groß angelegte Ausbildungsmission in das krisengebeutelte Mali zu schicken. Jede Nation übernimmt dabei einen bestimmten Teil der Ausbildung. Die 30 malischen Soldaten in der deutschen Pionierausbildung sollen nun zum Beispiel lernen, wie sie mit Stacheldraht Sperren bauen können, wie Minen entdeckt werden und wie Sprengstoff benutzt wird.

Malische Soldaten schleppen Sandsäcke (Foto: DW/Katrin Gänsler)

30 malische Soldaten werden von der deutschen Bundeswehr im Trainingscamp ausgebildet

Keine Angst mehr vor dem Norden

Dieses Grundlagentraining scheint bitter nötig zu sein, denn die malische Armee gilt schon seit Jahren als schwach, schlecht ausgerüstet und schlecht ausgebildet. Gegen die Kämpfer der Befreiungsbewegung von Azawad - die MNLA - mussten sich die Soldaten beispielsweise Anfang 2012 geschlagen geben.

Viele Soldaten fürchteten sich davor, im Norden des Landes eingesetzt zu werden. Obwohl Malis Norden trotz französischer Militärintervention noch immer als unsicheres Pflaster gilt, hat Soldat Salif Kouyaté nun aber keine Angst mehr vor einem möglichen Einsatz dort. "Mit dem Material und der Ausbildung, die wir erhalten, ist das kein Problem mehr. Dafür werden wir trainiert", sagt er und nickt bestätigend mit dem Kopf.

Malis Soldaten lernen auch Erste-Hilfe-Grundlagen

Einige 100 Meter weiter scharren sich junge Soldaten um einen malischen Rettungssanitäter. Auf dem Boden liegt einer ihrer Kameraden und spielt das verletzte Opfer. Der Soldat liegt regungslos da. Niemand weiß, ob und wie stark er verletzt ist. Der Ausbilder erklärt Schritt für Schritt, wie man mit einem Verletzten umgeht.

Malische Soldaten stehen um einen am Boden liegenden Kameraden, der einen Verletzten spielt (Foto: DW/Katrin Gänsler)

Malische Soldaten lernen Erste-Hilfe-Handgriffe

Oberstabsarzt Fabian Spies schaut der Gruppe zu. Ziel sei es, einfache Handgriffe zu vermitteln, die auch dann umgesetzt werden könnten, wenn nur wenig Material vorhanden ist, so Spies.

"Die Soldaten wissen teilweise schon, dass man mit einem Gewehrriemen oder Gürtel eine Blutung stoppen kann", hat Spies in den vergangenen Tagen beobachtet. Jetzt sollen diese Grundkenntnisse ausgebaut werden.

Eine solche Grundausbildung in Erster Hilfe sollen nach Möglichkeit alle 2600 Soldaten, die die EUTM-Ausbildung durchlaufen, bis zum derzeit geplanten Ende der Mission im Februar 2014 erhalten. Weitaus spezieller sollen allerdings die Rettungssanitäter und Ärzte weitergebildet werden.

Mobiles Krankenhaus im Einsatz

Mobiles Krankenhaus der Bundeswehr (Foto: DW/Katrin Gänsler)

Die Bundeswehr hat ein mobiles Krankenhaus in Mali aufgestellt

Die malischen Soldaten können sich auch im mobilen Krankenhaus umschauen, in dem auch die Rettungssanitäter ausgebildet werden sollen. Hauptmann Jörg Hein führt durch die Räume des aufblasbaren Krankenhauses mit verschiedenen Abteilungen. Im Ernstfall sollen hier verletzte Soldaten behandelt werden.

Doch hier in Koulikoro geht niemand davon aus, dass es zu solchen Szenarien kommen wird. Die Bundeswehr betont immer wieder, dass sich der Einsatz nicht mit dem in Afghanistan vergleichen lasse. "Die Bedrohungslage bewerten wir hier als sehr gering", sagt Alexander Müller-Cramer, Kontingentführer in Mali. Es gebe keine Anzeichen für eine konkrete Gefährdung.

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