1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Bundeswehr sieht sich durch NATO entlastet

Der umstrittene Luftangriff auf zwei Tanklastzüge in Afghanistan war aus Sicht der Bundeswehr militärisch angemessen. Dieses Fazit zog der Generalinspekteur General Schneiderhan aus einem Untersuchungsbericht der NATO.

Generalinspekteur der Bundeswehr, General Schneiderhan, erläutert den NATO-Bericht (Foto: dpa)

Der Generalinspekteur der Bundeswehr,Schneiderhan, erläutert den NATO-Bericht

Der damalige Kommandant des deutschen Truppenkontingents in Kundus, Oberst Georg Klein, habe die Lage am 4. September richtig beurteilt, sagte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhahn am Donnerstag (20.10.2009) in Berlin. Klein habe sogar davon ausgehen können, dass durch den Luftangriff keine Unbeteiligten zu Schaden kommen würden.

Oberst Georg Klein (Foto: AP)

Er forderte den Luftangriff an: Oberst Georg Klein

Klein hatte den Luftangriff der US-Kampfflugzeuge angefordert, nachdem Aufständische die beiden Tanklastzüge an einem vorgetäuschten Kontrollpunkt ungefähr sieben Kilometer südwestlich des Bundeswehr-Stützpunktes gekapert hatten. Hintergrund waren Befürchtungen, die Tanklaster sollten für Anschläge benutzt werden. Der Luftangriff hatte im Ausland heftige Kritik am deutschen Vorgehen ausgelöst und war auch in Deutschland kontrovers diskutiert worden.

"Keine unbeteiligten Personen getötet"

Schneiderhan berichtete aus dem als geheim eingestuften NATO-Dokument, das seit der Nacht zu Donnerstag in Berlin vorliegt. Demnach kann die Gesamtzahl der Toten und Verletzten nicht genau beziffert werden. Die Untersuchung gebe nur verschiedene Quellen wider, denen zufolge die Zahl der Toten zwischen 17 und 142 liegt. Ausdrücklich wies der Generalinspekteur darauf hin, dass der NATO-Bericht nicht bestätigt, "dass durch den Luftschlag unbeteiligte Personen getötet wurden".

Mitte September war eine Kommission, die Präsident Hamid Karsai berufen hatte, zu dem Ergebnis gekommen, dass bei dem Bombardement 69 Taliban-Kämpfer und 30 Zivilisten getötet worden waren. Die Kommission lastete die Verantwortung für den hohen Blutzoll eindeutig den Taliban-Rebellen an. Nach Abschluss der Untersuchung nannte Karsai den Luftangriff einen Fehler, nahm Deutschland aber zugleich in Schutz.

Afghanische Sicherheitsmitarbeiter bewachen einen der ausgebrannten Tanklastzüge (Foto: AP)

Afghanische Sicherheitsmitarbeiter bewachen einen der ausgebrannten Tanklastzüge

Verschärfte Sicherheitslage

Schneiderhan sagte, der Angriff dürfe nicht isoliert betrachtet werden, sondern nur vor dem Hintergrund der verschärften Sicherheitslage. In der Region seien mehrere hundert "feindliche Kämpfer" aktiv. Dort habe es von Ende April bis Anfang September zahlreiche Gefechte und Anschläge gegeben. "Dabei fielen im Verantwortungsbereich von Oberst Klein insgesamt acht ISAF-Soldaten, davon vier Deutsche. 21 wurden verwundet, darunter 20 Deutsche", so Schneiderhan. Bis Ende August seien bereits sechs Lastwagen und Tanklaster für Anschläge missbraucht worden, die zu hohen Verlusten geführt hätten. Es habe Hinweise gegeben, wonach ähnliche Anschläge auf das deutsche Wiederaufbauteam geplant seien.

Die abrüstungspolitische Expertin der Linken im Bundestag, Inge Höger, bedauerte, dass weder Bundesregierung noch Bundeswehr den Bericht zum Anlass nähmen, sich bei den Angehörigen der getöteten Zivilisten zu entschuldigen oder gar ihr Vorgehen am Hindukusch zu überdenken. Sie erklärte, Deutschland führe in Afghanistan Krieg. Dies sei "politisch gewollt."

Grüne hoffen auf Guttenberg

Der Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte zu dem Bericht, mit der "Vertuschungs- und Beschönigungspolitik" des früheren Verteidigungsministers Franz-Josef Jung müsse nun Schluss sein. Jungs Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg müsse nun darlegen, wie es zu der menschlichen und politischen Katastrophe habe kommen können. Zudem müsse der Minister "alles unternehmen, um künftig ähnlich verheerende Fehlentscheidungen zu verhindern".

Autor: Reinhard Kleber (mit ap, dpa, afp, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema