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Asien

Bundeswehr rüstet am Hindukusch weiter auf

Haubitzen, Abwehrraketen, Schützenpanzer und noch viele weitere Fahrzeuge: Während des Afghanistans-Besuchs von Bundesverteidigungsminister Guttenberg werden immer mehr Einzelheiten bekannt.

Minister Guttenberg spricht in Masar-I-Scharif zu den Bundeswehr-Soldaten (Foto: AP)

Minister Guttenberg spricht in Masar-I-Scharif zu den Bundeswehr-Soldaten

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat bei seinem Truppenbesuch in Afghanistan am Donnerstag (15.04.2010) erstmals die Bundeswehr-Soldaten im nordöstlich gelegenen Feisabad getroffen. Deutschland unterhält dort ein zivil-militärisches Wiederaufbauteam (PRT), wo knapp 500 Soldaten stationiert sind. 15 deutsche Polizisten kümmern sich außerdem um den Aufbau der afghanischen Polizei.

Feisabad sicherer als Kundus

Die Gegend um die Hauptstadt der Provinz Badachschan war eine Hochburg der früheren Nordallianz, die gegen die radikal-islamischen Taliban kämpfte. Die Sicherheitslage dort ist deutlich besser als in der nordafghanischen Provinz Kundus. Guttenberg hatte am Mittwoch die deutschen Soldaten in Kundus und in Masar-i-Scharif besucht. In Masar-i-Scharif ist das regionale Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe ISAF für Nordafghanistan, das die Bundeswehr führt.

Dabei kündigte der CSU-Politiker an, den Einheiten in Kundus angesichts der eskalierenden Gewalt dort so schnell wie möglich zwei Panzerhaubitzen 2000 zur Verfügung zu stellen. Das schwere Artilleriegeschütz hat eine Reichweite von 40 Kilometern und auch auf diese Entfernung eine Zielgenauigkeit von 20 bis 30 Metern. Zudem soll die Truppe mit Panzerabwehrraketen und mit zusätzlichen "Marder"-Schützenpanzern ausgerüstet werden.

Neue Bundeswehr-Fahrzeuge im Eilverfahren

Ein Armeefahrzeug vom Typ Eagle IV (Foto: dpa)

Fahrzeug vom Typ Eagle IV

Ergänzend berichtete die "Financial Times Deutschland", dass die Bundeswehr im Eilverfahren auch weitere 60 gepanzerte Fahrzeuge bestellen wolle. Die Tageszeitung beruft sich dabei auf Angaben aus dem Verteidigungsministerium. Danach soll der entsprechende Vertrag mit dem Schweizer Hersteller Mowag noch in dieser Woche unterzeichnet werden. Bereits für 2011 sei die Bestellung von weiteren 90 geschützten Fahrzeugen vom Typ "Eagle IV" vorgesehen.

Derzeit verfügt die Bundeswehr dem Bericht zufolge in Afghanistan über rund 975 gepanzerte Fahrzeuge verschiedener Hersteller und Modelle. Das Verteidigungsministerium gehe allerdings davon aus, dass angesichts der verschärften Bedrohungslage durch Sprengfallen und Angriffe auf Konvois 600 davon "baldmöglichst" ersetzt werden müssen, zitierte die "Financial Times Deutschland" aus einem Brief der Ministeriumsspitze an die Bundestagsfraktionen. Zur Deckung des "vordringlichsten Bedarfes" - auch durch die anstehende Erhöhung des deutschen Kontingents von 4500 auf bis zu 5350 Soldaten - sei die Beschaffung von 60 Eagle IV schnellstmöglich erforderlich.

Guttenberg wirbt um Verständnis für Einsatz

Deutsche Soldaten beim Streifengang nahe Kundus (Foto: dpa)

Es bleibt eine schwierige Mission: Deutsche Soldaten beim Streifengang nahe Kundus

In dem Brief an die Abgeordneten beziffert das Ministerium die Kosten für die Fahrzeuge und zusätzliche Spezialausrüstung wie Waffenstationen, Störsender und Funktechnik auf 61,5 Millionen Euro. Die Finanzierung solle kurzfristig über den einsatzbedingten Sofortbedarf aus dem Verteidigungsetat erfolgen. Der Auftrag an den Schweizer Hersteller Mowag - eine Tochter des US-Rüstungsriesen General Dynamics - sei Teil eines größeren, schon laufenden Beschaffungsprojekts über insgesamt rund 650 Fahrzeuge.

In Masar-i-Scharif warb Guttenberg auch einmal mehr um Verständnis für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Die Realität vor Ort sei oftmals anders, als sie auch von der Politik in Deutschland wahrgenommen werde, betonte der Minister vor hunderten Soldaten. Er sei nun bereits zum dritten Mal innerhalb eines halben Jahres nach Afghanistan gereist, weil man die Situation der deutschen Soldaten am Hindukusch "am wenigsten vom Schreibtisch in Berlin aus" beurteilen könne. Man müsse noch mehr dafür tun, "um das Verständnis dafür zu wecken, was Sie hier tun", rief Guttenberg den Soldaten zu.

Autor: Stephan Stickelmann (dpa, afp)
Redaktion: Herbert Peckmann

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