1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Bundeswehr

Bundeswehr räumt Fehler nach Tod eines Rekruten ein

Bei einem Übungsmarsch kollabieren vier Soldaten, ein Offiziersanwärter stirbt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will den Fall untersuchen lassen. Die Vorgesetzten hätten vorschriftswidrig gehandelt.

Es sei festzustellen, dass Vorgesetzte "mehrfach nicht sachgerechte" Entscheidungen getroffen und Maßnahmen angewandt hätten seien, heißt es in dem vorläufigen Abschlussberichts einer Untersuchungsgruppe. Aus derzeitiger Sicht seien diese aber nicht allein ursächlich "für die tragische Entwicklung".

Bei dem Trainingsmarsch im niedersächsischen Munster waren am 19. Juli insgesamt vier Offiziersanwärter kollabiert. Sie hatten bei dem Marsch einen Hitzschlag erlitten. Einer der Soldaten starb zehn Tage später in einem Krankenhaus. Laut Bundeswehr befindet sich derzeit noch ein Soldat "in kritischem Zustand" im Krankenhaus.

Zwei weitere Soldaten waren an dem Tag den Angaben zufolge "kurzzeitig nicht ansprechbar". Eine "eindeutige Ursache" für diese Häufung könne nicht benannt werden, teilte die Bundeswehr mit. "Vielmehr verdichtet sich das Gesamtbild, dass in jedem Einzelfall eine ungünstige Verkettung von Umständen und Faktoren vorgelegen hat." Die Bundeswehr erklärte, dass die Ursachen, die zum Tod des Offizieranwärters und zu den schwerwiegenden Erkrankungen der drei anderen Soldaten führten, bislang nicht vollständig hätten aufgeklärt werden können. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu dem Vorfall dauern an.

Diskrepanzen bei Ermittlungen

In dem Untersuchungsbericht heißt es, "die bestehenden Diskrepanzen und widersprüchlichen Aussagen zwischen internen und externen Ermittlungen sowie Einlassungen Dritter" müssten noch geklärt werden. "Bisher zeichnet sich in dem vorliegenden Bericht trotz einiger beanstandeter Verhaltensweisen und widrigen Umständen keine klare singuläre Ursache ab, die für sich gesehen den Todesfall oder gar das tragische Gesamtgeschehen des Tages erklären könnte", hieß es in einer Mitteilung von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. "Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, zumal auch die Staatsanwaltschaft eigene Ermittlungen führt und immer noch neue Hinweise zur Kenntnis gelangen." Das sorgfältige und akribische Vorgehen der Untersuchungsgruppe in Verantwortung von Heer und Sanität verdiene hohe Anerkennung, so von der Leyen weiter. "Für die gesamte Bundeswehr ist es wichtig, dass wir die Ursachen genau analysieren und die richtigen Schlussfolgerungen ziehen, um das Risiko einer Wiederholung des tragischen Geschehens in Zukunft zu vermindern."

Symbolbild Bundeswehr (picture alliance / dpa)

Soldaten in der Grundausbildung bei einem Übungsmarsch (Archiv)

Den Angaben zufolge fehlten am Tag des Marsches durch Urlaub und eine Dienstreise mehrere Führungskräfte. Dadurch sei ein "Vakuum in der Dienstaufsicht" entstanden. Die Bundeswehr führte mehrere "nicht sachgerechte Führungsentscheidungen" auf, dazu zählt auch, welche Kleidung die Offiziersanwärter an dem heißen Julitag zu tragen hatten. "Der am Ausbildungstag getragene Anzug mit der Feldjacke über der Splitterschutzweste war an Leistungsstand und Witterung nicht angepasst, jedoch durch die übergeordnete Befehlsgebung vorgegeben", stellte die Bundeswehr fest.

Vorgesetzte handelten gegen medizinischen Rat

"Das Tragen des Gefechtshelms entsprach nicht dem im Dienstplan befohlenen Anzug und ist damit befehlswidrig", heißt es in dem Untersuchungsbericht. Unmittelbar vor dem Kollaps waren die Soldaten noch auf einen Zusatzmarsch geschickt worden, wie es bereits Mitte August in einem Zwischenbericht des Verteidigungsministeriums geheißen hatte.

Mehr als 25 Soldaten hätten dabei "eine Strecke von insgesamt ca. sechseinhalb Kilometern, streckenweise im Laufschritt" absolvieren müssen. Nach Aussage der Zeugen empfahl der Truppenarzt, der sich um den kollabierten Soldaten gekümmert hatte, dem Zugführer am Mittag telefonisch, die Offiziersanwärter bei dem für den Nachmittag geplanten Marsch ohne Splitterschutzweste marschieren zu lassen. Der später verstorbene Soldat hatte bei einem "Basis-Fitness-Test" laut Untersuchungsbericht deutlich schlechter abgeschnitten als der Gruppendurchschnitt. Während des Marsches benutzte er demnach ein Asthmaspray. Der Zugführer habe dies bemerkt und ihn gefragt, ob alles in Ordnung sei und ob er weiter marschieren könne. Dies habe der Soldat mit "Ja" beantwortet.

myk/cr (dpa, afp)