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Asien

Bundeswehr leitet Afghanistan-Abzug ein

Zehn Jahre nach Beginn ihres Einsatzes beginnt die Bundeswehr den schrittweisen Rückzug aus dem Hindukusch. Dazu erhielt das erste regionale Wiederaufbauteam im Norden des Landes eine zivile Leitung.

Bundeswehrsoldaten und Zivilisten in Faisabad (Foto: dpa)

Künftig weniger Militär vor Ort: Bundeswehrsoldaten und Zivilisten in Faisabad

Die deutschen Soldaten packen allmählich ihre Koffer in Afghanistan. Ihr erstes Lager hat die Bundeswehr am Dienstag (13.12.2011) in zivile Hände übergeben und damit einen konkreten Schritt zum Abzug gemacht. "Die ISAF tritt in eine unterstützende Rolle und die zivile Seite wird nun die Entwicklungsarbeit in dieser Region weiter federführend fördern", sagte der Leiter des Einsatzführungskommandos, General Rainer Glatz, bei der Zeremonie zur Übergabe des Feldlagers in Feisabad, der Hauptstadt der nordafghanischen Provinz Badachschan.

"Beispielgebende Region"

Der Leiter des Einsatzführungskommandos in Afghanistan, General Rainer Glatz (Foto: dpa)

General Glatz: "Entwicklungsarbeit fördern"

Der gemeinsame Aufbau setze sich zwar fort, doch künftig werde man in der abgelegenen Hochgebirgsprovinz mit weitaus weniger ausländischen Truppen vor Ort sein. In den vergangenen Jahren hätten internationale Truppen und afghanische Sicherheitskräfte Badachschan soweit stabilisiert, dass diese Provinz als "beispielgebend für andere" gelten könne.

Die Leitung des sogenannten regionalen Wiederaufbauteams (PRT) in Feisabad hat nun das Auswärtige Amt übernommen. Der Diplomat Helmut Landes führte das PRT Faisabad bisher gemeinsam mit einem Bundeswehroberst, der das Kommando über die rund 250 in dem Feldlager stationierten Bundeswehrsoldaten innehat. Nun trägt Landes alleine die Verantwortung. Auch die übrigen PRT im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr werden schrittweise komplett unter zivile Leitung gestellt. Zunächst bleiben die Bundeswehrsoldaten aber weiter vor Ort.

Das "zivile Gesicht" des Afghanistan-Einsatzes

Außenminister Westerwelle mit Afghanistans Staatschef Hamid Karsai (Foto: dapd)

Außenminister Westerwelle (r.) und Präsident Karsai: Der Weg zum Frieden ist lang

Außenminister Guido Westerwelle sagte in einer Stellungnahme, das internationale Afghanistan-Engagement bekomme "zunehmend ein ziviles Gesicht". Schritt für Schritt übergebe nun die NATO die Verantwortung für die Sicherheit im Land an die afghanischen Sicherheitskräfte. "Wir wissen, dass der Weg zu Frieden in Afghanistan lang ist, und müssen uns weiter auf große Anstrengungen und auch Rückschläge einstellen", fügte Westerwelle hinzu.

Der Gouverneur der Provinz Babachschan, Schah Wali Adib, versicherte, Polizei und Armee in Afghanistan würden alles unternehmen, um die Sicherheit zu gewährleisten: "Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass das bewahrt wird, was die internationalen Truppen in zehn Jahren erreicht haben." Zugleich bat er die Deutschen, den Afghanen weiter beim Aufbau der Infrastruktur zu helfen.

Afghanen übernehmen Verantwortung

Feisabad und mehrere Bezirke der Provinz gehören zu den Ende November von Afghanistans Staatschef Hamid Karsai ausgewiesenen Gebieten, in denen die Sicherheitsverantwortung an die afghanische Armee und Polizei übergeben werden soll. Bereits in den kommenden Monaten sollen einheimische Kräfte die Kontrolle über wesentliche Teile Badachschans übernehmen. Das Feldlager Feisabad gilt deshalb als einer der Bundeswehrstützpunkte, der beim Abzug als erstes geschlossen werden könnte. Gleiches gilt für das Lager in Talokan, der Hauptstadt der Nachbarprovinz Tachar. Dort sind derzeit rund 80 deutsche Soldaten stationiert.

Die Bundesregierung will am Mittwoch ein neues Afghanistan-Mandat beschließen und dem Bundestag zur Abstimmung vorlegen. Darin soll die Obergrenze für die Zahl deutscher Soldaten von derzeit 5.350 zunächst auf 4.900 und bis Ende 2012 auf 4.400 gesenkt werden.

Nach Abzug noch 15.000 Soldaten

Die unter NATO-Befehl stehenden Truppen in Afghanistan bereiten damit ihren Rückzug vor, der bis 2014 abgeschlossen sein soll. General Manfred Lange, Stabschef im militärischen NATO-Hauptquartier in Mons, sagte er sei "außerordentlich zuversichtlich", dass die Truppen nach Plan das Land verlassen können. Derzeit sind dort noch insgesamt 130.000 Soldaten in der Schutztruppe ISAF eingesetzt.

Aber auch nach dem Truppenabzug seien Soldaten nötig: Diese sollten für Ausbildung und technische Unterstützung, möglicherweise auch für medizinische Hilfe, eingesetzt werden, sagte Lange. Das Militärbündnis rechnet damit, dass nach 2014 noch rund 15.000 Soldaten im Land bleiben. Die USA, die die meisten Truppen in Afghanistan stellen, wollen bis September 2012 insgesamt 33.000 ihrer Soldaten nach Hause holen.

Autorin: Naima El Moussaoui (afp, dapd, rtr)

Redaktion: Rolf Breuch

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