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Asien

Bundeswehr forderte NATO-Einsatz an: 50 Tote

Bei einem NATO-Angriff auf zwei Tanklaster sind in Afghanistan mehr als 50 Menschen getötet worden. Nun hat die Bundeswehr die Verantwortung für den Einsatz übernommen. Ob auch Zivilisten ums Leben kamen, ist unklar.

Verletzer nach dem Angriff (Foto: dpa)

Wie viele bei dem Angriff getötet wurden und ob Zivilisten darunter waren, ist unklar

Die Bundeswehr erklärte, Zivilpersonen seien "vermutlich nicht zu Schaden gekommen". Doch sei man sich nicht "zu hundert Prozent" sicher. Die afghanische Polizei sprach jedoch von 40 zivilen Opfern und sie geht außerdem davon aus, dass bei dem Angriff 90 Menschen getötet wurden. Eine Kommission unter Beteiligung afghanischer Behörden soll den Fall aufklären.

Die Bundeswehr hatte den Angriff auf die Tanklaster angefordert. Der Kommandeur des deutschen Wiederaufbauteams (PRT) in Kundus habe "aufgrund des Lagebilds eine sehr wohl abgewogene Entscheidung gefällt", sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Freitag (4.9.2009) in Berlin. Die beiden Tanklaster seien in der Nacht zu Freitag an einem fingierten Checkpoint gekapert worden. Nachdem sie sich beim Versuch, einen Fluss zu durchqueren auf einer Sandbank festgefahren hätten, seien sie aus der Luft bekämpft worden.

Die meisten Todesopfer seien Aufständische, sagte der Sprecher der Provinzregierung Kundus, Mahbuhullah Sajedi. Unter den Opfern waren laut Sajedi aber auch Zivilisten, darunter Kinder, die aus den Lastern Benzin abzapfen wollten. Ein Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums sagte, "zwischen 200 und 250" Dorfbewohner hätten sich um die Laster geschart. Daher sei eine "große Zahl" von Zivilisten unter den Toten und Verletzten zu befürchten.

Taliban wollten Benzin klauen

Der Angriff ereignete sich in der Nähe des deutschen Feldlagers in Kundus; die Ladung der Tanklaster war für die deutschen Truppen bestimmt. Die Taliban hätten die LKWs nur wenige Kilometer südwestlich des Feldlagers des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) gekapert, teilte die Bundeswehr mit. Sie wollten den Treibstoff in den Distrikt Chahar Darah transportieren, doch sie seien erfolgreich bekämpft worden.

Oberstleutnant Jörg Langer in Potsdam erklärte, die Luftangriffe auf die Lastzüge hätten ISAF-Flugzeuge ausgeführt - keine Bundeswehr-Jets. Die Tornados der Bundeswehr seien lediglich zu Aufklärungszwecken in Afghanistan und zu solchen Angriffen nicht in der Lage. Deutsche Soldaten seien nicht verletzt worden.

Zahlreiche Menschen mit Verbrennungen

Ein Augenzeuge sagte, die Taliban hätten die Bewohner aufgefordert, kostenlos Benzin zu zapfen. "Die Dorfbewohner haben sich mit allen Kanistern und Flaschen, die sie finden konnten, um die Tanklaster geschart", sagte Mohammad Daud. In einem Krankenhaus in der Stadt Kundus wurden zahlreiche Menschen mit teilweise schweren Brandverletzungen behandelt, berichtete die Presseagentur AFP. Die Haut sei bei manchen so stark verbrannt, dass sie sich vom Fleisch löse. Bei anderen hatte sich die Kleidung in die Haut gebrannt.

In der Vergangenheit führten Nato-Kampfeinsätze immer wieder zu zivilen Opfern. Unlängst hatte der Oberkommandierende der US- und Nato-Truppen, General Stanley McChrystal, angemahnt, die Einsatzführer sollten "die Fälle taktischer Erfolge – aber strategischer Verluste - durch zivile Opfer und hohe Schäden" vermeiden. Allein zwischen Januar und Mai sind nach UN-Angaben bei Luftangriffen etwa 800 Zivilisten ums Leben gekommen. Dies entspricht einer Zunahme von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. (nem/mag/afp/dpa/ap)

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