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Flucht nach Europa

Bundeswehr bringt Flüchtlinge an Land

Kaum am Start, haben deutsche Marineschiffe schon hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet - in dieser Form bisher einmalig. Der Schulterschluss mit den italienischen Behörden ist eng.

Soldaten der Fregatte Hessen bergen am 8. Mai Schiffbrüchige vor Lampedusa (Foto: Bundeswehr/PAO Mittelmeer/dpa)

Soldaten der Fregatte "Hessen" bergen am 8. Mai Schiffbrüchige vor Lampedusa

Einen Tag nach der Rettung von mehr als 400 Flüchtlingen im Mittelmeer hat die deutsche Marine die Schiffbrüchigen in Italien an Land gebracht. Beteiligt waren die Fregatte "Hessen" und der Versorger "Berlin", die erstmals an einem solchen Hilfseinsatz teilnahmen.

Die Männer, Frauen und Kinder waren am Freitag aus Seenot gerettet worden, als sie in drei überfüllten Booten vor der Küste Libyens trieben. Sie stammen größtenteils aus Eritrea, Somalia und Äthiopien. Die Menschen waren allein Richtung Italien losgeschickt worden. Deshalb konnten keine Schlepper dingfest gemacht werden.

"So schnell wie möglich wieder raus"

Die "Hessen" legte im Hafen von Reggio di Calabria an, wo die Geretteten den italienischen Behörden übergeben würden, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Von dem großen Versorger "Berlin", der etwas außerhalb vor Anker ging, wurden die Einwanderer mit kleinen Booten an Land gebracht.

Der Versorger Berlin (vorn) und die Fregatte Hessen (Foto: Ricarda Schönbrodt/PIZ Marine/dpa)

Der Versorger "Berlin" (vorn) und die Fregatte "Hessen"

Schon bald sollen beide Besatzungen die nächsten Menschen retten. "Sie wollen so schnell wie möglich wieder raus", so der Bundeswehr-Sprecher. Die Schiffe werden dann ihre Patrouillenfahrten südlich von Sizilien wieder aufnehmen. Die genauen Koordinaten der in Seenot geratenen Menschen liefern die italienischen Behörden.

"So etwas noch nie gemacht"

Die deutschen Marineschiffe waren am Dienstag von Kreta aus zu ihrem Einsatz zur Seenotrettung gestartet. Am Freitag hatte die Fregatte "Hessen" rund 250 Kilometer südlich der italienischen Insel Lampedusa mehr als 200 Menschen von einem Holzboot aufgenommen. Die "Berlin" rettete 70 Kilometer vor der libyschen Küste fast ebenso viele Menschen - darunter Frauen und kleine Kinder - aus zwei Schlauchbooten.

"So etwas haben wir noch nie gemacht", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Zwar gebe es für Marineschiffe stets die Pflicht zur Seenotrettung. Aber die Bergung so vieler Menschen und ein Einsatz mit einem speziellen Auftrag zur Rettung sei bislang einmalig.

1500 Menschen ertrunken

Im Mittelmeer hatte es in den vergangenen Wochen mehrere Flüchtlingskatastrophen gegeben, bei denen hunderte Menschen ertranken. Schätzungen zufolge kamen seit Jahresbeginn mehr als 1500 Menschen bei der Überfahrt nach Italien ums Leben.

Die EU-Staaten beschlossen bislang allerdings nicht, das Einsatzgebiet der Grenzschutzmission "Triton" von der italienischen Küste Richtung Süden auszuweiten, wo die meisten Menschen sterben. Auch deshalb sind die beiden deutschen Schiffe nicht Teil von "Triton", sondern sie helfen Italien direkt bei der Seenotrettung. Die von den deutschen Schiffen aufgenommenen Menschen werden dann den italienischen Behörden übergeben.

jj/uh (dpa, afp)