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Afrika

Bundeswehr bereits seit Jahren in Mali

Im Februar beschloss der Bundestag mit den Stimmen fast aller Parteien, Soldaten ins westafrikanische Krisenland Mali zu schicken. Doch was wenige wissen: Der neue Auslandseinsatz hat eine lange Vorgeschichte.

Bundeswehr-Soldaten neben einem Transportflugzeug in Kabul (l.). Foto: Oliver Lang/dpa

Bundeswehr im Auslandseinsatz

Das westafrikanische Land Mali steht seit Monaten im Fokus der Weltöffentlichkeit. Zur Jahreswende schien es, als ob islamistische Rebellen aus dem Norden die schwache malische Armee überrennen und die Macht an sich reißen könnten. Erst das militärische Eingreifen Frankreichs Mitte Januar wendete das Blatt.

Die Rolle Frankreichs als Waffenbruder soll nun schrittweise eine Truppe der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS übernehmen. Zeitgleich will die Europäische Union die malische Armee bei der Ausbildung unterstützen. Dabei kann die EU auf eine lange Erfahrung der Bundeswehr setzen. Denn deutsche Soldaten sind bereits seit Jahren in Mali im Einsatz - was in der Bundesrepublik kaum jemand weiß.

Seit 2005 arbeitet die Bundeswehr in Mali

Pioniere der malischen Armee (Foto: Bundeswehr)

Seit Jahren werden Pioniere in Mali von der Bundeswehr ausgebildet

In Mali sei zwischen 2005 und dem Ausbruch der Unruhen im April 2012 durchgängig eine Beratergruppe der Bundeswehr im Einsatz gewesen, teilt das Verteidigungsministerium auf DW-Anfrage mit. "Wir haben die malische Armee dabei unterstützt, eine Pionierkompanie aufzubauen, die nun Teil der Einsatzbrigade der ECOWAS sein soll. Zusätzlich haben wir ein Berufsausbildungszentrum für Bauberufe und Mechaniker aufgebaut", sagt ein Bundeswehr-Soldat, der anonym bleiben möchte, im DW-Gespräch. Der Offizier leitete von Beginn an die Beratergruppe, die immer sieben Soldaten umfasste. Seit Mitte Februar ist er wieder in der malischen Hauptstadt Bamako, um dort anzuknüpfen, wo die Beratergruppe im April 2012 aufhören musste.

Bei seinem Eintreffen im Jahr 2005 sei die malische Einheit nicht den Aufgaben entsprechend ausgebildet gewesen. Auch die Ausrüstung habe gefehlt, erinnert sich der Offizier. Durch den Einsatz vor Ort und die Lieferung von ausgemustertem Bundeswehr-Material sei die Pioniereinheit dann schrittweise aufgebaut worden.

Material im Wert von mehreren Millionen Euro verschenkt

Bundeswehr-Unterlagen belegen, dass die deutsche Armee den malischen Streitkräften zwischen 2007 und 2011 im Rahmen ihres Ausstattungshilfeprogramms Gerät im Wert von mehr als drei Millionen Euro schenkte. Die Liste umfasst mehrere Dutzend Laster, Material für den Brückenbau, Boote, Baumaschinen, Zelte und Geräte zur Instandhaltung. 2012 wurde weiteres Material geliefert - auch dafür bezahlte Deutschland. Allein im Januar 2008 kosteten zwei Materialflüge etwa eine halbe Million Euro. Insgesamt veranschlagt die Bundeswehr die Kosten für den Mali-Einsatz zwischen 2005 und 2012 auf 37 Millionen Euro.

Hoff: Neuer Einsatz ist konsequent

FDP-Politikerin Elke Hoff

Elke Hoff (FDP): Militäreinsatz kann politische Verhandlungen nicht ersetzen

Die Bundesregierung setzt dieses Engagement nun fort. Im Rahmen der EU-Ausbildungsmission sollen etwa 40 Bundeswehr-Soldaten weiterhin malische Pioniere ausbilden. Für die Verteidigungsexpertin der FDP, Elke Hoff, ist das nur konsequent: "Wir haben ein Pionier-Element ausgebildet und werden das auch weiterhin tun, weil gerade die Leistung von Pionieren in einem Land wie Mali wichtig ist. Es geht unter anderem um das Aufspüren von Sprengfallen oder darum, Wege und Brücken zu bauen."

Bundeswehr-Offizier lobt malische Soldaten

Auch der deutsche Offizier in Bamako sieht angesichts der Kämpfe im Norden Malis Bedarf an weiterer Unterstützung. Denn zu den Pionieraufgaben zähle auch Straßenbau oder die Sanierung von Gebäuden. Diese Fähigkeiten seien nun beim Aufbau in Nordmali unerlässlich. Vor dem Hintergrund seiner bisherigen Erfahrungen ist er optimistisch, dass die Bundeswehr im Rahmen ihrer gestärkten Mission Erfolg haben wird. Die malischen Soldaten hätten sich in den vergangenen Jahren das vermittelte Wissen erfolgreich angeeignet. Als Beleg führt der Offizier an, dass die Malier nach dem Abzug im letzten Jahr trotz der politischen und auch der kriegerischen Situation das Berufsausbildungszentrum "in hervorragender Art und Weise weitergeführt" hätten.

Einsatz wird noch lange dauern

Der Bundeswehr-Soldat rechnet aber noch mit einem langen Einsatz: "In der EU-Ausbildungsmission wird eine Blitzausbildung von neun Monaten gestartet, die es ermöglichen wird, die Pionierkameraden einzusetzen. Auf längere Sicht ist meines Erachtens noch einmal ein Zeitraum von mindestens vier Jahren notwendig, um alles zu konsolidieren und dann auch die Nachhaltigkeit dieser Projekte zu gewährleisten."

Stationierungsorte der Bundeswehr in Mali

Stationierungsorte der Bundeswehr in Mali

Auch die Bundestagsabgeordnete Hoff geht davon aus, dass der Weg noch lang sein wird. Sie reiste jüngst nach Mali, Niger und Algerien, um sich selber ein Bild zu machen. Außerdem wünscht sie sich Gespräche zur Beilegung des seit Jahren schwelenden Konflikts in Nordmali. Teil dieses Prozesses müsse auch die Entwicklung der Region sein. Nur so könne insbesondere in Nordmali die Lage entschärft und dem Konflikt der Nährboden entzogen werden. "Ein Militäreinsatz kann die notwendigen politischen Verhandlungen nicht ersetzen", warnt Hoff.

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