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Deutschland

Bundeswehr beginnt Einsatz in Afghanistan

Das deutsche Vorauskommando für den Einsatz von bis zu 1.200 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan ist unterwegs. Die Aufgabe wächst, doch die Ausstattung ist unzureichend - meint Wolter von Tiesenhausen.

Schon die komplizierte Art der Anreise zeigt, wie unzureichend die deutschen Streitkräfte für solche internationalen Einsätze ausgerüstet sind. Veraltete Transall-Maschinen der Luftwaffe fliegen die 70 deutschen und 30 niederländischen Soldaten zunächst in die Türkei. Dort müssen sie in Maschinen des Typs Herkules umsteigen, denn nur die verfügen über moderne elektronische Erkennungs- und Abwehreinrichtungen. Solche Schutzmassnahmen aber sind in unruhigen Weltgegenden wie dem Mittleren Osten unverzichtbar.

Nicht nur beim Transport in gefährdete Gegenden und über große Strecken ist die Bundeswehr auf die Hilfe der Verbündeten angewiesen. Auch bei der Ausrüstung mit modernen Führungsmitteln - also Funksprechgeräten und Computern - hapert es. Selbst so einfache Dinge wie Zelte und Schutzwesten sind Mangelware geworden. Die vielfältigen Einsätze der Bundeswehr auf dem Balkan haben die Lager leergeräumt. Für großzügige Nachbestellungen aber fehlt trotz aller beschwichtigenden Worte von Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping das Geld.

Glaubt man hohen deutschen Offizieren, so waren die Bemühungen der Militärdiplomaten im Vorfeld des Einsatzes auch nicht allzu erfolgreich. Großbritannien als die Führungsnation des Afghanistan-Einsatzes hat sich die Entscheidung darüber vorbehalten, welche Einheiten aus welchen Ländern abgerufen werden. Deshalb bestimmen britische und nicht deutsche Interessen, wie das Kontingent der Bundeswehr zusammengesetzt wird. Dass beide Armeen durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit in der NATO kameradschaftlich verbunden sind, ändert daran nichts.

Vor allem aber: dem Afghanistan-Einsatz werden weitere Herausforderungen für die deutschen Streitkräfte folgen. Ein Marineverband ist im Zuge des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus bereits auf dem Marsch an das Horn von Afrika. Zwei der dortigen Anrainer - der Jemen und Somalia - gelten als mögliche Rückzugsgebiete der islamischen Fundamentalisten. Aufgabe der Deutschen wird es sein, die Meerenge zu kontrollieren und die freie Schifffahrt zu sichern. Sehr schnell könnte da die Notwendigkeit entstehen, dies nicht nur zu Wasser, sondern auch zu Lande zu tun. Der stellvertretende amerikanische Verteidigungsminister Paul Wolfowitz hat das bereits angedeutet.

Aus allen diesen Gründen genügt es nicht mehr, der Bundeswehr sozusagen aufmunternd auf die Schulter zu klopfen. Ihre Kassen müssen kräftig aufgefüllt, ihr Gerät ergänzt, Waffen und Flugzeuge modernisiert werden. Wer die Streitkräfte in gefahrvolle Einsätze kommandiert, muss sie auch entsprechend ausrüsten. Alles andere wäre verantwortungslos.