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Sport

Bundestrainer Heiner Brand will nicht mehr

Ein Großer des Sports geht: Heiner Brand tritt zum 30. Juni als Handball-Bundestrainer zurück. Als Spieler und Trainer wurde er Weltmeister und stand wie kein Zweiter für den deutschen Handball.

Heiner Brand (Foto: dpa)

Der Schnauzbart als Markenzeichen

Er ist und war Handballer aus Leidenschaft, genialer Taktiker, Vulkan an der Seitenlinie – und der Schnauzbart der Republik: Heiner Brand.

"Aufgabe systematisch verleidet"

Ein Mann als Marke, unverwechselbar, immer geradlinig, manchmal etwas schnoddrig, aber eben mit Ecken und Kanten. Deshalb war der Gummersbacher auch als Spieler und Trainer stets Liebling der Fans. Doch das Ende seiner langen Trainerkarriere, das er - wie erwartet - an diesem Mittwoch (18.05.2011) bekanntgab, hatte sich der 58-Jährige sicher anders vorgestellt. "Gewissen Kontroversen und Schein-Diskussionen muss ich mich nun wirklich nicht mehr aussetzen", sagte Brand. "Man hat mir die Aufgabe systematisch verleidet."

Deutschland scheiterte bei der vergangenen Handball-WM in Schweden als Elfter – für Brand weit hinter den eigenen Erwartungen. "Ich bin froh, dass es vorbei ist. Die letzten Wochen waren nicht sehr angenehm", sagte Brand im Januar 2011 am Ende eines Turniers, das seines späteren Abgangs nicht würdig war.

Rücktritt einer Institution

Heiner Brand brüllt (Foto: AP)

Manchmal auch ein brodelnder Vulkan: Heiner Brand

Niedergeschlagen und enttäuscht waren Spieler, Trainer und Öffentlichkeit, denn in der Ära Brand hatte sich der deutsche Handball ein hohes Niveau erarbeitet und die Fans mit Erfolg verwöhnt: Das Team wurde mit dem Bundestrainer Brand an der Spitze Weltmeister 2007, Europameister und Olympia-Silbermedaillengewinner 2004, Vize-Weltmeister 2003. 2011 folgte dann mit Rang elf das schlechteste deutsche Abschneiden in der 73-jährigen WM-Geschichte. Brand reagierte wie so oft bei Rückschlägen: selbstkritisch. "Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Wir haben Fehler gemacht und insofern geht das Ergebnis – so bitter das auch ist – am Ende in Ordnung."

Seine größte Stärke: Er blieb am Boden

Trainer Heiner Brand wird nach dem Gewinn des Weltmeistertitels 2007 von den Spielern durch die Halle getragen (Foto: dpa)

"König Heiner": Der WM-Sieg 2007 machte ihn zum Helden

Heiner Brand, der Realist. Nüchtern und sachlich analysierte er Siege wie Niederlagen. Es war vielleicht seine größte Stärke, immer den Überblick zu behalten, nichts zu überstürzen, auch nicht seinen Abgang. "Zu gegebener Zeit" wolle er sich äußern, sagte Brand unmittelbar nach der WM. Er nahm sich Zeit für seinen Entschluss.

Nun ist Schluss, nach mehr als 14 Jahren im Amt. Aber der Gummersbacher wird dem deutschen Handball erhalten bleiben – kein Wunder, denn alle einflussreichen Kräfte des Handballs hatten ihn darum eindringlich gebeten. Brand wird vom 1. Juli an als Manager im Deutschen Handballbund (DHB) arbeiten.

Damit bleibt er nahe an der Nationalmannschaft, wird aber nicht mehr so sehr im Rampenlicht stehen. Am hellsten leuchtete es 2007, als er mit seiner Mannschaft das "deutsche Wintermärchen" schrieb: den Gewinn der Weltmeisterschaft im eigenen Land. Es war der große Triumph, sein Triumph.

WM-Sieg "nicht für möglich gehalten"

Der bundesdeutsche Akteur Heiner Brand (l.) kommt in der WM-Partie BRD-DDR 1978 zum Torwurf, der DDR-Akteur Klaus Gruner schaut dabei zu. (Foto: dpa)

WM 1978: Brand setzte sich durch - hier gegen die DDR

Als Spieler wurde er 1978 gefeierter Weltmeister. Als Trainer formte er knapp drei Jahrzehnte später eine Mannschaft, die genau zum richtigen Zeitpunkt ihren Zenit erreichte: bei der Heim-WM 2007. "Ich habe es, wenn ich ehrlich bin, vorher nicht für möglich gehalten", gab Brand nach dem Finale zu. Zu groß waren die Verletzungssorgen in der Vorbereitung. "Dass dieses Turnier so gut gelaufen ist, das werde ich wahrscheinlich erst später realisieren. Wir haben dieses Mal das kleine Quäntchen Glück gehabt, das man braucht." Das Quäntchen Glück, am Ende fehlte es ihm dann. Doch vielleicht ist das im Sport einfach nur der normale Weg der Dinge: Man gewinnt und verliert. Gewonnen hat er aber mit Sicherheit die Herzen der Handballanhänger. So schrieb ein Fan auf Brands Facebook-Pinnwand: "Keiner ist wie Heiner." Recht hat er.

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Marion Linnenbrink