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Asien

Bundesstaat Afghanistan?

Die Militärs sind den Politikern davongelaufen. Viel schneller als erwartet haben die afghanischen Oppositionstruppen Kabul eingenommen und die internationale Gemeinschaft damit unter Druck gesetzt.

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Flüchtlinge in Kabul

Militärische Erfolge, egal welcher der Konfliktparteien, sind auf Sand gebaut, wenn sie nicht durch eine politische Lösung flankiert werden. Eine Lösung, die eine angemessene Beteiligung der politischen Vertreter aller Volksstämme garantiert und damit ein Mitwirken der afghanischen Völkerschaften an der Zentralverwaltung.

Diesmal scheint die Chance für eine solche politische Lösung zu bestehen. Aber wie eine stabile Ordnung nach einem Sturz der Taliban aussehen könnte, darüber herrscht innerhalb des weltweiten Bündnisses gegen den Terrorismus ebensowenig Klarheit wie bei den heillos zerstrittenen Bevölkerungsgruppen in Afghanistan selbst.

Ethnische und sprachliche Spaltung

Schon vor der Machtergreifung der radikalislamischen Taliban war Afghanistan ein gespaltenes Land - sowohl religiös als auch sprachlich. Seit Jahrzehnten bekriegen sich die Angehörigen der sunnitischen Mehrheit mit den Schiiten. Auch sprachlich ist das Volk in Afghanistan zerrissen: Die meisten Menschen sprechen entweder Paschtu oder das völlig andere Dari, die afghanische Version des Persischen. Daneben existieren zahlreiche Dialekte. Der zähe Verlauf der Verhandlungen zwischen den verschiedenen Parteien über eine Nach-Taliban-Regierung scheint Skeptikern das Wort zu reden, nach deren Überzeugung eine Regierung illusorisch ist, die alle ethnischen Gruppen vereint.

Manche Experten sehen daher angesichts des Durcheinanders die Lösung in einem Bundesstaat nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten von Amerika oder in der Schaffung einzelner souveräner Kleinstaaten. Die Befürworter mehrerer halb-souveräner Teilstaaten glauben, dass ein geteiltes, aber in Frieden lebendes Land in jedem Fall besser ist als ein gewaltsam zusammengehaltener Gesamtstaat.

Teil-Souveränität statt Teilung

Doch Afghanistan wäre wohl längst befriedet, wenn das Problem so einfach zu lösen wäre. Und so gibt es genügend Stimmen, die eine Teilung des Landes am Hindukusch rundum ablehnen. Die politischen und diplomatischen Sondierungen unter Beteiligung verschiedener afghanischer Gruppierungen weisen darauf hin, dass sich die Parteien und Volksstämme Afghanistan über die Notwendigkeit einer politischen Lösung im klaren sind.

Wenn für Afghanistan ein überzeugendes politisches Konzept gefunden werden soll, müssen die Provinzen wohl einen gewissen Grad an Freiheit erhalten. Diese Freiheit zu definieren ist nun Aufgabe der internationalen Gemeinschaft und der afghanischen Vertreter. Die Zeit drängt.(wa)

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