Bundesregierung will eSport als Sport anerkennen | Sport | DW | 07.02.2018
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eSport

Bundesregierung will eSport als Sport anerkennen

Etwas überraschend schafft es auch der eSport in den Koalitionsvertrag der "GroKo". Die neue Bundesregierung will Gaming als Sport anerkennen - der DOSB sah das bis vor kurzem noch ganz anders.

eSports Pressebilder (espn.com)

Stadionfüller eSport: Ausverkaufte Arenen, Millionenpublikum per Livestream - und nun bald auch offiziell Sport?

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Er wurde in Rekordzeit erstellt, rechnete der scheidende SPD-Chef Martin Schulz vor, und er sei auch einer der detailliertesten seiner Art. So finden sich in dem Werk auch Dinge, die man dort gar nicht unbedingt vermutet hätte. Zum Beispiel auf Seite 48, dort wirde zwischen dem Freiwilligen sozialen Jahr und dem "Digitalen Europa" auch der eSport thematisiert.

"Wir erkennen die wachsende Bedeutung der E-Sport-Landschaft in Deutschland an", steht dort geschrieben. "Da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen."

Für die neue Bundesregierung sicher ein frisches, digitales Thema, mit dem man sich bei einer jungen Zielgruppe schmücken kann. Und zugleich ein Zeichen: Schließlich hatten die Koalitionäre während der Verhandlungen einiges an Kritik aus der Digitalbranche einstecken müssen, die Politik würde die Herausforderungen der Digitalisierung allein mit dem Breitband-Ausbau beantworten.

eSport-Standort Deutschland als "gallische Einöde"

Bloß Imagepolitur? Dem eSport kann es egal sein, die Anerkennung als "echter" Sport ist ein hierzulande lang gehegter Wunsch der e-Athleten. Bislang waren sie beim Deutschen Olympischen Sport-Bund (DOSB) vor eine Wand gelaufen. Fehlende Gemeinnützigkeit und keine ordnungsgemäße Struktur hieß es von den obersten Sportfunktionären in Richtung der inzwischen gar nicht mehr so jungen eSport-Bewegung. DOSB-Pressesprecher Michael Schirp hatte der DW Anfang 2017 noch gesagt, dass Fachleute und Medizinern beim eSport vor Bewegungsarmut und orthopädische Schäden warnen. Außerdem gäbe es im eSport keinen Verband, sondern nur kommerzielle Unternehmen. "Solche Unternehmen kann der DOSB gar nicht aufnehmen."

Es hagelte Kritik, unter anderem aus der Sportwissenschaft: "Vom DOSB ist es ein armseliges Argument, dass es keine Strukturen gibt. Diese Position ist nicht mehr lange haltbar", sagte Professor Ingo Froböse. Er forscht seit Jahren an der Kölner Sporthochschule zum Phänomen eSports und verweist auf die nachweislich physische Komponente des eSports. Da das Asiatische Olympische Komitee (OCA) eSport bei den Asienspielen 2022 im chinesischen Hangzhou als offizielle Sportart zuließ, sei man in Deutschland in "einer gallische Einöde", so Froböse.

RB Leipzig E-Sportler Cihan Yasarlar (RB Leipzig)

RB-Leipzig eSportler Cihan Yasarlar glaubt an eine digitale Fußball-Bundesliga

Die Stimmung kippte aber im Laufe das Jahres 2017. Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel im August 2017 die weltgrößte Videospielmesse Gamescom in Köln eröffnet hatte, wurde Ende des Jahres ein deutscher Dachverband (ESBD) gegründet.Ein gutes Timing rechtzeitig zu den Koalitionsverhandlungen. Auch in der Politik erkannte man plötzlich das Potential der neuen, digitalen Sport-Disziplin. Rund 400 Millionen eSport-Fans gibt es inzwischen weltweit, Preisgelder auf Champions-League-Niveau gehören dazu, in Ländern wie dem Olympia-Gastgeberland Südkorea sind die Spieler Top-Stars. 

"Was ein Stimmungswechsel, wenn man zehn Jahre zurückdenkt"

Ende des Jahres kamen dann plötzlich auch neue Töne aus der Frankfurter DOSB-Zentrale: "Für den DOSB ist eSport ein Thema mit hoher Relevanz", heißt es in einer offiziellen Meldung, nachdem man sich mit dem ESBD getroffen hatte. Man wolle "weiteren Meinungsaustausch" und eine Arbeitsgruppe. Dem greift die Bundesregierung, die gleichzeitig auch die "Einführung von Games-Förderung auf international wettbewerbsfähigem Niveau" versprach, nun vor. Schließlich sind mit Schalke 04, VfL Wolfsburg, VfB Stuttgart, Hertha BSC und RB Leipzig fünf Bundesliga-Klubs bereits im eSport aktiv. Der deutsche eSport-Star Cihan Yasarlar von RB Leipzig träumt bereits von einer digitalen Bundesliga:"Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die anderen Bundesliga-Vereine einsteigen." Möglicherweise wird es nicht beim Traum bleiben.

Die Anerkennung durch die Bundesregierung könnte ein Türöffner sein. Ulrich Schulze vom eSport-Veranstalter ESL schrieb auf Twitter: "Ein klares Bekenntnis zur Anerkennung als Sport, weil es Vorteile für die Aktiven bringt. Was ein Stimmungswechsel, wenn man zehn Jahre zurückdenkt." Und auch in der Gaming-Wirtschaft freut man sich: "Die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen sind ein wichtiges Signal: Mit der Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen wird endlich das große kulturelle, wirtschaftliche und innovative Potenzial von Computer- und Videospielen für Gesellschaft und Wirtschaft erkannt und genutzt", schrieb Felix Falk, Geschäftsführer im Verband der deutschen Games-Branche game. Bevor die Anerkennung von eSport umgesetzt werden kann, muss die SPD-Basis dem Koalitions-Papier allerdings noch zustimmen.

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