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Umwelt

Bundesregierung gesteht zu hohe Nitratbelastung ein

Düngemittel beeinträchtigen die Gewässerqualität in Deutschland. Das gesteht die Bundesregierung jetzt gegenüber der EU-Kommission ein. Deutschland droht eine Geldstrafe wegen Verstoßes gegen die Nitratrichtlinie.

Düngemittel in der Landwirtschaft beeinträchtigen nach wie vor die Gewässerqualität in Deutschland. Im Vergleich zu den Jahren 2008 bis 2011 weisen die jüngsten Messreihen der Jahre 2012 bis 2014 kaum Verbesserungen auf.

Das berichtet das Bundesumweltministerium (BMUB) in seinem aktuellen Nitratbericht . Diesen muss die Bundesregierung alle vier Jahre der EU-Kommission vorlegen. Der Bericht umfasst Messdaten vorwiegend von landwirtschaftlichen Flächen. Enttäuschend daran: Eigentlich hatte die Bundesregierung eine deutliche Verbesserung durch Schutzmaßnahmen prognostiziert. 28 Prozent der Messstellen weisen Konzentrationen auf, die den Zielwert von 50 Milligramm pro Liter überschreiten. An Flüssen und Seen wird dieser Wert allerdings flächendeckend unterschritten.

Erstmals wertet der Bericht auch Phosphat-Einträge in Seen, Flüssen und Küstengewässern aus. Phosphate sind Hauptauslöser des Algenwachstums. Hier sind die Einträge zwischen 2012 und 2014 allerdings deutlicher zurückgegangen als bei den Nitraten. Der angestrebte Zielwert wird aber immer noch an 65 Prozent der Messstellen überschritten. Gerade an den Küsten von Nord- und Ostsee kommt es aufgrund der hohen Nährstoffeinträge im Sommer immer wieder zu starker Algenblüte.

Klage vor dem Europäischen Gerichtshof anhängig

Überschattet wird die diesjährige Veröffentlichung durch eine Klage der EU-Kommission gegen Berlin wegen Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie. Deutschland unternehme zu wenig, um die Gewässerbelastung zu verringern, heißt es in der Klage, die die EU-Kommission im November beim Europäischen Gerichtshof eingereicht hat. Insbesondere die Massentierhaltung gilt als Verursacher der hohen Belastungen.

Blaualgenteppiche auf der Ostsee (picture-alliance/dpa/S. Sauer)

Besonders in der Ostsee ist im Sommer das Algenwachstum ein Problem. Ursache: Phosphate und Nitrate.

Im Bericht des BMUB heißt es hingegen, dass der übermäßige Einsatz von Stickstoffdüngern das Hauptproblem sei. Fast ein Drittel der Messstellen für die Grundwasserqualität wiesen zwischen 2012 und 2014 zu hohe Nitratwerte auf. Auch an den Küsten der Nord- und Ostsee habe es kaum Anzeichen für eine Verbesserung gegeben. Die zu hohen Phosphor- und Stickstoffeinträge (Eutrophierung) führten hier zu übermäßigem Algenwachstum, berichtet das BMUB. Bei Seen und Flüssen gehen die Einträge indes leicht zurück.

Neue Düngemittel-Verordnung kommt

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Nitrat im Grundwasser: EU vs Deutschland

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verwies anlässlich der Veröffentlichung des Berichtes darauf, dass die Regierung bereits eine Gegenstrategie habe. Sie habe 2016 verschärfte Düngeregeln auf den Weg gebracht, die jetzt zügig in Kraft treten müssten. "Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen", sagte die Ministerin in einer Pressemitteilung.

Wenn das Grundwasser zu stark mit Nitrat belastetet sei, müsse es für die Trinkwasserversorgung verdünnt oder technisch aufbereitet werden. "Das treibt die Wasserkosten für alle in die Höhe. Im Sinne des Gemeinwohls müssen wir hier stärker als bisher gegensteuern."

Derzeit ist die Novelle des neuen Düngegesetzes noch in der parlamentarischen Beratung. Oppositionsvertreter kritisieren, dass die Novelle unter anderem durch das Bundeslandwirtschaftsministerium verschleppt worden sei. Dieses wird von der Christlich Sozialen Union (CSU) geführt. Dies liege wahrscheinlich daran, dass der Deutsche Bauernverband einen starken Einfluss auf die CSU habe, zitiert die ARD-Tagesschau den Bio-Bauern und Abgeordneten der oppositionellen Grünen im Bundestag Friedrich Ostendorff. "Ich bin gespannt, wie sich das durchsetzt. Bisher war das Umweltministerium nicht in der Lage, dem Paroli zu bieten, wenn es aus dem Hause des Bauernverbandes massivsten Widerstand gab", sagte der Grüne gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

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