1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Europa

Bundespräsident Gauck zu Staatsbesuch in Athen eingetroffen

Bundespräsident Joachim Gauck ist zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Griechenland angekommen. In Athen will er die Verantwortlichen ermutigen, den schwierigen Reformkurs zur Überwindung der Schuldenkrise fortzuführen.

In Gesprächen mit Politikern, Wirtschaftsvertretern und Intellektuellen will Gauck dafür werben, dass Griechenland trotz der erheblichen Lasten für die Bürger am Reformkurs festhält. Seinen Besuch will der Präsident auch als Zeichen der Wertschätzung für die bisherigen Anstrengungen auf dem Weg aus der Schuldenkrise verstanden wissen.

In einem Interview der Zeitung "Kathimerini" äußerte Gauck seinen Respekt für die griechischen Reformbemühungen. "Die griechische Gesellschaft leistet viel, die Menschen entbehren viel", sagte er. "Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Menschen verzweifeln, wenn das Geld zum Kauf von Medikamenten oder zur Bezahlung der Stromrechnung fehlt." Es seien aber weitere Anstrengungen nötig. "Ich möchte alle Griechen ermutigen, diesen schwierigen Weg weiterzugehen - und zwar nicht um Europa zu Willen zu sein, sondern im ureigenen griechischen Interesse."

Europa-Rede im Akropolis-Museum

Während für Mittwoch ein Besuch der Akropolis in Athen und Unterredungen mit Vertretern des Kultur- und Geisteslebens auf dem Besuchsprogramm standen, beginnt der politische Teil des Besuchs erst an diesem Donnerstag. Nach einem Empfang durch den griechischen Präsidenten Karolos Papoulias sind Begegnungen mit Ministerpräsident Antonis Samaras und Oppositionsführer Alexis Tsipras vom linken Parteienbündnis Syriza geplant. Am Abend hält Gauck im Akropolis-Museum eine Rede zum Thema Europa.

Am Freitag trifft der Bundespräsident, der von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet wird, zunächst Wirtschaftsvertreter. Am Mittag fliegt er gemeinsam mit Papoulias in den Nordwesten Griechenlands. Dort besuchen die Präsidenten das Dorf Lyngiades, das im Oktober 1943 von deutschen Soldaten zerstört wurde. Bei dem Massaker wurden damals mehr als 80 Menschen getötet.

Auch ein Treffen mit Vertretern der jüdischen Gemeinde im nahegelegenen Ioannina ist vorgesehen. Am Freitagabend kehrt Gauck nach Berlin zurück. Sein Staatsbesuch in Griechenland ist der erste eines Bundespräsidenten seit 14 Jahren. Amtsinhaber war damals Johannes Rau. Bei einem Griechenland-Aufenthalt von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oktober 2012 war es zu massiven anti-deutschen Protesten gekommen. Damit wird diesmal allerdings nicht gerechnet.

Anzeichen für Ende der Rezession

Die Schuldenkrise hat in Griechenland zu Massenarbeitslosigkeit, Sozialabbau und einer tiefen Rezession geführt. Viele Griechen machen dafür auch die strengen Reformauflagen verantwortlich, an die die EU ihre Hilfspakete geknüpft hat. Besonders scharfe Kritik richtet sich gegen Deutschland, das diesen Kurs maßgeblich mitbestimmt.

Die EU erwartet, dass Griechenland im laufenden Jahr erstmals seit Beginn der Rezession vor sechs Jahren wieder ein leichtes Wirtschaftswachstum erzielt. Nach Regierungsangaben erzielte das Land im vergangenen Jahr erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder einen Primärüberschuss im Haushalt. Die Arbeitslosenquote liegt bei offiziell rund 28 Prozent.

kle/wl (afp, dpa)

Audio und Video zum Thema