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Aktuell Europa

Bundespräsident Gauck gedenkt Opfer deutscher Besatzung

Bundespräsident Gauck hat an die Verbrechen erinnert, die von Deutschen während des Zweiten Weltkriegs in Griechenland verübt wurden. Der Besuch im Dorf Lyngiades war der erwartet "schwere Gang" - mit einer großen Geste.

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Gaucks schwerer Gang nach Lyngiades

In einer kurzen, bewegenden Ansprache bat Bundespräsident Joachim Gauck die Griechen um Verzeihung für die Kriegsverbrechen der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs. "Ich wünschte so sehr, längst hätte einer gesagt, der damals Befehle gegeben oder ausgeführt hat: 'Ich bitte um Entschuldigung' oder "Es tut mir so unendlich leid'", sagte Gauck in dem nordwestgriechischen Dorf Lyngiades.

Es seien diese nicht gesagten Sätze, die eine zweite Schuld begründen, da sie die Opfer sogar noch aus der Erinnerung verbannten, so Gauck. In Lyngiades hatten Soldaten der Wehrmacht im Oktober 1943 in einer Racheaktion für das Attentat auf einen deutschen Kommandanten mehr als 80 Zivilisten ermordet. Die meisten der Opfer waren Frauen, Kinder und alte Menschen.

Zeichen der Versöhnung

Begleitet wurde Gauck am dritten und letzten Tag seines Staatsbesuchs vom griechischen Präsidenten Karolos Papoulias. Der 84-Jährige hatte in seiner Jugend als Partisan gegen die deutschen Besatzer in Griechenland gekämpft. "Und doch haben Sie den Deutschen die Hand gereicht", sagte Gauck an den Präsidenten gerichtet. Dafür sei er "zutiefst dankbar".

Am Freitagmorgen war der Bundespräsident mit einheimischen Unternehmern und Existenzgründern zusammengekommen. Mit dem Treffen in Athen würdigte Gauck jene Wirtschaftsführer, die trotz der Krise in Griechenland investieren und Arbeitsplätze schaffen. Anschließend gab es ein Treffen mit Auszubildenden einer griechischen Tourismus-Fachschule.

Massive griechische Forderungen

Am Donnerstag war Gauck in Athen mit massiven griechischen Forderungen nach Reparationszahlungen und Entschädigungen für Verbrechen der Nazis konfrontiert worden. Staatspräsident Papoulias verlangte bei einem gemeinsamen Auftritt mit Gauck vor der Presse, Verhandlungen über Entschädigungen so schnell wie möglich zu beginnen. Gauck entgegnete, der Rechtsweg dazu sei abgeschlossen. "Ich werde mich dazu nicht äußern. Und ganz gewiss nicht anders als meine Regierung." Die Bundesregierung sieht die Entschädigungsfrage als erledigt an.

Gauck und Papoulias PK 06.03.2014 Athen

Bundespräsident Gauck und Griechenlands Präsident Papoulias

Papoulias, der in Köln studiert und gearbeitet hat, kritisierte am Abend bei einem Staatsbankett, dass Griechenland ohne Diskussionen aufgefordert werde, schmerzhafte Auflagen zur Sanierung der Staatsfinanzen in die Tat umzusetzen. Dagegen weigere sich Deutschland, über Verpflichtungen zu reden, die noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammten. Gauck ging bei dem festlichen Abendessen nicht direkt auf die Reparationsforderungen ein. Er bedauerte aber, dass die Untaten des NS-Regimes in Griechenland in Deutschland weitgehend unbekannt und "leider auch ungesühnt" geblieben seien.

Das Thema belastet die deutsch-griechischen Beziehungen seit Jahrzehnten. Durch die desolate Lage der griechischen Finanzen in der Eurokrise hat es aber weitere Dringlichkeit erhalten. Neben Entschädigungen für Sachwerte und Menschenleben geht es um einen Zwangskredit von 476 Millionen Reichsmark, den die Bank von Griechenland 1942 der Reichsbank einräumen musste.

kle/mak(dpa, afp)

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