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Deutschland

Bundespräsident besucht Hochwassergebiet

Sachsen-Anhalt kämpft weiter mit der Flut, während in Teilen Sachsens und Bayerns die Aufräumarbeiten beginnen. Bundespräsident Joachim Gauck besuchte das Katastrophengebiet und gab den Menschen Kraft.

Bundespräsident Joachim Gauck war es eine Herzensangelegenheit, den Betroffenen des Hochwassers in Süd- und Ostdeutschland seine Solidarität und Anteilnahme zu zeigen. Er besuchte am Sonntag einen Gottesdienst in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt. "Ich wäre normalerweise in Berlin in die Kirche gegangen", sagt das Staatsoberhaupt auf die Frage, warum er ausgerechnet nach Halle gekommen ist. "Aber ich habe gedacht, ich sollte hier in der Nähe von Menschen sein, die unter einer besonderen Belastung stehen."

Technisches Hilfswerk, Malteser Hilfsdienst, Feuerwehrleute und viele Hallenser kamen zum Gottesdienst in die Marktkirche Sankt Marien, zentrales Thema der Predigt war Solidarität. Während an normalen Sonntagen nicht mehr als 100 Besucher in das Gotteshaus kommen, waren es dieses Mal um die fünfhundert.

In Begleitung von Probst Johann Schneider (r) und Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (l, parteilos) betritt Bundespräsident Joachim Gauck am 09.06.2013 die Marktkirche von Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt). Der Gottesdienst widmet sich den Helfern und Betroffenen des Hochwassers. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Gauck besuchte in Halle einen Gottesdienst

In Halle haben die Bürger das Staatsoberhaupt freudig empfangen. "Dass er da ist, das ehrt uns", sagt ein Mann, der sehr überrascht über den Besuch ist. "Ja, das ist eine gute Geste", pflichtet ihm eine Frau bei. Die Stadt an der Saale hat im Vergleich mit einigen Städten noch Glück gehabt. Die Deiche hielten und hinderten die Saale daran, Halle-Neustadt, eines der größten Plattenbaugebiete Deutschlands, zu fluten. In der Altstadt aber traf es einige Straßenzüge. Dort musste evakuiert werden, Wohnungen und Keller stehen unter Wasser.

Deutschland ist solidarisch mit den Hochwasseropfern

Nach dem Gottesdienst appellierte Joachim Gauck an die Deutschen, jetzt solidarisch zu sein. "Wir anderen, die weit entfernt wohnen, wir können eine Menge tun, unser Portemonnaie aufmachen, wie wir das heute im Gottesdienst gehört haben. Deutschland ist ein solidarisches Land." Aber Spenden alleine werden nicht ausreichen, um die Folgen der Flut beseitigen zu können. Noch kann niemand genau sagen, welche Schäden die Naturgewalten hinterlassen haben.

Auch wenn es für eine Bilanz noch viel zu früh ist, zeichnet sich für Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) schon jetzt deutlich ab, dass die Behebung der Hochwasserschäden die Kräfte seines Bundeslandes weit übersteigen werden. "Das kann nur eine nationale Aufgabe sein. Das weiß auch die Bundeskanzlerin, darüber haben wir gesprochen. Das geht in die Milliarden", sagt Haseloff, dem deutlich ins Gesicht geschrieben steht, dass die Flutkatastrophe ihm nahe geht. Er war vor ein paar Tagen bei einer Evakuierung dabei, musste Menschen sagen, dass sie ihre Häuser verlassen müssen. "Da weiß man, dass wir bei der Hochwasserschutzplanung für die nächsten Jahre noch einmal einen Zahn zulegen müssen", sagte der Ministerpräsident. Außerdem muss noch um die Landeshauptstadt Magdeburg gezittert werden.

Bundespräsident Joachim Gauck (r) bedankt sich bei Helfern in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) am 09.06.2013 für ihren Einsatz im Hochwassergebiet. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Der Bundespräsident suchte den Kontakt mit den Helfern und den Betroffenen

Gauck besucht Kindertagesstätte

Selbst wenn der Scheitelpunkt der Elbe erreicht ist, bedeutet das noch nicht, dass Magdeburg aus dem Schneider ist. "Selbst wenn die Spitzenwerte erreicht sind, ist die Reduzierung in den nächsten Tagen nur im Zentimeterbereich. Das heißt, die Deiche werden sehr lange sehr sehr hohes Wasser halten müssen." Gemeinsam mit dem Bundespräsidenten und dem Oberbürgermeister von Halle geht es von der Kirche Richtung Saale zu einer Kindertagesstätte, die überschwemmt wurde. Zwischendurch immer auch wieder Begegnungen mit Hallensern, die es gar nicht fassen können, dass der Bundespräsident den Weg hierher findet, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Die ist jetzt weitestgehend entspannt. In einigen Straßen stehen immer noch Sandsackwälle, die das Schlimmste verhindert haben.

In der Kindertagesstätte Sankt Georgen ist die Leiterin Kerstin Jugel ganz aus dem Häuschen, dass das Staatsoberhaupt hier vorbei schaut. "Dass der Bundespräsident es für Wert befindet, uns zu besuchen, ist schon eine große Ehre", sagt sie. Während Erzieher, Eltern und Kinder den Besuch aus Berlin umringen, versuchen Helfer weiterhin das Wasser abzupumpen. Noch steht der Spielplatz der Kita komplett unter Wasser und es wird noch einige Wochen dauern, bevor hier wieder ein Kinderlachen zu hören sein wird.

Gauck sucht nach den passenden Worten

Joachim Gauck wirkt ehrlich betroffen von dem, was er in den Hochwassergebieten sieht. In manchen Orten haben Menschen das zweite oder gar das dritte Mal ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Hier Trost zu spenden, fällt auch dem Bundespräsidenten schwer und er macht daraus überhaupt keinen Hehl. "Das ist schwer. Manchmal fallen einem Worte oder Handlungen ein, wenn man vor einem betroffenen Menschen steht. Sie gehen hin, drücken erst mal den anderen und dann sagen sie, wo kann ich helfen."

Der Containerhafen in Halle (Sachsen-Anhalt) im Wasser der Saale, aufgenommen am 05.06.2013. Foto: Matthias Hiekel/dpa

Auch in Halle richtete das Hochwasser großen Schaden an

Für Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) ist es wichtig, dass Joachim Gauck in die Stadt gekommen ist. Da sind nicht nur die direkten Schäden durch das Hochwassern. Auch die Händelfestspiele mussten aufgrund der Flut abgesagt werden. Rund 40.000 Besucher waren erwartet worden. Für die ohnehin klamme Stadt gehen mehrere 100.000 Euro verloren. In dieser Situation ist der Besuch aus Berlin zumindest eine moralische Stützung. "Es ist ein Zeichen, einmal inne zu halten, Ruhe zu haben, um sich dann wieder den Aufgaben zu widmen", sagt Wiegand.

Der Besuch des Bundespräsidenten in Halle dauert nicht viel länger als zwei Stunden, dann ging es per Hubschrauber in das ungleich schlimmer betroffene Meißen. Doch die kurze Zeit hat ausgereicht, um den Hallensern Kraft für die Aufräumarbeiten zu geben.

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