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Aktuell Deutschland

Bundespolizist soll Flüchtlinge gequält haben

Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein Beamter der Bundespolizei soll Flüchtlinge auf einer Wache misshandelt und per WhatsApp mit den Taten geprahlt haben. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den Mann.

Die Ermittlungen gegen den Bundespolizisten wurden wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt und des Verstoßes gegen das Waffengesetz aufgenommen, wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge in Hannover bestätigte. Nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks soll es im vergangenen Jahr zu Übergriffen auf Flüchtlinge in Gewahrsamszellen der Polizei gekommen sein.

In einem Fall sei ein 19-jähriger Flüchtling aus Afghanistan gewürgt und mit angelegten Fußfesseln durch die Wache geschleift worden. In einem anderen Fall bestehe der Verdacht, dass ein ebenfalls 19 Jahre alter Marokkaner in der Zelle erniedrigt wurde, etwa indem ihm verdorbenes Schweinemett zu essen gegeben wurde.

Kurznachrichten und Fotos als Belege

Die Vorfälle sollen sich in der Wache der Bundespolizei neben dem Hauptbahnhof in Hannover ereignet haben. Als Beleg führt der NDR Nachrichten und Fotos auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten an. So schildere eine über den Kommunikationsdienst WhatsApp verschickte Nachricht den ersten Vorfall wie folgt: "Hab den weggeschlagen. Nen Afghanen. Mit Einreiseverbot. Hab dem meine Finger in die Nase gesteckt. Und gewürgt. War witzig. Und an den Fußfesseln durch die Wache geschliffen. Das war schön."

Ein Foto, das mit dem Handy des Bundespolizisten angefertigt wurde, soll den misshandelten Marokkaner zeigen. Er liegt in unnatürlicher Körperhaltung in einem weiß gekachelten Raum - das Gesicht erkennnbar von Schmerzen verzerrt, die Hände mit Handschellen gefesselt. Offenbar wird der Mann von mindestens zwei Polizisten festgehalten.

In einer Handy-Nachricht dazu heißt es dem Bericht zufolge: "Das ist ein Marokkaner. Den habe ich weiß bekommen. XY (der unmittelbar Vorgesetzte, Anm. d. Red.) hat gesagt, dass er ihn oben gehört hat, dass er gequikt hat, wie ein Schwein. Dann hat der Bastard erst mal den Rest gammeliges Schweinefleisch aus dem Kühlschrank gefressen vom Boden."

Zahl der Opfer noch unklar

Oberstaatsanwalt Klinge sagte der Nachrichtenagentur dpa, dem Beamten sei die Beteiligung an Demütigungen auf der Polizeiwache von zwei Zeugen vorgeworfen worden. "Was genau passiert ist, wissen wir nicht", erklärte Klinge. Auch die Identität und Zahl der möglichen Opfer seien bislang nicht bekannt.

Dem Bericht zufolge gab es sowohl in der Dienststelle des Bundespolizisten in Hannover als auch in dessen Privathaus am Freitag Hausdurchsuchungen. Dabei soll laut Staatsanwaltschaft Beweismaterial beschlagnahmt worden sein. Wegen der Schwere der Vorwürfe sei Eile bei den Ermittlungen geboten gewesen, sagte Klinge dem NDR. Die Bundespolizeidirektion in Hannover wollte sich auf Nachfrage des Senders nicht zu den Vorwürfen äußern, da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handele. Eine Sprecherin sagte aber, es gebe ein "größtmögliches Aufklärungsinteresse".

Die Frage ist nun auch, ob die Vorgänge auf der Dienststelle von Kollegen unbemerkt geblieben sein können. Immerhin wird in einer Handy-Nachricht ein Vorgesetzter erwähnt. Außerdem lässt ein zweiter Stiefel auf dem entwürdigenden Foto vermuten, dass die Aufnahme von einem weiteren Polizisten mindestens hingenommen wurde.

gri/pab (dpa, afp, ndr)