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Fußball

Bundesligisten knacken Winter-Rekord

Noch nie gaben die Fußball-Bundesligisten zum Jahreswechsel so viel Geld für neue Spieler aus. Die knapp 100 Millionen Euro reichen allerdings bei Weitem nicht an das heran, was in England ausgegeben wurde.

Last-Minute-Fischzug von Darmstadt 98, Kaufrausch und Jugendwahn beim Rest der Liga: Obwohl die TV-Milliarden erst in der kommenden Saison ausbezahlt werden und Rekordmeister Bayern München das berühmte Festgeld-Konto nicht anrührte, haben die Fußball-Bundesligisten zum Jahreswechsel insgesamt so viel Geld wie nie zuvor ausgeben. Fast 100 Millionen Euro und damit rund 34 Millionen mehr als im bisherigen Rekord-Winter 2014/15 investierten die 18 Vereine - meist für Talente, die irgendwann einmal zur Stars heranreifen sollen.

Größter Einkäufer zu später Stunde war der Tabellenletzte. Die Lilien verstärken sich für den Abstiegskampf in letzter Sekunde mit dem zweimaligen deutschen Meister Hamit Altintop von Galatasaray Istanbul. Zudem verpflichtete das Schlusslicht den 26-jährigen Wilson Kamavuaka vom griechischen Erstligisten Panetolikos Agrinio und den 22-jährigen Patrick Banggaard vom FC Midtjylland in Dänemark.

Altintop ist allerdings nicht die einzige Überraschung. Denn nicht nur der 34 Jahre alte ehemalige Bayern-, Schalke- und Real Madrid-Profi kehrt nach Deutschland zurück. Auch dem FC Augsburg gelang mit dem einstigen Dortmunder Moritz Leitner ein später Transfercoup. Der 24-Jährige kommt von Lazio Rom.

Teure Teenager

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Neuzugang Alexander Isak und BVB-Sportdirektor Michael Zorc posieren in Dortmund mit einem Trikot (Foto: picture-alliance/dpa/BVB/A. Simoes/Borussia Dortmund)

Zufriedene Gesichter: BVB-Geschäftsführer Watzke, Neuzugang Isak und BVB-Sportdirektor Zorc

Die großen Summen aber wurden woanders für die Jugend ausgegeben. Borussia Dortmund berappte zehn Millionen Euro für Alexander Isak, Bayer Leverkusen zwölf Millionen für Leon Bailey und RB Leipzig zehn Millionen für Dayot Upamecano. Diese Drei, die zusammen mehr als 30 Millionen Euro kosteten, könnten alle noch zur Schule gehen.

"Alexander ist ein hochkarätiges Sturmtalent, das zahlreiche europäische Topklubs verpflichten wollten. Der BVB ist genauso wie der Spieler absolut überzeugt davon, dass dieser Transfer einer mit großer Perspektive ist", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc über den Dortmunder Königstransfer, der in seinem Heimatland Schweden schon als "neuer Zlatan" (Ibrahimovic) gehandelt wird.

Der Sportdirektor des momentan im Mittelmaß versinkenden Werksklubs, Rudi Völler, sagte über den 19 Jahre alten Jamaikaner vom belgischen Europa-League-Teilnehmer KRC Genk: "Er ist ein außergewöhnlich schneller, sehr trickreicher Spieler, der unserer Offensive zusätzlichen Schwung verleiht."

Retten, was zu retten ist

Yunus Malli winkt im Trikot von Mainz 05 ins Publikum (Foto: Getty Images/Bongarts/A. Grimm)

Abschied: Yunus Malli noch im Trikot von Mainz 05

Besonders großen Nachholbedarf sah einmal mehr der VfL Wolfsburg. Mit 29,5 Millionen Euro führen die Wölfe die Einkäuferliste an. Profis wie Yunus Malli, für 12,5 Millionen Euro vom FSV Mainz gekauft, Riechedly Bazoer, für zwölf Millionen von Ajax Amsterdam gekommen, und Paul-Georges Ntep, für den an Stade Rennes wohl rund fünf Millionen Euro geflossen sind, sollen dafür sorgen, dass es für den Bundesliga-14. nicht noch weiter abwärts geht. Diese Transfers konnten sich die Wolfsburger allerdings locker leisten: Allein der Verkauf von Weltmeister Julian Draxler an Paris Saint-Germain brachte üppige 45 Millionen Euro ein.

Dass der Hamburger SV trotz rund 75 Millionen Euro Verbindlichkeiten so viel Geld für den Brasilianer Walace (9,2 Millionen) und Mergim Mavraj, für den 1,8 Millionen Euro an den 1. FC Köln flossen, ausgeben konnte, verwundert - aber die Abstiegsangst setzte schon oft nicht nur Kräfte, sondern auch finanzielle Mittel frei.

Den Geldbeutel zugelassen haben neben den Bayern auch Hertha BSC, der FC Ingolstadt und 1899 Hoffenheim - verstärkt wurden die Mannschaften höchstens mit Spielern aus der eigenen Jugend.

Arme Bundesliga

Das Wappen des FC Liverpool prangt auf einer Eckfahne (Foto: picture-alliance/Office Sports Photography/S. Stacpoole)

In der englischen Premier League schwimmt man in Geld

Den Ausgaben in der Bundesliga von fast 100 Millionen Euro standen Transfereinnahmen von rund 91 Millionen Euro gegenüber. Nicht nur beim Umsatz, bei dem das Premiumprodukt des deutschen Sports in der vorigen Saison die Schallmauer von drei Milliarden Euro durchbrach, stehen die Zeiten auf Wachstum. Zählt man die Einkäufe im vergangenen Sommer hinzu, stieß die Bundesliga mit knapp über 600 Millionen Euro auch bei den Transferausgaben in neue Dimensionen vor. Die künftig höheren Einnahmen aus der TV-Vermarktung dürften dazu beitragen, dass sich der Trend eher noch verstärkt.

Im Vergleich zur englischen Premier League allerdings erscheint das Einkaufsverhalten der Bundesliga geradezu bescheiden. Auf der Insel investierten die Vereine in der gerade abgelaufenen Winter-Periode umgerechnet nochmals 250 Millionen Euro. Durch die jüngsten Spielerverpflichtungen schraubten die Vereine ihren Investitionsrekord für die gesamte Saison auf 1,63 Milliarden Euro. Der bisherige Höchstwert aus der vergangenen Spielzeit lag bei 1,17 Milliarden Euro.

Dennoch konnte man die Transferphase mit einem Überschuss abschließen, die 20 Erstliga-Klubs erwirtschafteten ein Plus von rund 46 Millionen Euro. Die positive Winter-Bilanz der englischen Spitzenklubs ist nicht zuletzt auf die abermalige Shopping-Tour der chinesischen Super League zurückzuführen. Alleine für den Brasilianer Oscar, der bisher für den FC Chelsea spielte, und den Nigerianer Odion Ighalo, der den FC Watford verließ, flossen insgesamt über 93 Millionen Euro aus dem Reich der Mitte ins Fußball-Mutterland.

ck/asz (sid, dpa)

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