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Asien

Bundesländer zeigen Präsenz in China

Wer erfolgreich auf dem chinesischen Markt sein will, muss Präsenz zeigen. Die Chinesen lassen sich von Innovationen und Qualität "made in Germany" begeistern. Genau dafür warb auch gerade Bundesratspräsident Böhrnsen.

Innenansicht des deutschen Pavillons bei der Expo in Shanghai mit großer LED-Kugel (Foto: Alexander Freund / DW)

Reges Interesse an Deutschland: nicht nur im deutschen EXPO-Pavillon in Shanghai

Mit absoluten Zahlen können die kleinen Bundesländer nur selten punkten. Das weiß auch der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD), der in seiner Funktion als amtierender Bundesratspräsident gerade mehrere Städte im Osten Chinas bereist hat: Peking, Tianjin, Shanghai und Dalian. Alles in China ist im Vergleich natürlich größer, schneller, imposanter - aber nicht unbedingt besser. Denn es sind die Innovationen made in Germany, die Deutschland und die Bundesländer für die chinesischen Partner so attraktiv machen.

Jenseits der Großkonzerne sind es die Mittelständler in den einzelnen Bundesländern, die durch die Qualität und Innovationskraft ihrer Industrie, vor allem im Maschinenbau, in den Zukunftstechnologien und der Umwelttechnik überzeugen können. Und entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, die man dem Bundesratspräsidenten und seiner 70-köpfigen Delegation aus Wirtschafts- und Wissenschaftsvertretern derzeit in China zuteil werden lässt.

Gegenseitige Nettigkeiten - nicht ohne Grund

Bundesratspräsident Böhrnsen im Gespräch mit Jia Qingling, dem Vorsitzenden der einflussreichen Konsultativkonferenz (Foto: Alexander Freund / DW)

Jens Böhrnsen im Gespräch mit Jia Qingling, Vorsitzender der Konsultativkonferenz

Hochrangige Parlaments- und Regierungsvertreter suchen das Gespräch mit der deutschen Delegation und betonen – fast schon gebetsmühlenartig - das vertrauensvolle Miteinander. Das alles ist Teil einer chinesischen Charmeoffensive, zu der auch der jüngste betont herzliche Überraschungsbesuch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao bei der Kanzlerin in Meseberg passt. Beide Seiten haben längst erkannt, was man aneinander hat. Und wie man miteinander Geschäfte machen kann, ohne dass der nötige kritische Dialog vollends ausgeblendet wird.

Industriegebiet im Zeitraffer

Modell der Sonderentwicklungszone in Tianjin (Foto: Alexander Freund / DW)

Faszinierende Vision: Aus dem Nichts entsteht in Tianjin eine Sonderentwicklungszone

Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Dynamik in der neuen Entwicklungszone der 10-Millionen-Metropole Tianjin, einer strategisch wichtigen Hafenstadt rund 120 Kilometer östlich von Peking. Gerade mal eine halbe Stunde braucht der Hochgeschwindigkeitszug, der mit knapp 340 Stundenkilometern vorbei an schier endlosen Baustellen und Satellitenstädten durch die smogverhangene Ebene rast. Auf mehr als 2200 Quadratkilometern lässt die Regierung in der "Tianjin Binhai New Area" generalstabsmäßig eine gigantische Industriezone aus dem Boden stampfen.

Eng verzahnt entstehen dort nicht nur gigantische Hafenanlagen, Raffinerien, Fisch-Verarbeitungsbetriebe und Textilfabriken. Zukunftsweisend sind vor allem die neuesten Produktionsstätten für die Elektroauto-Produktion sowie für den Flugzeug- und Raketenbau. Flankiert wird das Ganze von zahlreichen Banken und hochspezialisierten Forschungs- und Technologieeinrichtungen. Schon jetzt ist Tianjin der fünftgrößte Hafen weltweit. Und Vizebürgermeister Yang Shihao gibt sich höchst zuversichtlich, dass dieses ehrgeizige Projekt schon bald der südlichen Metropole Shanghai ernsthaft Konkurrenz machen wird.

Europäische Flugzeuge made in China

Das Airbus-Werk in Tianjin (Foto: Alexander Freund / DW)

Strategisches Gemeinschafts-Projekt: Airbus will den chinesischen Markt erobern

Noch sind es vor allem europäische und einige deutsche Großkonzerne, die dort vom Gründergeist profitieren und sich ihren Platz im boomenden China-Geschäft sichern wollen. In der aufstrebenden Industriezone von Tianjin lässt Airbus zum Beispiel bereits seit zwei Jahren Flugzeuge montieren. Bislang wurden von Tianjin aus bereits 36 Maschinen vom Typ Airbus A320 ausgeliefert, bald schon sollen vier Maschinen monatlich vom Band laufen. Das europäisch-chinesische Gemeinschaftsunternehmen hat vor allem strategische Gründe: Rund 550 Airbusse fliegen gegenwärtig durch den chinesischen Himmel. Und hunderte weitere werden folgen, denn die Nachfrage auf dem chinesischen Markt ist nach wie vor riesig.

Um einen Fuß in den chinesischen Markt zu bekommen, gilt es vor allem Präsenz zu zeigen. Sei es durch wirtschaftliche Kooperationen, durch Hochschulabkommen, Austauschprogramme oder Städtepartnerschaften. Lokale Projekte, die in der Summe ein höchst gewinnbringendes Mosaik aus Kontakten ergeben - zum wechselseitigen Vorteil.

Autor: Alexander Freund
Redaktion: Thomas Kohlmann

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