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Deutschland

Bundesbankchef Weber begründet Rückzug

Erst war von "persönlichen Gründen" die Rede, nun nannte Axel Weber die wahren Gründe für seinen Rücktritt als Bundesbankchef: Als Vertreter eines harten geldpolitischen Kurses sah er sich in Europa zunehmend isoliert.

Bundesbankchef Axel Weber (Foto: dpa)

Axel Weber

Einen Tag nach seiner Ankündigung, die Bundesbank-Spitze zu verlassen, hat der noch amtierende Bundesbankpräsident Axel Weber Gründe für den Rückzug genannt. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" begründete Weber laut Vorabbericht vom Samstag (12.02.2011) seinen Schritt mit fehlendem Rückhalt innerhalb der EU. Weber hatte als Wunschkandidat von Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Chefposten bei der Europäischen Zentralbank gegolten - für diesen Posten steht er nun nicht mehr zu Verfügung.

Weber ist als Vertreter eines harten geldpolitischen Kurses bekannt, wie ihn auch die Bundesregierung auf europäischer Ebene vertritt. Damit stand er wiederholt im Gegensatz zum derzeitigen EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Webers Entscheidung hat nach Informationen der "Welt am Sonntag" auch mit der mangelnden Akzeptanz im 21-köpfigen EZB-Rat zu tun, in dem Weber als "nicht mehr konsensfähig" gelte.

Merkel bereits seit Januar informiert

Jean-Claude Trichet (Foto: dpa)

Jean-Claude Trichet ist noch Präsident der Europäischen Zentralbank

Er habe bei wichtigen Entscheidungen klare Positionen bezogen, die "für die Akzeptanz meiner Person bei einigen Regierungen nicht immer förderlich gewesen" seien, sagte Weber dem "Spiegel". Der Deutsche war neben dem italienischen Zentralbankchef Mario Draghi einer der Favoriten für den Posten des EZB-Chefs.

Dem EZB-Präsidenten komme eine Sonderstellung zu, sagte Weber. "Wenn er jedoch zu wichtigen Fragen eine Minderheitsmeinung vertritt, leidet die Glaubwürdigkeit dieses Amts." Der 53-Jährige steht insbesondere dem Ankauf von Anleihen angeschlagener Euro-Staaten durch die EZB skeptisch gegenüber. Seine klaren Positionen könnten ihm Rückhalt bei einigen Euro-Regierungen gekostet haben, vermutet er. Über seinen möglichen Verzicht sei Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits seit Januar informiert gewesen.

Das Amt des scheidenden EZB-Chefs Jean-Claude Trichet muss im Herbst neu besetzt werden. Ein Sprecher Merkels hatte am Freitag nach einem Gespräch zwischen Weber und der Kanzlerin mitgeteilt, dass Weber mit Ende seines siebten Amtsjahres zum 30. April das Amt des Bundesbank-Präsidenten niederlegen wolle.

Steinmeier schlägt Steinbrück vor

Peer Steinbrück (Foto: dpa)

Ein möglicher Kandidat für die Nachfolge Trichets: Peer Steinbrück?

Angela Merkel steht nach Webers Rückzug vor einem Personalproblem: Wer Axel Weber auf den Chefsessel der Bundesbank nachfolgt, ist ebenso unklar wie die Frage eines möglichen neuen deutschen EZB-Chef-Kandidaten. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sprach sich für Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) aus. Er erwarte, dass die Regierung nach dem Verzicht Webers in dieser "zentral wichtigen Personalfrage" den Kontakt zur Opposition suche, sagte Steinmeier gegenüber "Spiegel Online".

Als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Weber als Bundesbankpräsident gilt Merkels 42-jähriger Chef-Wirtschaftsberater Jens Weidmann. Weber forderte für die Neubesetzung ein "Signal der Verjüngung" und bezeichnete Weidmann als "hervorragenden Ökonomen".

Weber zurück an die Universität?

Fragen zu seiner eigenen Zukunft ließ Weber in dem "Spiegel"-Interview offen. Er werde sich jetzt erst einmal eine Karenzzeit gönnen. Zu Gerüchten über einen möglichen Wechsel zur Deutschen Bank schwieg Weber. Er betonte aber, sollte er zu einem Finanzinstitut gehen, betrage die übliche Karenzzeit ein halbes Jahr.

Einem Bericht des Berliner "Tagesspiegels" zufolge kehrt Weber zunächst an die Universität Köln zurück. Die Tageszeitung beruft sich auf Kreise der Notenbank. Weber war nach seinem Amtsantritt bei der Bundesbank Ende April 2004 von der Universität nur beurlaubt worden. Weder Hochschule noch Bundesbank bestätigten die Meldung.

Autor: Michael Borgers (dpa. dpad, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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