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Wirtschaft

Bundesbank will Goldschatz versilbern

Die Deutsche Bundesbank will einen Teil des deutschen Goldschatzes verkaufen. Was mit den Einnahmen passiert? Darum pokern der Finanzminister und der Bundesbankpräsident.

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Barren im Wert von 46 Milliarden Euro


Der deutsche Goldschatz, das sind 275.000 Barren. Jeder Einzelne ist derzeit mehr als 140.000 Euro wert. Insgesamt hat der deutsche Goldschatz - die zweitgrößte Goldreserve einer Notenbank weltweit - einen Wert von rund 46 Milliarden Euro. Angehäuft wurde das ganze Gold in den 1950er und 1960er Jahren. Damals wurden Leistungsbilanzüberschüsse in Gold angelegt. Der Schatz gehört, wie Bundesbankpräsident Ernst Welteke sagt, "dem deutschen Volk".

Außer bei Preissteigerungen, wie sie seit einigen Monaten wieder zu notieren sind, ist das Gold für die Zentralbanken totes Kapital, denn es bringt keinen Zinsgewinn. Doch der Buchgewinn, also die Differenz zum einstmaligen Anschaffungspreis, ist erheblich. Zum Beispiel würde die Deutsche Bundesbank einen Gewinn von fast 40 Milliarden Euro machen, würde sie sich ganz von der Goldreserve trennen.

Goldverkauf schadet dem Preis


Würde tatsächlich alles Gold verkauft werden, würde es diesen Gewinn wohl nicht geben. Viel eher würde der Goldmarkt wegen des großen Angebots zusammenbrechen. Der Goldpreis ist nämlich deswegen so hoch, weil nur wenig von dem Edelmetall verkauft und gekauft wird - im Jahr weltweit nicht mehr als 4000 Tonnen bei einer Jahresproduktion der Goldminen von etwa 2500 Tonnen.

Wer also größere Mengen Gold verkaufen will, der fährt dabei am besten, wenn er den Markt nicht überschwemmt. Genau das ist das Ziel des Washingtoner Abkommens von 1999, in dessen Rahmen Notenbanken dosiert, koordiniert und nach festgelegten Mengen Gold in den Markt geben. Während der bislang viereinhalbjährigen Laufzeit des derzeitigen Abkommens ist der Goldpreis von 240 Dollar pro Unze, das sind 31,1 Gramm, auf über 420 Dollar gestiegen.

Deutsche Bundesbank bislang zurückhaltend

Die Deutsche Bundesbank hat sich bislang an den Verkäufen nicht beteiligt, aber für das nächste Abkommen ein Kontingent von 120 bis 150 Tonnen pro Jahr angemeldet, das sie bei gutem Preis verkaufen will, bei schlechtem Preis aber nicht verkaufen muss.

Bundesbankpräsident Ernst Welteke verspricht sich einen schönen Extragewinn, denn das Gold steht mit dem niedrigen Ankaufspreis der fünfziger und sechziger Jahre in der Bundesbankbilanz. Doch diesen Gewinn will Welteke nicht an den Bundeshaushalt abführen, wie das im Bundesbankgesetz vorgeschrieben ist.

Unabhängiger Bundesbankpräsident

Mit seiner gesetzlich verankerten Unabhängigkeit hat der Bundesbankpräsident eine starke Position; der Bundesfinanzminister kann ihn nicht zum Goldverkauf zwingen. Also pokert Welteke um die Änderung des Bundesbankgesetzes, die ihm erlauben würde, den beim Verkauf zu realisierenden Buchgewinn in eine Stiftung zur Förderung von Bildung und Forschung einzubringen.

Die Nachfrage nach Gold ist da. So will Russland den Goldanteil an seinen Währungsreserven weiter aufstocken; außerdem wollen die Notenbanken einiger Länder in Asien, die über hohe Dollarreserven verfügen, einen Teil dieses Geldes der Sicherheit halber in Gold investieren. Schließlich treten Goldproduzenten nicht nur als Verkäufer, sondern auch als Käufer auf - damit der Preis für das edle Metall nicht sinkt. Hinzu kommt, dass Gold in Krisenzeiten immer Konjunktur hat.

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