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Wirtschaft

Bundesbank sieht Flaute im zweiten Quartal

Die deutschen Währungshüter erwarten für die Monate April bis Juni eine leichte Wachstumsdelle. Angesichts der guten Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern werde die aber schnell überwunden.

Der Aufschwung in Deutschland verliert der Bundesbank zufolge vorübergehend an Kraft. "Die deutsche Wirtschaft wird im zweiten Vierteljahr vermutlich eine deutlich langsamere Gangart einlegen als zu Jahresbeginn", heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht.

Dafür sprächen mehrere Faktoren. "Die günstigen Witterungseinflüsse aus dem Winterhalbjahr sind ausgelaufen, so dass vor allem im Baugewerbe Impulse entfallen", so die Bundesbank. "Ferner dürfte die Industrieproduktion nach dem starken Anstieg im ersten Vierteljahr eine Verschnaufpause einlegen." Die Neuaufträge hätten zuletzt mit der Produktion nicht Schritt gehalten. Allerdings rechnet die Bundesbank nur mit einer kurzen Flaute.

"Kräftige Grundtendenz"

"Das positive Stimmungsbild, das Umfragen sowohl bei Unternehmen als auch bei privaten Haushalten zeichnen, legt den Schluss nahe, dass sich das Wirtschaftswachstum nach einem schwachen zweiten Quartal im nächsten Halbjahr wieder verstärken dürfte", betonen die Ökonomen. Die Wirtschaft weise eine "recht kräftige konjunkturelle Grundtendenz" auf.

Von Januar bis März war das Bruttoinlandsprodukt mit 0,7 Prozent so kräftig gewachsen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Für April bis Juni rechnen Banken-Ökonomen derzeit mit einem etwa halb so großen Plus. Für 2016 erwartet die Bundesbank ein Wachstum von 1,7 Prozent, das sich im kommenden Jahr auf 1,4 Prozent abschwächen soll.

Aleihenkauf hat unklare Folgen für die Inflation

Zusätzlich zu ihrer Wachstumsprognose hat die Bundesbank in ihrem Juni-Monatsbericht die Auswirkungen des billionenschweren Anleihekaufprogamms der Europäischen Zentralbank auf die Inflationsrate in der Eurozone untersucht. Danach wird die Inflation im Währungsraum tatsächlich angekurbelt. Allerdings liegen Berechnungen zu den konkreten Auswirkungen in einer weiten Spanne, schreibt die Bundesbank.

So komme ein Ansatz zu dem Schluss, dass die Käufe die Teuerung im Währungsraum 2017 um 2,5 Prozentpunkte nach oben treiben. Damit würden die Käufe dafür sorgen, dass die Euro-Zone vor einer gefährlichen Preisspirale nach unten geschützt würde. Nach einer zweiten Schätzung schaffe das Kaufprogramm im kommenden Jahr allerdings nur etwas mehr als 0,1 Punkte mehr Inflation.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwirbt seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder. Das Programm ist inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegt. Die Käufe sollen die Renditen der Anleihen drücken, wodurch sie als Investment für Banken weniger attraktiv werden. Die Institute sollen stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben, was die Konjunktur stützen und somit auch die Verbraucherpreise anheizen würde. Die EZB strebt knapp zwei Prozent Inflation an - für sie der Idealwert im Währungsraum. Im Mai waren die Preise aber um 0,1 Prozent gesunken.

Die Währungshüter hatten im Dezember beschlossen, die Käufe um ein halbes Jahr bis Ende März 2017 zu verlängern. Laut Bundesbank-Berechnungen wird dies von 2016 bis 2018 etwa 0,1 bis 1,0 Prozentpunkte mehr Inflation pro Jahr bringen. Die Effekte der nochmaligen Ausweitung des Programms im März dieses Jahres seien geringer.

wen/ul (dpa/rtrd)