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Politik

BUND rügt Kahlschläge im deutschen Wald

Der Naturschutz wird bei der Bewirtschaftung deutscher Wälder oft vernachlässigt. Als Beispiel nennt die Umweltschutzorganisation BUND das Fällen wertvoller alter Bäume. Ihr "Schwarzbuch Wald" deckt weitere Verstöße auf.

Ein deutscher Wald (Foto: OKAPIA)

Umweltschützer beklagen zu viele Eingriffe im Wald

Schlechte Noten hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den deutschen Waldbesitzern erteilt. In ihrem erstmals vorgelegten "Schwarzbuch Wald" hat die Organisation in 15 Fallstudien etwa 50 Verstöße in öffentlichen Wäldern gegen nationale und europäische Naturschutzgesetze dokumentiert. "Die heutige Waldwirtschaft genügt weder den gesetzlichen Anforderungen noch dem Natur- und Artenschutz", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Dienstag (21.07.2009) in Berlin.

Neoliberalismus im Wald

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger (Foto: dpa)

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger stellt das "Schwarzbuch Wald" vor

Im Wald habe auf Betreiben des Staates ein "Neoliberalismus" Einzug gehalten, der in erster Linie kurzfristige Gewinne "zulasten kommender Generationen" im Auge habe, kritisierte Weiger in Berlin. Nach positiven Ansätzen hin zu einer naturnahen Bewirtschaftung seien heute wieder Kahlschläge, das Fällen wertvoller Altbaumbestände und Bodenschäden an der Tagesordnung. Dabei nehmen Wälder in Deutschland heute ohnehin nur noch ein Drittel der Landesfläche ein.

Zur Begründung für die Eingriffe verwiesen die Behörden meist auf angeblich notwendige "Verkehrssicherungspflichten", moniert der BUND-Vorsitzende. Besonders erschreckend sei, dass die Verstöße auch in Schutzgebieten wie etwa der Kernzone des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin in Brandenburg oder im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft entdeckt worden seien.

Auch die Staatsforste sind keine Vorbilder

Ein Blick in den Nationalpark Bayerischer Wald (Foto: Nationalpark Bayerischer Wald)

Auch geschützte Wälder wie der Nationalpark Bayerischer Wald sind vor Verstößen nicht sicher

Die 15 Fallstudien aus elf Bundesländern befassten sich mit dem öffentlichen Wald, da der Staat in der Forstwirtschaft eine Vorbildfunktion habe. Die Waldbewirtschaftung habe lange Zeit Verluste geschrieben. Schließlich habe die Politik die Staatsforste gezwungen, Gewinne zu machen. Die Konsequenz seien mehrere Forstreformen gewesen, die zu einem Abbau des Personals geführt hätten, sagte Weiger. In Bayern - das Land ist der größte europäische Waldbesitzer - umfasse heutig eine Revierförsterei, die von einem Förster bewirtschaftet werde, etwa 2000 Hektar. So groß sei früher ein Forstamt mit mehreren Revierförstern gewesen.

Artenvielfalt zunehmend bedroht

Viele Tier- und Pflanzenarten, die naturnahe Wälder als Lebensraum brauchen, seien in Deutschland durch die mehr oder weniger flächendeckende intensive Bewirtschaftung gefährdet oder schon ausgestorben, beklagte Weiger. Nur ein Anteil von 0,5 Prozent der Wälder unterliege keiner forstlichen Nutzung. Der BUND-Chef rief die Bundesbürger auf, "sich um ihren Wald zu kümmern" und auf die Politik Druck für mehr Naturschutz auszuüben.

Angesichts dieser Befunde mahnte der BUND eine Staffel von Schutzmaßnahmen an. Die wichtigste Forderung: Die Waldbesitzer sollten fünf Prozent der Waldfläche als Naturwaldreservate vollständig aus der Nutzung nehmen, um den Artenschutz zu verbessern. Langfristig müssten diese Areale um weitere fünf Prozent ergänzt werden. Zudem fordert die Organisation, das Gebot der nachhaltigen Bewirtschaftung ins Bundeswaldgesetz aufzunehmen. Dort sollte nach Ansicht der Organisation auch das Verbot von Kahlschlägen verankert werden, die heute noch erlaubt sind, wenn danach wieder aufgeforstet wird. (kle/je/epd/dpa/ap/afp)

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