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Fokus Osteuropa

Bulgarische Pässe in Serbien immer beliebter

Immer mehr serbische Bürger wollen die bulgarische Staatsangehörigkeit erlangen. Es lockt die Aussicht auf Reisemöglichkeiten nach Westeuropa ohne Visum. Auch Autos lassen sich so günstiger erwerben.

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Ziel ist Einreise in die EU

In Serbien wächst die Zahl der Bürger, die die bulgarische Staatsangehörigkeit erwerben möchten. Nach Angaben des bulgarischen Justizministeriums haben inzwischen 1.200 Einwohner Serbiens einen Reisepass des neuen EU-Mitgliedslandes Bulgarien bekommen. Vor allem im Grenzgebiet zu Bulgarien denken viele Menschen über einen Wechsel der Staatsbürgerschaft nach.

In Dimitrovgrad und Bosilevgrad, zwei Städten in serbischen Grenzgebieten zu Bulgarien, informieren sich derzeit sehr viele Bürger, wie sie am schnellsten die Staatsangehörigkeit des Nachbarlandes Bulgarien erlangen können. Der Präsident des Kultur- und Informationszentrums in Bosilevgrad, Ivan Nikolov, sagt, dass fast alle Einwohner der Stadt, die eine bulgarische Abstammung nachweisen können oder eine Firma im Nachbarland besitzen, ihr Recht in Anspruch nehmen wollen. Er erklärt warum: "Als bulgarischer Bürger kann man Immobilien erwerben und auch alle anderen Rechte genießen."

Ohne Visum nach Europa

Der bulgarische Reisepass ist sehr populär, vor allem bei jungen Menschen, weil er ihnen ermöglicht, ohne Visum nach Westeuropa zu reisen. Dort können sie leichter als in ihrer Heimat Arbeit finden. Hinzu kommt, dass man als bulgarischer Staatsbürger viel günstiger ein Auto erwerben kann.

Vene Velinov aus der serbischen Stadt Leskovac erklärt warum: "Viele, die sich entscheiden, die bulgarische Staatsangehörigkeit zu beantragen, möchten Geld beim Autokauf sparen. Bulgarien hat keine Zollbestimmungen für die Einfuhr von Autos. Bei uns in Serbien kosten die PKW 40 oder sogar 50 Prozent mehr. Es handelt sich hier meist um Fahrzeuge, die im Westen aus dem Verkehr genommen worden sind. Für die findet sich immer ein Käufer in Bulgarien oder Ungarn", meint Velinov.

Auch Slavce Andonov hat seinen gebrauchten Passat in Bulgarien gekauft. Er ist enttäuscht, dass Serbien seinen Bürgern solche Möglichkeiten nicht bietet: "Hätte ich so ein Auto in Serbien gefunden, hätte ich es auch dort gekauft. Ich verstehe nicht, warum unsere Regierung solche Zollvergünstigungen wie z. B in Bulgarien nicht erlaubt."

Langes Einbürgerungsverfahren

Die älteren Einwohner der serbischen Grenzgebiete zu Bulgarien sind von den Vorteilen der bulgarischen Staatsangehörigkeit nicht überzeugt. So auch Ivan Aleksov: "Wenn ich arbeiten will, kann ich das auch in Serbien. Ich glaube, dass die Lebensbedingungen hier identisch sind mit denen in Mazedonien, Bulgarien oder Rumänien."

Im Moment zieht sich das Einbürgerungsverfahren bis zu drei Jahre hin, da die Sachbearbeitungsstellen der Anfrage nicht nachkommen können. Seit März diesen Jahres wurden über 3.400 Anträge aus Serbien gestellt.

Milica Ivanovic, Leskovac
DW-RADIO-Serbisch, 14.8.2007, Fokus Ost-Südost