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Europa

Bulgarien will wieder im Gasgeschäft mitspielen

Bulgarien plant einen Gas-Verteiler für den europäischen Markt und hofft auf die Unterstützung aus Russland. Kritiker bezeichnen das Vorhaben allerdings als realitätsfern.

Der bulgarische Premier Boiko Borissov hat am Mittwoch (13.01) Details zu dem geplanten Gasverteiler bekannt gegeben, der das Land zum wichtigsten Gas-Umschlagplatz in Südost- und Mitteleuropa machen sollte. Mit dem künftigen Erdgas-Zentrum "Balkan" bei der Schwarzmeerstadt Varna würde Bulgarien zum überregionalen "Haupt-Transitplatz für Gas werden", sagte Borissov.

Zu dem Umschlagknoten bei Varna solle Gas aus Russland, Aserbaidschan und Turkmenistan sowie aus rumänischen und bulgarischen Vorkommen fließen. Darüber hinaus könnte man flüssiges Erdgas von den Terminals im benachbarten Griechenland beziehen, erklärte der Premier. Experten in Bulgarien sind allerdings der Meinung, dass man hauptsächlich mit Gas aus Russland rechnet. Da aber die EU auf eine Diversifizierung der Quellen besteht, hat Bulgarien, zumindest auf dem Papier, auch andere mögliche Lieferanten nennen müssen, um sich die Unterstützung der EU-Kommission zu sichern.

Gaspipeline (Foto: SERGEI SUPINSKY/AFP/Getty Images)

Die EU möchte nicht, dass die Ukraine umgangen wird.

Das Geld ist nicht da

Die Idee, dass russisches Gas in Bulgarien gelagert werden kann, um dann weitergeleitet zu werden, sei realitätsfern, sagt der Wirtschaftsexperte Krassen Stantchev in einem DW-Gespräch: "Das Umgehen der Ukraine bei den russischen Gaslieferungen ist für die EU-Kommission sehr problematisch. Außerdem sind zurzeit weder der russische Gazprom-Konzern noch die bulgarische Energieholding in der Lage, das Projekt zu finanzieren. Beide Seiten werden unmöglich die notwendigen Kredite bekommen."

Die Schwierigkeit, Kredite auf dem Finanzmarkt zu bekommen, habe, laut Stantchev damit zu tun, dass sich beide Konzerne in einer schlechten finanziellen Lage befänden. Außerdem würden die internationalen Sanktionen gegen Russland insbesondere Gazprom den Zugang zum internationalen Finanzmarkt erschweren, während gleichzeitig die niedrigen Öl- und Gaspreise solche Projekte zurzeit eher unattraktiv machen. Sein Fazit: die Rahmenbedingungen seien denkbar schlecht und das würde große Investoren abschrecken.

Neuauflage der alten Pläne

Parallel zum Thema Gasverteiler kursieren in Bulgarien immer wieder unbestätigte Hinweise aus Regierungskreisen, dass Sofia auch die Wiederaufnahme der Bauarbeiten an der totgesagten Pipeline South Stream plane. Eine entsprechende Zeitungspublikation wurde sofort von einem Sprecher des russischen Energieministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur TASS dementiert. Das Projekt sei eingestellt worden, daran habe sich nichts geändert, erklärte der Sprecher. Auch Borissov äußerte sich dazu vor dem Parlament: "South Stream" ist Geschichte. Was heute auf der Tagesordnung steht, ist das Gasverteilungszentrum "Balkan“. In der gleichen Rede allerdings hat der bulgarische Premier doch noch ein Türchen für den Weiterbau von South Stream geöffnet. Er äußerte die Hoffnung, Russland könne zumindest den unterseeischen Teil von South Stream bauen. Die zwei Leitungen mit einer Jahreskapazität von jeweils 10 Milliarden Kubikmeter könnten den Gasverteiler bei Varna füllen und über eine neue Pipeline auch Europa mit Gas versorgen. Also: South Stream 2.0, eine schlankere Version.

Bulgarien South Stream Pipeline (Foto: Petar Petrov/Impact Press Group/NurPhoto)

Das Projekt "South Stream" ist offiziell aufgegeben worden.

Eine wage Hoffnung

South Stream war eines der größten Energieprojekte der Europäischen Union. Die Seetrasse sollte an der russischen Schwarzmeerküste ihren Anfang nehmen und nahe der bulgarischen Schwarzmeerstadt Varna an Land gehen. Anfang 2016 hätte die Pipeline den Betrieb aufnehmen sollen. Geplant waren Gaslieferungen von 63 Mrd. Kubikmetern jährlich. Das Projekt wurde allerdings vom russischen Präsidenten Vladimir Putin im Dezember 2014 gestoppt. Während seines Besuchs in der Türkei hat Putin, gemeinsam mit dem türkischen Präsidenten Recep Taijp Erdogan den Bau einer neuen Pipeline angekündigt: Turkish Stream. Als es aber Ende 2015 zu Spannungen zwischen Moskau und Ankara kam, wurde auch Turkish Stream begraben.

Unbeantwortet bleibt diese Frage: was bezweckt Sofia mit der Ankündigung der Pläne zum Bau des Gas-Hubs und mit den widersprüchlichen Aussagen in Sachen South Stream? Allem Anschein nach fährt die bulgarische Regierung eine doppelgleisige Strategie, in der Hoffnung, russisches Gas, internationale Kredite und den Segen der EU-Kommission gleichzeitig zu bekommen, um sowohl den Gas-Hub, als auch die Schrumpfvariante von South Stream bauen zu können. Sofia plane, den "Balkan"-Gasvereiler während einer Sitzung des bulgarisch-russischen Wirtschaftskooperationsausschusses Ende Februar zu diskutieren, kündigte die bulgarische Regierung an. Bulgarien versuche gerade, das Projekt zu "einer Priorität der Europäischen Kommission" zu machen, sagte Borissov und zeigte sich "optimistisch" , dass dieses Vorhaben gelingen könnte.