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Fokus Osteuropa

Bulgarien: Traum vom Mallorca an der Schwarzmeerküste ausgeträumt?

In den florierenden Tourismus setzt Bulgarien große Hoffnungen. Doch zugleich müssen neue zukunftsweisende Strategien für den Schwarzmeertourismus entwickelt werden. Klasse statt Masse lautet ein Vorschlag.

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Massenvergnügen am Strand von Varna

Viele Zeitungsartikel und Fernsehreportagen in Deutschland berichten über Bulgarien als Sommerurlaubsziel. Mal lobt man die Schönheit der Schwarzmeerküste und ihre Anziehungskraft als Urlaubsziel in höchsten Tönen. Mal prangert man die Zustände dort an, vor allem den Bau von riesigen Hotelanlagen und den Massentourismus, der in jüngster Zeit immer häufiger mit Alkoholexzessen junger Urlauber in Verbindung gebracht wird. Kritisiert wird auch der schlechte Service.

Die Vorsitzende der bulgarischen staatlichen Tourismusagentur, Anelia Kruschkowa, hat diese Woche über die Probleme, insbesondere den Preisverfall in der bulgarischen Tourismusbranche berichtet. Viele Hotels, die keinen direkten Blick aufs Meer haben, stehen fast leer. Die Preise sinken. "Man bezahlt pro Bett pro Nacht 2 Euro, für ein Ferienappartement nur 25 Euro", räumte Anelia Kruschkowa vor der Presse ein.

Bettenburgen in Rekordzeit

Das Bettenkontingent an der bulgarischen Schwarzmeerküste ist rapide gestiegen und die Konkurrenz hat sich dramatisch verschärft. Es ist zurzeit schwierig, die Stärken und Schwächen der bulgarischen Tourismusbranche, die eine der größten Hoffnungen für den wirtschaftlichen Aufschwung in Bulgarien ist, richtig einzuschätzen.

Einer versucht es – Marin Neschkow, Dozent an der Wirtschaftsuniversität in Varna im Fach Tourismus. Zu den Stärken Bulgariens gehören ein konstanter Zuwachs der grundlegenden touristischen Daten wie die Anzahl der Übernachtungen und der Touristen sowie die Höhe der Einnahmen, meint Marin Neschkow. "Eine andere Sache ist die äußerst schnelle Modernisierung der Hotelkapazitäten. Im Unterschied zu Rumänien haben wir es schnell geschafft, unsere Hotels auf mindestens mitteleuropäisches Niveau zu bringen."

Es sei eine deutliche Verbesserung des touristischen Angebots verzeichnet worden, sagt Neschkow. Zudem werde eine bessere Qualität zu günstigeren Preisen angeboten. Das steigere einerseits die Wettbewerbsfähigkeit des Landes, andererseits drücke es oft die Preise zu tief, was uneffektiv sei, setzt Marin Neschkow seine Analyse fort.

Mangel an Arbeitskräften

Die Tourismusbranche in Bulgarien weist aber auch viele Defizite auf. Marin Neschkow meint: "Einer der größten Nachteile ist, dass man mit dem Aufbau der touristischen Infrastruktur nicht nachkommt. Das heißt, die Unternehmer investieren Millionen in tolle Hotelanlagen, Bars und Geschäfte. Aber der Ausbau des Verkehrsnetzes, der Kommunikation, der Wasserversorgung oder der Kläranlagen kann mit den neu geschaffenen Kapazitäten nicht Schritt halten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Mangel an Fachkräften. Das Angebot kann der Nachfrage nach geeigneten Kräften im Moment nicht nachkommen, weil man ein Hotel in ein Paar Monaten baut. Eine gut qualifizierte Fachkraft wird aber erst in einigen Jahren ausgebildet."

Das Problem sieht Minko Neschkow nicht im Mangel an Ausbildungskapazitäten der bulgarischen Hochschulen oder anderen Lehranstalten. Es ist eher die Abwanderung der Arbeitskräfte. "Im Tourismus werden mit die niedrigsten Durchschnittslöhne in Bulgarien bezahlt. Das ist nicht logisch, wenn man bedenkt, dass der internationale Tourismus schätzungsweise 14 Prozent des BSP des Landes ausmacht, das heißt Einnahmen von zwei Milliarden Euro jährlich, die etwa 50 Prozent des Handelsdefizits decken."

Strategiewechsel erforderlich

Der bulgarische Tourismus ist monostrukturell ausgerichtet. Die Angebote sind meistens an der Schwarzmeerküste konzentriert. Dabei überwiegt der organisierte Massentourismus. Man darf jedoch nicht nur auf Massentourismus setzen, meint Minko Neschkow. Das Ziel sollte nicht sein, die Anzahl der Touristen zu erhöhen, sondern die Einnahmen pro Tourist.

Das hat auch die Politik erkannt. Stanislaw Nowakow von der Staatlichen Tourismusagentur erklärt: "Wir versuchen, Bulgarien als ein ganzjähriges touristisches Zielgebiet zu vermarkten. Wir werben aktiv mit den Möglichkeiten im Spa- und Wellness-Tourismus, da es in Bulgarien viele Mineralquellen gibt. Im nächsten Jahr werden wir den Akzent auf unsere Kulturdenkmäler setzten und für Bulgarien als ein Land mit kulturträchtiger Vergangenheit werben." Die Konzepte sind also da, die Experten ebenfalls, bleibt nur noch, diese auch rasch umzusetzen.

Blagorodna Grigorova
DW-RADIO/Bulgarisch,1.8.2007, Fokus Ost- Südost