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Fokus Osteuropa

Bulgarien sorgt sich um Wettbewerbsfähigkeit

In Bulgarien machen sich Experten bereits Gedanken über die wirtschaftliche Zukunft des Landes als EU-Mitglied. Auf einer Konferenz in Sofia wurde deutlich: Bulgarien muss in Bildung investieren.

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Experten forden Wandel in der Bildungspolitik

"Wenn die Ziele der Lissabon-Strategie nicht erreicht werden, kann die Wirtschaft Europas nicht konkurrenzfähig werden" – mit diesen Worten eröffnete der bulgarische Wirtschaftminister Milko Kovatschev die Konferenz "Die Herausforderungen der Lissabon- Strategie - Wachstum und Beschäftigung durch Bildung und Qualifizierung". Im Mittelpunkt der Diskussion in der bulgarischen Hauptstadt Sofia stand die Frage, inwieweit die Entwicklung Bulgariens mit der Lissabon-Strategie für Wirtschaftswachstum Schritt halten kann.

"Die Beschlüsse, die als Lissabon-Strategie bekannt wurden, sind inzwischen richtunggebend für die Entwicklung der EU. Dabei ist die Lissabon-Strategie eigentlich kein Rezept, wie Europa konkurrenzfähig werden kann, sondern eher eine Übersicht der Gebiete, auf denen jedes Land und die EU als ganzes Bemühungen unternehmen sollen. Sie ist ein Rahmen, in dem jedes Land seine eigene Konkurrenzfähigkeit erlangen soll, um die gesamteuropäischen Entwicklung voranzutreiben", betonte der bulgarische Wirtschaftsminister.

Gefragt sind gut ausgebildete Arbeitskräfte

Für Bulgarien sei es besonders wichtig, bei der Bildung und beruflichen Ausbildung die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu berücksichtigen. In den Empfehlungen der Europäischen Kommission für die gesamteuropäischen und nationalen Aktionspläne wird auf die Notwendigkeit von Investitionen in das Humankapital hingewiesen. Arbeitskräfte, die schlecht ausgebildet und unmotiviert sind, können nicht den erwarteten Beitrag für die Entwicklung von Branchen wie Informatik, Biotechnologie, Medizintechnik oder Automatisierung leisten. Diese Brachen sind jedoch von der EU als Vorreiter des Fortschritts und Grundlage für den Wettbewerb mit den USA und Japan genannt worden.

Minimale Investitionen in Bildung und Forschung

Nach Angaben des Bulgarischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft wird in Bulgarien 0,5 % des Bruttoinlandsprodukts für Wissenschaft und Forschung ausgegeben. In der EU ist dieser Anteil viermal höher. Ein Fünftel der Mittel für Forschung und Entwicklung werden von der Industrie zur Verfügung gestellt. Der Anteil der Finanzierung durch Unternehmen beträgt in der EU 60 Prozent, in Japan 80 Prozent. Auf der Konferenz in Sofia wurde die bisherige Strategie für Veränderungen in der Hochschulbildung als ungeeignet bezeichnet. Besonders vernachlässigt sei die Schulbildung. Auf allen Bildungsgebieten fehle die notwendige Verzahnung zwischen Theorie und Praxis.

Umschwung im Bildungssystem?

Zum ersten Mal wird über lebenslanges Lernen nachgedacht, und über obligatorische Praktika für Studenten und Schüler in Firmen und Unternehmen, die später ihre Arbeitgeber werden können. Wie könnte Bulgarien zum Erfolg der Lissabon-Strategie beitragen? Die Experten forderten, es müsste zumindest einen Teil der Mängel in der Allgemein- und der Berufsbildung beseitigen und ein allgemein zugängliches System für Weiterbildung und Qualifizierung von Arbeitskräften schaffen. Erst nach fünf Jahren kann Bulgarien den heutigen Stand der Beschäftigung in der EU erreichen – dies war eine der wichtigsten Schlussfolgerungen auf der in Sofia veranstalteten Konferenz.

Nikolay Tsekov
DW-RADIO/Bulgarisch, 26.4.2005, Fokus Ost-Südost