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Fokus Osteuropa

Bulgarien: Mauer-Pläne für Roma-Viertel in Sofia

Eine bulgarische Firma plant, eine Mauer um die Eisenbahnlinie, die neben dem Roma-Viertel in der Hauptstadt verläuft, zu errichten. Zum Schutz der Roma, heißt es. Menschenrechtler und Roma zweifeln allerdings daran.

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Roma in Sofia: Bald Zaungäste im eigenen Viertel?

Vier Meter soll sie hoch sein und mehrere hundert Meter lang, die geplante Mauer. Aus Pressgummi soll sie bestehen und die Bewohner im Roma-Viertel vor dem gefährlichen Überqueren der Eisenbahnlinie schützen. Ferner soll sie verhindern, dass die Züge mit Gegenständen beworfen werden und das Umfeld zur illegalen Müllhalde wird. Menschenrechtler in Sofia und die Roma – in der Stadt leben ca. 35.000 – vermuten eine andere Absicht hinter den Mauer-Plänen: Ein neues Ghetto zu schaffen und die Roma total von den Nachbarn in den umliegenden Wohnblöcken zu isolieren.

Furcht vor weiteren Mauern

Einer der betroffenen Roma, Vater von zwei Kindern, sagt: "Ich heiße Ivaylo und wohne unmittelbar neben der geplanten Mauer. Ich bin gegen diese Mauer. Wie soll ich meinen beiden Kindern, wenn sie groß werden, erklären, warum diese Mauer errichtet wurde? Sie lernen in der bulgarischen Schule. Was soll ich ihnen sagen, wenn sie Freunde nach Hause einladen wollen und die sehen die Mauer? Die anderen Kinder werden sagen, dass sie isoliert sind und werden nicht mit ihnen zusammen sein wollen." Miltscho, ein anderer Bewohner des Roma-Viertels in der bulgarischen Hauptstadt, meint: "Mit der Errichtung dieser Mauer bin ich nicht einverstanden, weil sie uns von der Welt trennen wird. Sie wird uns vor nichts retten oder schützen, sondern nur wie im Gefängnis einschließen. Wenn man diese Mauer errichtet, wird man auch andere Mauern bauen. So werden wir eingeschlossen sein."

Erfolglose Roma-Politik

Die Isolierung der Roma ist ein Erbe des totalitären kommunistischen Regimes in Bulgarien. Nach der Wende 1989 waren die Probleme der Bulgaren so vielfältig und kompliziert, dass der Staat sich kaum um diese ethnische Gruppe gekümmert hat. Internationale Organisationen wie "Open Society", Weltbank, Europäische Union und andere Institutionen haben immer wieder darauf hingewiesen, das die Roma in Bulgarien – 400.000 nach offiziellen und 800.000 nach inoffiziellen Angaben – in totaler Armut leben, dass sie keinen Zugang zu Bildung und keine Chance haben, sich politisch, wirtschaftlich oder sozial zu integrieren. In den letzten 17 Jahren wurden mit internationaler Hilfe etliche Millionen Euro in verschiedene Programme und Projekte investiert, um die Lage der Roma zu verbessern. Jedoch ohne Erfolg. Die Verantwortung dafür liegt in erster Linie beim Staat, der keine langfristige und nachhaltige Politik in dieser Frage verfolgt.

Isolation als Trend der Mehrheit?

Bei der letzten Volkszählung in Bulgarien wurde festgestellt, dass alle ethnischen Gruppierungen zahlenmäßig abgenommen haben. Nur die Roma verzeichneten einen Zuwachs von 57.000 Personen. Dabei handelt es sich nicht nur um Geburten, erklärt die Historikerin und Vorsitzende des Internationalen Zentrums für Minderheitenforschung, Antonina Scheljaskova: "Bei der nächsten Volkszählung 2010 oder 2011 werden sich weitere Tausende bulgarische Bürger zur Roma-Minderheit bekennen, da sie sich ihrer Bedeutung als europäische Minderheit bewusst geworden sind".

Georgi Papakochev, DW-Bulgarisch

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