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Wirtschaft

Bulgarien fürchtet den Billigtourismus

Dicht gedrängt am Strand liegen, Alkohol aus Eimern saufen und dabei wenig Geld im Land lassen - Mallorca steht für billigen Massentourismus. Bulgarien steht vor denselben Fehlern. Aber noch ist es nicht zu spät.

Bulgarische Ferienorte an der Schwarzmeer-Küste sind in der Zwickmühle: Eigentlich wollen sie die Fehler der Spanier nicht wiederholen, andererseits ist der Massentourismus zu verlockend. Zumindest kurzfristig kann man mit ihm viel verdienen - und so haben die Investoren riesige Hotelanlagen gebaut. Das Bettenkontingent an der bulgarischen Schwarzmeer-Küste hat in den letzten Jahren die Nachfrage weit überholt, die Konkurrenz hat sich dadurch dramatisch verschärft. Das treibt die Preise nach unten. Eine Nacht im Einzelzimmer kostet durchschnittlich zwei Euro, eine Übernachtung im Ferienappartement 25 Euro. Hotels ohne Meeresblick stehen fast leer, gibt die staatliche Tourismusagentur bekannt.

Überfüllter Strand in der Nähe der bulgarischen Küstenstadt Varne (Quelle: STR/AFP/Getty Images)

Massentourismus - macht Bulgarien die gleichen Fehler wie Mallorca?

Zu wenig Infrastruktur

Leerstehende Betten sind aber nur ein Problem, mit dem die Tourismusbranche an der Schwarzmeerküste zu kämpfen hat. Einer der größten Nachteile sei, dass man mit dem Aufbau der touristischen Infrastruktur nicht nachkomme, sagt Marin Neschkow, Vorsitzender der Touristenkammer und Tourismus-Experte an der Wirtschaftsuniversität in Varna: "Das heißt, die Unternehmer investieren Millionen in tolle Hotelanlagen, Bars und andere Geschäfte. Der Ausbau der Verkehrs- und Kommunikationsnetze, der Wasserversorgung oder der Kläranlagen aber kann die neu geschaffenen Kapazitäten nicht mehr aufholen."

Ein Hotel sei zwar schnell gebaut, gute qualifizierte Fachkräfte könnten hingegen nicht so schnell ausgebildet werden. Ihre Ausbildung dauere mehrere Jahre. Das Problem sieht Tourismus-Experte Neschkow allerdings nicht im Mangel an Ausbildungsplätzen an bulgarischen Hochschulen oder anderen Einrichtungen. Viele Studenten arbeiten im Sommer nicht mehr in der bulgarischen Tourismusbranche, sondern im Ausland. "Im Tourismus werden mit die niedrigsten Durchschnittslöhne in Bulgarien bezahlt. Das ist nicht logisch, wenn man bedenkt, dass der internationale Tourismus schätzungsweise 14 Prozent des Bruttosozialprodukts des Landes ausmacht", sagt Neschkow. Das sind Einnahmen von zwei Milliarden Euro jährlich - etwa die Hälfte des bulgarischen Handelsdefizits.

Hoffnungsträger Tourismus

Deshalb bleibt die Tourismusbranche eine der größten Hoffnungen für einen ökonomischen Aufschwung in Bulgarien. Zu den Stärken Bulgariens gehöre, dass die Zahl der Übernachtungen und der Touristen nach wie vor ansteige, sagt Neschkow. "Außerdem werden die vorhanden Hotelkapazitäten äußerst schnell modernisiert. Im Unterschied zu Rumänien haben wir es so schnell geschafft, unsere Hotels mindestens auf mitteleuropäisches Niveau zu bringen", fügt der Tourismusexperte hinzu.

Ein kleines Haus an der bulgarischen Schwarzmeerküste(Quelle: © Magdalena Yaramova #23388401)

Die bulgarische Schwarzmeerküste hat mehr zu bieten

Man dürfe nicht mehr nur allein auf den Massentourismus an der Schwarzmeer-Küste setzen, so Marin Neschkow. Wichtig sei, dass auf lange Sicht nicht nur die gesamten Einnahmen steigen, sondern auch die Einnahme pro Tourist. Daher sei ein Strategiewechsel notwendig. In der Politik hat man das auch erkannt. "Wir versuchen Bulgarien als ein ganzjährliches touristisches Reiseziel zu vermarkten. Wir werben aktiv mit den Möglichkeiten im Gesundheits- und Wellness-Tourismus, da es in Bulgarien viele Mineralquellen gibt. Im nächsten Jahr werden wir einen Akzent auf unsere Kulturdenkmäler setzten und für Bulgarien als ein Land mit vielfältiger kultureller Vergangenheit werben", sagt Stanislaw Nowakow von der staatlichen Tourismusagentur. Die Konzepte sind also da, fehlt noch eine rasche Umsetzung.

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