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Fokus Osteuropa

Bulgarien: Enorme Wirtschaftsschäden durch organisiertes Verbrechen

„Das organisierte Verbrechen in der Osteuropa-Wirtschaft“ lautet ein Bericht bulgarischer Experten. Er zeigt: Waffenhandel, Prostitution und illegale Privatisierung gehen ungehindert weiter – mit dramatischen Folgen.

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Das organisierte Verbrechen floriert

Die Schwerpunkte der organisierten Kriminalität in Osteuropa in den letzen Jahren sind die illegale Privatisierung und der Schwarzhandel, wie in der Analyse des Zentrums für Demokratieforschung erklärt wird.

Der bulgarische Wirtschaftsexperte Stefan Nikolov, Leiter der Akademie des Bulgarischen Innenministeriums, wies darauf hin, dass die Teilnahme an der illegalen Privatisierung „das ertragreichste und am schwersten nachzuweisende „Handwerk“ der organisierten Kriminalität in Osteuropa“ sei. In Bulgarien zum Beispiel betrage nach offiziellen Angaben der Gesamtwert der privatisierten Unternehmen fast 30 Milliarden Dollar - in die Staatskasse seien aber nur drei Milliarden Dollar geflossen. Folglich wurden 27 Milliarden Dollar umverteilt, wobei sie zum Teil ins Ausland transferiert wurden, erklärte Nikolov.

Finanzströme ins Ausland

In Folge der illegalen Spekulationen in Bulgarien wurde die bulgarische Währung – der Lew - entwertet. Bis 1982 gab es in Bulgarien drei Banken - die Bulgarische Nationalbank, die Außenhandelsbank Bulgariens und das Staatliche Versicherungsinstitut. Bis 1989 erhöhte sich die Zahl der Banken auf 11 und bis 1991 auf 85. 1991 kam es durch Spekulationen zu einer sechsfachen und 1994 zu einer dreifachen Entwertung des Lews. Allein im Jahre 1996 haben neun bulgarische Banken durch den Grenzkontrollpunkt des Sofioter Flughabens 2.881 kg Wertsendungen ausgeführt. Der Wert von acht Kilogramm 100-Dollar-Päckchen beträgt 1 Million Dollar; auf diese Weise könne man ausrechnen, welche Summen aus dem Land herausgebracht wurden, erklärt der bulgarische Experte Nikolov.

Waffen- und Drogenhandel

Bis 1989 war Bulgarien maßgeblich am internationalen Waffenhandel beteiligt – das Land nahm den neunten Platz in der Liste der Waffen ausführenden Staaten ein. Infolge der allgemeinen Ächtung dieses Geschäftes wurden die Waffenproduktion und der legale Waffenhandel erheblich verringert. Dies führte jedoch – wie Stefan Nikolov betont – zum Aufblühen der illegalen Waffengeschäfte. 1998 wurde das Gesetz über die Sprengstoff-, Waffen- und Munitionskontrolle verabschiedet. Nach Untersuchungen des Zentrums für Demokratieforschung ging der illegale Handel mit Feuerwaffen und Munition jedoch weiter. Bulgaren haben sich auch an internationalen Waffenhandel-Konspirationen beteiligt.

Eine weitere von der organisierten Kriminalität in Osteuropa bevorzugte Geldquelle ist der Drogenhandel. Die wichtigste Rolle für Bulgarien spiele dabei die so genannte „Balkan-Route“. Die größeren bulgarischen Städte Sofia, Plovdiv, Varna und Burgas dienen als Zwischenlager. Drogen werden in großen Mengen angeliefert und von dort aus nach Süd-, Mittel- und Nordeuropa verteilt. In den letzten zehn Jahren ist in Bulgarien die Anzahl der Drogenabhängigen immens gewachsen. 1998 gab es 120 bis 200 Drogenkonsumenten, jetzt sind es mehrere Tausend.

Finanzquelle für Terrorismus?

Auf der Internationalen Konferenz gegen die finanziellen Machenschaften der organisierten Kriminalität, die 2001 in Monaco stattfand, wurde festgestellt, dass zwei bis fünf Prozent der Ausgaben in der Welt auf die organisierte Kriminalität entfallen. In der Analyse des Bulgarischen Zentrums für Demokratieforschung wird abschließend darauf hingewiesen, dass die Zirkulation der illegal „erwirtschafteten Gelder“ – ca. 1 Trillion Dollar jährlich –eine Bedrohung für das internationale Finanzsystem darstellt und unbestritten der Hauptfinanzquelle des gegenwärtigen Terrorismus ist.

Antoineta Nenkova, Sofia

DW-RADIO/Bulgarisch, 13.7.2005, Fokus Ost-Südost

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