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Fokus Osteuropa

Bulgarien: Der Regenschirmmord und seine Hintermänner

Vor 30 Jahren wurde ein bulgarischer Dissident im Auftrag von Geheimdiensten ermordet. Nun werden die Akten über den so genannten Regenschirmmord veröffentlicht - auf Initiative eines Journalisten.

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Tatwaffe: Regenschirm

Am 11. September 1978 starb in London Georgi Markov. Er war BBC-Journalist, Schriftsteller und bulgarischer Dissident. In seinem Körper fanden die Ärzte eine millimetergroße Kugel mit dem Giftstoff Rizin. Einige Tage davor war Markov an der Watterloo-Brücke von einem Unbekannten mit der Spitze eines Regenschirms am Schienbein verletzt worden. Seitdem versucht Scotland Yard, den "Regenschirmmörder" zu ermitteln.

Persönliche Rache?

Todor Schivkov (Quelle: DPA)

War der inzwischen verstorbene Todor Schivkov der Auftraggeber für den Mord?

Verdächtigt wird vor allem die damalige bulgarische Staatssicherheit "Darschavna Sigurnost". Markov war ein bekannter Kritiker des damaligen bulgarischen Staatschef Todor Schivkov. In seinen Essays, die teilweise auch im Bulgarischen Programm der Deutschen Welle ausgestrahlt wurden, griff er den Diktator und das ganze kommunistische System sehr publikumswirksam an. Die Tatsache, dass er ausgerechnet am 7. September, Schivkovs Geburtstag, vergiftet wurde, deuten viele Beobachter als einen klaren Hinweis auf eine persönliche Rache des bulgarischen Politikers.

Ob die nun zugänglichen Akten dies eindeutig bestätigen? Der preisgekrönte bulgarische Journalist Hristo Hristov bejaht diese Frage. Er hat jahrelang gegen den Staat prozessiert, bevor er Zugang zu den Akten bekam. "Darin habe ich Pläne zu einer scharfen operativen Maßnahme gegen Georgi Markov entdeckt. Das heißt, schwarz auf weiß wird bestätigt, dass er unschädlich gemacht werden musste“, berichtet Hristov.

Italiener tatverdächtig

Als bisher einziger Verdächtiger gilt der italienische Agent Francesco Gulino. Ihm wurde in Bulgarien unmittelbar nach dem Attentat ein Preis verliehen und Erholungsurlaub angeboten, erzählt Hristov. Bis zur Wende in Bulgarien Ende 1989 bekam der Agent keine wichtigen Aufträge mehr, trotzdem wurde er mit 30.000 US-Dollar entlohnt. Großbritannien und Dänemark, wo Gulino in den 70er-Jahren tätig war, haben immer wieder Akten verlangt, um ihn vor Gericht zu stellen. Offizielle Stellen in Bulgarien verweigerten jedoch die Einsicht in die Akten.

Journalist Hristov hat allerdings bereits die Akten: "Ich habe prozessiert. Zwei Mal hat das Gericht befunden, dass der Nationale Aufklärungsdienst, die Nachfolgebehörde der Staatssicherheit, das ganze Archiv öffnen muss. Aufgrund dessen habe ich nun etwa 100 Aktenordner bekommen", erzählt Hristov.

KGB mit verwickelt

In diesem Archiv findet man auch eine Vereinbarung der bulgarischen Staatssicherheit mit dem sowjetischen Geheimdienst KGB aus dem Jahre 1972. Dadurch bekamen die bulgarischen Geheimdienste Zugang zu schnell wirkenden Giften und die technische Ausrüstung zu einem geräuschlosen Abschießen solcher Gifte. Seit 1991, als der ehemalige KGB-Mitarbeiter Oleg Kalugin öffentlich die Bitte von Todor Schivkov um die Liquidierung von Markov und technische Hilfe von Seiten der Sowjetunion bestätigt hat, schweigt Moskau hartnäckig zu diesem Fall. Wer trägt also die Verantwortung an Markovs Ermordung?

Hristo Hristov meint: "Die politische Verantwortung trägt zweifellos das Politbüro der Bulgarischen Kommunistischen Partei. Es ist also ein politischer Mord. Das, was mit Georgi Markov geschah, ist konkret von der Ersten Hauptabteilung der Staatssicherheit zu verantworten. Der tatsächliche Täter kann nur von einer internationalen Ermittlung festgestellt werden, die von Scotland Yard durchgeführt wird."

Am 11. September 2009 verjährt der Fall laut bulgarischer Gesetzgebung. In Großbritannien allerdings gibt es für Mord keine Verjährung.

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