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Fokus Osteuropa

Bulgarien als Transitland für Waffenschmuggel

Das Zentrum für Demokratieforschung in Sofia hat die Ergebnisse einer Forschung über Handfeuerwaffen in Bulgarien präsentiert: Der Waffenschmuggel über bulgarische Grenzen hinweg floriert.

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Waffenschmuggel wird nur selten aufgedeckt

Hauptursache dafür seien die ungelösten Probleme der Überwachung und der Kontrolle an den bulgarischen Grenzen, die nach dem EU-Beitritt Bulgariens die EU-Außengrenzen sein werden.
Ein weiteres großes Problem ist der Waffenschmuggel trotz strikter Zollkontrolle. Sehr alarmierend ist auch die Sicherheitssituation an den Häfen und Flughäfen. In den vergangenen Jahren wurde die Hälfte der aufgedeckten Waffenschmuggelfälle im Transitverkehr begangen.

Türkei – Bulgarien – Serbien-Montenegro

Laut Vertretern des bulgarischen Zolls machen die an den Grenzen sichergestellten Drogen und Waffen jedoch nicht mehr als 1/5 der Gesamtmenge aus. Die Hauptexportstrecke für Waffen ist die Route Türkei - Bulgarien - Serbien/Montenegro. Besonders häufig werden auf dieser Strecke Pistolen und Maschinengewehre geschmuggelt, sowie billige türkische Jagdgewehre, die für die Mafia und andere Kriminelle in Bulgarien und Serbien bestimmt sind.

Bulgarien – Mazedonien

Eine weitere wichtige Route für den Waffenschmuggel ist die Strecke durch Bulgarien nach Mazedonien. An der bulgarisch-mazedonischen Grenze wurden gut 20 Prozent aller aufgedeckten Waffenschmuggelfälle von und durch Bulgarien festgestellt. Das zeigen die Forschungsergebnisse des Zentrums für Demokratienforschung, das bei der Untersuchung mit dem Koordinationszentrum zur Waffenkontrolle beim Stabilitätspakt für Südosteuropa und der englischen Nichtregierungs-Organisation Saferworld zusammengearbeitet hat.

Unschlagbare Preise

Nach letzten Angaben beträgt die Anzahl der Handfeuerwaffen in Bulgarien rund eine Million, von der sich rund 300.000 Stück in rechtmäßigem Privatbesitz befinden. Die illegalen Waffen gibt es auf dem stark entwickelten Schwarzmarkt; unrechtmäßig erworbene Jagdgewehre, Pistolen und Granatenwerfer stammen meist aus Diebstählen in Militärlagern und -unternehmen. Nach Expertenschätzungen beträgt die Über-Ausrüstung in der Bulgarischen Armee rund 200.000 Stück Handfeuerwaffen und 21.000 Tonnen Munition. Seit das Waffengesetz gelockert wurde, hat sich die Zahl der Waffenbesitzer in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Nach Angaben von Waffenschmuggelexperten kostet eine Gaspistole, die zur Kampfpistole verarbeitet wird, auf dem bulgarischen illegalen Waffenmarkt ungefähr 100 Euro, während auf dem westlichen Schwarzmarkt der Preis dafür zwischen 600 und 800 Euro liegt.

Nikolay Tsekov
DW-RADIO/Bulgarisch, 30.3. 2005, Fokus Ost-Südost