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Fokus Osteuropa

Bulgarien übernimmt Vorsitz der internationalen "Roma-Dekade"

Bulgarien hat von Rumänien den Vorsitz der "Roma-Dekade 2005-2015" übernommen. Vor allem die Schulbildung der Roma-Kinder ist weiter ein großes Problem. Die UN kritisieren hier vor allem Bulgarien und Albanien.

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Die Probleme der Roma überschreiten die nationalen Grenzen

Eine allumfassende europäische Politik für die Integration der Roma in den Gesellschaften der Länder Ost- und Südosteuropas forderte der bulgarische Ministerpräsident Sergej Stanischev auf einer Konferenz in Sofia, die anlässlich des Beginns des bulgarischen Vorsitzes der "Roma-Dekade" stattfand. Die Probleme der Roma und ihre Integration würden die nationalen Grenzen überschreiten, sagte Stanischev. Eine Lösung der Probleme setze deshalb eine bessere Koordination zwischen den betroffenen Staaten voraus.

Sofortmaßnahmen

Der in Bulgarien verabschiedete Aktionsplan beinhaltet 35 Sofortmaßnahmen auf dem Gebiet der Bildung, der medizinischen Versorgung und der Verbesserung der sanitären Lebensbedingungen in den mehr als 300 bulgarischen Roma-Ghettos. Im Rahmen des bulgarischen Vorsitzes (bis 30. Juni 2007) werde die Regierung, wie der Nationalkoordinator der "Roma-Dekade", Vize-Sozialminister Javor Dimitrov ausführte, vor allem Arbeitsbeschaffungs- und Bildungsmaßnahmen für die bulgarischen Roma in Angriff nehmen.

Problem Schulbildung

Wichtig ist die Einbeziehung der Roma-Kinder in die Schulbildung. Schulbücher und –hefte werden im Rahmen des PHARE-Programms der EU in Höhe von 1,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Das Ziel ist, dass nach zehn Jahren alle Roma-Mädchen und -Jungen die siebte Klasse beenden können. Gegenwärtig nehmen 75 Prozent der Roma-Kinder in Bulgarien nicht am Grundschulunterricht teil oder brechen ihn vorzeitig ab. Die Folgen für ihren zukünftigen sozialen Status, aber auch für die Wirtschaft, den Kampf gegen die Armut und die Kriminalität in Bulgarien sind beträchtlich. Um die Lebensbedingungen in den Roma-Ghettos zu verbessern, werden Projekte des UN-Entwicklungsprogramms realisiert.

Schlechte Noten von den UN

Wie wenig im Rahmen der Roma-Dekade bisher erreicht worden ist, zeigt eine vorige Woche veröffentlichte Studie des UN-Entwicklungsprogramms über die Lage der schätzungsweise vier bis sechs Millionen Roma in Ost- und Südosteuropa: 46 Prozent der 700 bis 800.000 Roma in Bulgarien beispielsweise leben – nach der Studie - unter dem von der Weltbank definierten Existenzminimum. Am schlimmsten ist die Lage in Albanien, wo 78 Prozent der Roma und 22 Prozent der Albaner unter der Armutsgrenze leben. Relativ besser geht es den kroatischen Roma – nur 10 Prozent leben unterhalb des Existenzminimums.

Was die Schulbildung der Roma-Kinder betrifft, schildert die UN-Studie die Situation in Bulgarien und Albanien am dramatischsten. Nicht mal 12 Prozent dieser Kinder in beiden Ländern können die Grundschule beenden. Armut, geringe Berufschancen und schlechte Wohnbedingungen sowie die Gefahr eines weiteren Anwachsens der organisierten Kriminalität in den Ghettos seien die Folge – lautet die UN-Bilanz.

Nikolay Tsekov, Sofia
DW-RADIO/Bulgarisch, 5.7.2006, Fokus Ost-Südost

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