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Wirtschaft

Buhlen um die Billigflieger

Billigflieger wie Ryanair setzen in Deutschland auf kleine Flughäfen, die fernab von großen Städten liegen. Ihr Engagement lassen sie sich mitunter durch Geldgaben der Kommunen versüßen. Das missfällt der Konkurrenz.

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Lockt Fluggäste in den Hunsrück: Flughafen bei Hahn

Abfertigungshalle des Flughafens Frankfurt Hahn im Hunsrück

Blick auf die Passagier-Abfertigungshalle des Flughafens Hahn im Hunsrück (Archiv-Foto)

Vom Boom der Billigflieger wollen auch die Regionalflughäfen in Deutschland profitieren. Für den Fluganschluss nach London oder Mallorca werden Millionen meist öffentlichen Geldes investiert. Um an dem schnell wachsenden Geschäft teilzuhaben, begeben sich dabei viele Standorte in die Abhängigkeit einzelner Billigflieger. Kritische Stimmen prangern den Ausbau von Provinzflughäfen als Verschwendung von Steuergeldern an.

Die Hoffnung auf tausende neue Jobs ist Triebfeder der geplanten Flughafen-Ausbauten in Kassel und Lübeck. 151 Millionen Euro wollen Kommunen und das Land Hessen in Kassel investieren. Einziger potenzieller Interessent ist bislang Ryanair. Was die Abhängigkeit von der Billigfluglinie bedeutet, hat jüngst Lübeck erfahren. Weil Naturschützer den Ausbau vor Gericht vorläufig stoppten, richtet Ryanair ein neues Drehkreuz in Nottingham und nicht in Lübeck ein. Wie es nun weitergeht, ist unklar. Denn der Investor, der der Stadt Lübeck den verlustreichen Flughafen abkaufen und Millionen investieren wollte, hatte auch auf Ryanair gesetzt.

Fragwürdige Erfolgskriterien

Dennoch zieht Lübecks Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel (CDU) nach dem Start von Ryanair in Lübeck im Jahr 2000 eine positive Zwischenbilanz. "Wenn Sie durch Lübeck gehen, hören Sie an den Nebentischen italienisch, das gab es vorher nie." Für die wirtschaftliche und touristische Entwicklung der Stadt seien die neuen Flugangebote von erheblicher Bedeutung.

Abfertigungshalle Flughafen Frankfurt Hahn

Blick in die neue Passagier-Abfertigungshalle mit Restaurant und Besucherterasse des Flughafens Frankfurt-Hahn im Hunsrueck am Donnerstag, 20. Juni 2002. Das Terminal wurde um 4.200 Quadratmeter erweitert und wird heute offiziell in Betrieb genommen. (AP Photo/Hermann J. Knippertz)

Im europäischen Vergleich hat Ryanair in Deutschland noch Nachholbedarf. Die Airline fliegt in Frankreich 16 Ziele an, in Italien 15, in Spanien 14 und in Polen immerhin noch acht; in Deutschland sind es dagegen nur sieben. Grund genug offensichtlich für manchen Bürgermeister in Deutschland, zu hoffen, dass die irische Fluggesellschaft auch bald sein Städtchen anfliegt und Touristen bringt.

Kritik: Verzerrter Wettbewerb

Als Spekulationsblase bezeichnet Lufthansa-Sprecher Frank Püttmann den Vormarsch der Billig-Konkurrenz, mit der inzwischen jeder fünfte Fluggast in Deutschland abhebt. Das rasante Wachstum dieser Airlines werde erst mit den an die Kleinflughäfen gezahlten Subventionen ermöglicht. "Die öffentlichen Subventionen landen direkt in der Kasse der Billigflieger". Diese Wettbewerbsverzerrung sei inakzeptabel.

Teils zahlten die Kleinflughäfen den Billigfliegern Zuschüsse zum Marketing oder zu den Übernachtungskosten für die Crews, sagt Püttmann; in Dortmund etwa übernehme der Flughafen selbst das Check-In der Fluggäste und die Abfertigung der Maschinen. Als Jobmotoren seien die Regionalairports ungeeignet, argumentiert Püttmann. Lege man die Kosten auf die tatsächlich entstandenen Arbeitsplätze um, seien diese höher subventioniert als die im Steinkohlebergbau.

"Die Billigflieger erwarten eine Gegenleistung für ihr Kommen, für die Kommunen wird das oft auf Dauer richtig teuer", sagt der Generalsekretär der Vertretung der in Deutschland tätigen Fluglinien (BARIG), Martin Gaebges. Das Argument, dass ein Regionalflughafen die Kaufkraft stärke, trage meistens nicht. "Die Billigflieger bringen selten investitionsfreudige Geschäftsleute." Stattdessen werde die örtliche Bevölkerung zum Geldausgeben in die Ferne geflogen. Statt weiter in die Fläche zu gehen, sollten Großflughäfen ausgebaut werden. In Nordrhein-Westfalen etwa reichten die Flughäfen Düsseldorf und Köln aus. Der Flughafen im niederrheinischen Weeze und ein geplanter Ausbau in Mönchengladbach seien Geldverschwendung.

Darlehen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag

In die Umwandlung des ehemaligen Militärflughafens Weeze flossen nach Angaben des Flughafens 30 Millionen Euro von niederländischen Investoren und 20 Millionen Euro vom Kreis Kleve als Darlehen. Seit 2003 startet Ryanair ab Weeze und ist seit der Insolvenz des niederländischen Hauptkunden V-Bird einziger Nutzer des Flughafens. 800.000 Fluggäste verbuchte Weeze 2004 noch mit V-Bird - danach sank die Zahl. Wann die für einen rentablen Betrieb nötige Passagierzahl von zwei bis drei Millionen erreicht wird und der Kreis sein Darlehen zurückerhält, kann niemand sagen.

Eine positivere Bilanz kann der ebenso aus einem Militärflugplatz geschaffene Airport Baden-Baden vorlegen. Bereits 2006/07 sollen schwarze Zahlen geschrieben werden; im laufenden Jahr werden 700.000 Passagiere erwartet. "Die Alternative war, dass da Spargelfelder entstehen", sagt der Sprecher der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe, Andreas Kempff. (mas)

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