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Kultur

Buddhas und Bagels

"Heimat Berlin?" Acht Fotografen erläutern diese Frage mit ihren Impressionen. Sie sind "Zugewanderte" in der multikulturellen Hauptstadt - wie die Menschen, die sie mit der Kamera festgehalten haben.

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Sie heißen Adelina, Suna, oder Kiet und gehen in Berlin zur Schule.

Zum ersten Mal widmet sich das Museum Europäischer Kulturen im Rahmen eines EU-Projekts dem Thema Migration - und damit auch dem kulturellen "Patchwork" vor der Haustür. In Berlin leben über 200 ethnische und religiöse Minderheiten. Insgesamt sind fast 13 Prozent der Gesamtbevölkerung nicht deutscher Herkunft. Empfinden diese Berlin als ihr Zuhause?

Viele der Fotos, die in den Räumen des Museums hängen, sind schwarz-weiß, oft nüchtern dokumentarisch und von keinerlei Multikulti-Romantik bestimmt.

Buddha und Berliner Pilsner

Vierkornbrot und Brezeln sind die Motive der gebürtigen Argentinierin Cristina Piza - neben Bagels, Sesambrot, Pide und Bathura. Brot ist Gemeinschaft, symbolisiert ihre Serie.

Vom Brot kommt man sehr schnell zu den vielen Restaurants und Imbissen, die so typisch für die Berliner Esskultur sind. Von Ägyptisch bis Vietnamesisch reicht die kulinarische Palette in der Hauptstadt.

Dong-Ha Choe, Ausländer der Zweiten Generation, spürt seinen kulturellen Wurzeln im Imbiss nach. Seine Fotografien sind Stilleben: Im "Little Hanoi" stapeln sich unter einem Schrein einige Flaschen Berliner Pilsner. "Die Zeichen und Spuren der Migranten in unserem Umfeld sind auf unterschiedliche Weise wahrnehmbar," dokumentiert er seine Arbeit. "Sie zeigen sich auch ohne die Anwesenheit einer Person. Allein die Einrichtung des Arbeitsbereiches, die Atmosphäre eines Raumes lassen die andere Kultur erahnen."

Buntes Kreuzberg

Kreuzberg ist der Bezirk mit dem höchsten Ausländeranteil. Seit einigen Jahren pflegt die Hauptstadt dort mit dem "Karneval der Kulturen" ihr Multikulti-Image. Den Alltag im Bezirk kennt Rukiye Hanim schon seit 31 Jahren. Stolz hält sie ein koloriertes Porträt von 1971 in die Kamera von Metin Yilmaz: Als langhaarige, großäugige Schönheit kam sie nach Deutschland.

Metin Yilmaz

Heute ist die 57jährige Näherin in Frührente, die Arbeit hat sie aufgefressen. Für sie ist Kreuzberg allerdings tatsächlich zur Heimat geworden. Gemeinsam mit anderen Frauen unterschiedlicher Herkunft kehrte sie im Mai dieses Jahres die Straßen ihres Bezirks: "Wir halten Kreuzberg sauber" steht in Deutsch,Türkisch oder Griechisch auf den T-Shirts der Teilnehmerinnen an der AWO-Aktion "Buntes Kreuzberg putzt." Kein weiteres der Ausstellungsobjekte bezeugt so eindeutig die Identifikation von Migranten mit Berlin.

Fotografische Selbstbehauptung

Einzig Deborah G. Moses-Sanks, von New York nach Berlin emigriert, lässt kritische Töne anklingen. Schützend hält die Psychologin Grada auf einem ihrer Schnappschüsse die Hände vors Gesicht. Sie schildert einen Vorfall, bei dem sie selbst Opfer eines Heckenschützen geworden war. Moses-Sanks Perspektive ist die der schwarzen Frau. Ihre Fotos sieht sie nach eigener Aussage als Selbstbehauptung.

Fragezeichen bleibt stehen

Frank Löhmer

Sachliche Nüchternheit charakterisiert Nihad-Nino Pusijas Serie von Berliner Schülern. Auch die osteuropäischen Straßenmusikanten von Frank Löhmer, selbst aus Thüringen "zugewandert", wie Ausstellungskuratorin Elisabeth Tietmeyer augenzwinkernd bemerkt, oder Alejandro Dhers "Berliner" lösen die zentrale Fragestellung der Schau nicht auf: Ist Berlin ihre Heimat?

Doch wozu eine Antwort? Berlin ist so facettenreich wie die Menschen, die hier aufeinandertreffen. Und gerade dies transportiert die Schau auf gelungene Weise.

Christine Gruler

"Heimat Berlin? Fotografische Impressionen" ist noch bis zum 11.November 2002 im Museum Europäischer Kulturen in Berlin-Dahlem zu sehen.

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