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Kultur

Buchverleger streiten um europäischen Markt

Ein langjähriger Konflikt um das Recht, englischsprachige Bücher in Europa zu verkaufen, ist zwischen britischen und amerikanischen Verlegern erneut aufgeflammt. Die Briten fühlen sich von billigeren US-Ausgaben bedroht.

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Noch kann die Kundin zwischen der amerikanischen und der englischen Ausgabe wählen

Bei "Books" in Berlin, einem unabhängigen Buchhändler, der sich auf englischsprachige Titel spezialisiert hat, hält Inhaber David Solomon sowohl amerikanische als auch englische Ausgaben in seinem Bestand. Wenn er jedoch die Wahl hat, bestellt er normalerweise die US-Ausgaben. "Sie sind billiger. In dieser Stadt möchte man so billig wie möglich leben", sagt Solomon. Obwohl der Preis wichtig ist, erklärt der Händler, sei er jedoch nicht das einzige Entscheidungskriterium: "Ein Buch aus Britannien kann ein anderes Cover, eine andere Größe oder Druckbild haben als der gleiche Titel aus den USA. Und manche Kunden ziehen eben das eine Cover dem anderen vor. Andere sagen, dass britische Bücher eine bessere Qualität haben."

Er schätzt, dass sein Bestand etwa 60 Prozent amerikanische und 40 Prozent englische Ausgaben umfasst. Die meisten deutschen Buchhändler bieten eine ähnliche Mischung britischer und amerikanischer Editionen. Aber das könnte sich ändern, wenn britische Verleger mit ihrem neuesten Versuch Erfolg haben sollten, die Exklusivrechte am Verkauf englischsprachiger Bücher in Europa zu sichern.

Britannien: heimischer Markt bedroht

In dem schwelenden Handelskonflikt haben britische und amerikanische Verleger letzten Monat ihren Streit um die Rechte auf dem europäischen Markt während einer lebhaften Tagung bei "BookExpo America" wieder belebt. Die Verleger aus dem Königreich sehen ihr Exklusivrecht am heimischen Markt durch den offenen europäischen Markt bedroht, über den britische Buchhändler amerikanische Editionen über Großhändler vom Kontinent importieren. Zusätzlich hat es der Verkauf von Büchern über das Internet amerikanischen Händlern erleichtert, in den britischen Markt einzudringen.

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"Es geht nicht darum, höhere Verkaufszahlen in Europa zu erreichen, sondern den heimischen britischen Markt zu schützen", sagte Tim Hely Hutchinson, Geschäftsführer bei dem Verlag "Hachette Filipacci UK", auf der "BookExpo"-Tagung. Dagegen sagen US-Verleger, dass die Debatte einer "Landnahme" der Briten gleichkäme, um sie vom europäischen Markt auszuschließen. Carolyn Reidy, verantwortlich für Erwachsenenliteratur bei "Simon & Schuster", befürwortet den zunehmenden Wettbewerb und wünscht "eher offene statt geschlossene Märkte."

Der Standpunkt der amerikanischen Verleger bekam letzte Woche Unterstützung von einer Gruppe europäischer Buchhändler und Lieferanten aus Lissabon, Barcelona, Kopenhagen, Den Haag und Paris. In einem offenen Brief an britische und amerikanische Verleger sprechen sie sich gegen die Bestrebungen der Briten aus, exklusive Verkaufsrechte zu bekommen. Dies würde nicht nur das Angebot für die Kunden einschränken, sondern es auch den britischen Verlagen ermöglichen, die Preise im Einzelhandel zu bestimmen. Das käme einer "Rückkehr zum Protektionismus" gleich.

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Der Brief enthielt keine Angaben zu der Frage, ob die Schriftsteller von einer Änderung der Situation profitieren würden oder nicht. Denn britische Verleger argumentieren, Autoren würden bei dem gegenwärtigen offenen Markt ein schlechtes Geschäft machen. "Die britischen Verleger sagen, dass es nicht gerecht sei, den Kunden zwischen zwei Ausgaben entscheiden zu lassen, denn während sie selber den größten Teil der Vermarktung in Europa übernähmen, könne der Buchhändler dennoch die US-Ausgabe ordern. Autoren würden deshalb geringere Tantiemen erhalten", sagt Joel Rickett, Herausgeber des britischen Fachmagazins "Bookseller".

Der Zugang ist nicht beeinträchtigt, sagen die Briten

Die britischen Verleger sehen den Zugang europäischer Kunden zu englischsprachiger Literatur nicht verletzt. In dem Fall, dass ein Titel nur in den USA publiziert worden ist, könne er immer noch in Europa verkauft werden.

Aber die Wahl der Kunden könnte die Anzahl der zahlreichen unabhängigen Buchhändler beeinflussen. Solomon von "Books" in Berlin befürchtet negative Auswirkungen für sein Gewerbe, wenn er nicht mehr die Möglichkeit haben sollte, seinen Kunden die billigste verfügbare Ausgabe anbieten zu können, denn "Kunden, die ihre Bücher über das Internet kaufen, hätten weiterhin die Wahl."

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