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Kultur

Buchbranche nimmt Herausforderungen an

Bücherfrühling: Begegnungen mit dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort verspricht die Leipziger Buchmesse. Dieses Mal gibt sie sich besonders politisch. Das liegt auch am Messeschwerpunkt.

So selbstbewusst ist die Buchbranche schon lange nicht mehr aufgetreten: Die

Leipziger Buchmesse

(12. bis 15 .März) verzeichnet mit 2263 Ausstellern aus 42 Ländern erneut leichte Zuwächse, und der stationäre Handel freut sich über Umsatzsteigerungen. "Wir haben gezeigt, dass wir es besser können, besser als der Online-Handel und als Amazon", sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, während der Eröffnungspressekonferenz der Frühjahrsbücherschau.

Herausforderungen annehmen

Der deutsche Buchmarkt, immerhin der zweitgrößte der Welt, habe sich der Herausforderung der Digitalisierung gestellt und biete seinen Kunden mittlerweile eine perfekte Symbiose aus persönlicher Beratung sowie einem zusätzlichen Online-Angebot rund um die Uhr. Die Leser schätzen das. Sie sind laut Alexander Skipis "offensichtlich reflektierte Buchkäufer, die sich über die Konsequenzen ihrer Kaufentscheidung im Klaren sind" und das Geschäftsmodell Amazon ablehnen. Deutschlands Buchhandlungen seien als Orte der Literaturvermittlung und des kulturellen Lebens unverzichtbar, deshalb erwartet der Börsenverein auch "eine eindeutige schriftliche Stellungnahme der EU-Kommission, dass die Buchpreisbindung", die diese Vielfalt ermöglicht, in den Verhandlungen über das Freihandelsabkommen nicht angetastet wird.

Deutschland Dänemark Schriftsteller Krimi Jussi Adler-Olsen Erlösung ist der Roman-Bestseller 2011

Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen stellt in Leipzig seinen neusten Krimi vor

In den nächsten Tagen können sich Leserinnen und Leser in Leipzig umfassend über die Neuerscheinungen des Frühjahrs informieren und bei 3200 Veranstaltungen, die im Rahmen des Lesefestes "Leipzig liest" stattfinden, mit unterschiedlichsten Formen und Stimmen der Literatur vertraut machen. Das Angebot reicht von der

Belletristik

über Kinder- und Jugendbücher bis hin zu Krimis, Ratgebern, Schul- und Sachbüchern. Unter den Mitwirkenden im Stadtgebiet sind auch Literatur-Stars wie Jussi Adler-Olsen,

Mircea Cartarescu

, Eoin Colfer, Slavoj Zizek, Thomas Brussig und Peter Esterhazy.

Deutschland - Israel

Besonderes interessant verspricht der diesjährige Messeschwerpunkt zu werden, der aus Anlass von 50 Jahren deutsch-israelischer diplomatischer Beziehungen das besondere Verhältnis der Länder zueinander spiegelt. Wir werden, sagt Messedirektor Oliver Zille, "etwas erfahren über den Zustand der israelischen Gesellschaft heute. Aber wir werden auch etwas über uns selbst erfahren, über unsere Gesellschaft, über unser Zusammenleben mit jüdischen Mitbürgern und über unser Verhältnis zu Israel". In Leipzig stellen zahlreiche israelische Autoren jüngst ins Deutsche übersetzte Werke vor.

Messehalle

Branchentreff unter der Glaskuppel

Sie reflektieren, wie der berühmte Amos Oz, dramatische politische Entwicklungen in der Geschichte Israels, erzählen aus dem Alltag, von Liebe, Familie und dem schwierigen Verhältnis zu den Nachbarn. Und die sogenannte "Dritte Generation", oft junge, noch zu entdeckende Autoren, gibt Einblick in ihre Gedanken zu Politik, Literatur und Party. Eine wiederkehrende Frage lautet: Welche freundschaftlichen Begegnungen, welche Art von kultureller Verbundenheit kann es angesichts der Geschichte geben? Und wie normal ist Normalität 70 Jahre nach dem Ende des Holocaust? "Wir vergessen nicht, wir gehen tanzen", lautet der Titel einer Anthologie, in der deutsche und israelische Autoren über das andere Land schreiben.

Eine politische Buchmesse

Natürlich geht es bei dieser Buchmesse auch fröhlich zu, sagt Messedirektor Oliver Zille. Es wird gelacht werden und gefeiert, etwa wenn der rumänische Autor Mircea Cărtărescu für seine epochale "Orbitor"-Romantrilogie mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet wird. Oder wenn die Sieger des Leipziger Buchpreises bekannt gegeben werden. Aber grundsätzlich, so Zille, werde diese Messe eine politische Messe. Mit einem speziellen Ukraine-Programm, mit Veranstaltungen, die die Situation auf dem Balkan reflektieren, mit Rückblicken auf 25 Jahre deutsche Einheit, mit Diskussionen über Pegida und Ausländerfeindlichkeit.

Logo Leipziger Buchmesse, Foto: dpa

Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, blickt optimistisch in die Zukunft

Er wünsche sich, sagt der Messedirektor, dass von Leipzig eine klare Botschaft für das freie Wort und gegen Ausländerhass und Antisemitismus ausgehe. Und dass auf der Messe faire, offene, kontroverse Debatten geführt werden. Möglicherweise, gab Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, während der Eröffnungs-Pressekonferenz zu bedenken, waren wir beim Thema Meinungsfreiheit in der Vergangenheit zu leise. Spätestens die Anschläge von Paris und Kopenhagen hätten gezeigt, wie fragil sie sei. Nun bezieht die Buchbranche klar Position. Aktuell setzt sie sich für den weißrussischen Verleger, Buchhändler und Freedom-to-Publish-Preisträger Ihar Lohvinau ein, der zu einer zweifelhaften Geldstrafe verurteilt wurde und in seiner Arbeit reglementiert wird.

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