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Politik

Bubba TV

Amerikanische Karrieren kennen nur eine Richtung: aufwärts. Doch was tun, wenn man schon ganz oben ist - oder war? Die Lösung: Man geht zum Fernsehen. Eben dorthin, wo DW-TV(!)-Korrespondent Konstantin Klein bereits ist.

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Aus der Sicht des leitendsten aller Angestellten, des Präsidenten der USA, ist das Weiße Haus eine Sackgasse. Gut, man hat seine vier oder auch acht Jahre vergleichsweise uneingeschränkter Macht – doch darauf folgt fast zwangsweise der Ruhestand. Wer nimmt schon gern einen Mann, der Widerspruch nicht mehr gewöhnt ist und auf Krisensituationen gerne mit militärischer Gewalt reagiert?

Das ist kein größeres Problem, wenn man das Weiße Haus ohnehin im Rentenalter verläßt, wie es Ronald Reagan oder George Bush d. Ä. getan haben. Bill Clinton dagegen ist gerade mal 55 Jahre alt – und er ist trotz Buch- und Redenhonorare in vielfacher Millionenhöhe immer ein wenig von der Pleite bedroht. Seine durch diverse Affären entstandenen Anwaltskosten sprengten den Rahmen jeder Rechtsschutzversicherung – und es wird sich immer noch ein Republikaner finden, der liebend gerne das nächste juristische Faß aufmacht.

Geld muß her: Hillarys Senatorinnengehalt reicht nicht einmal, um die neu erworbenen Häuser in Washington und New York abzuzahlen; also muß Mr. Clinton arbeiten gehen. Und zu seinen Fähigkeiten gehört - das wird selbst von seinen erbittertsten Gegnern eingestanden - der Umgang mit Menschen. Und mit der Fernsehkamera.

Seit Tagen steht Clinton in regem Kontakt mit Managern des Fernsehnetzwerks NBC: Es geht, unwidersprochenen Gerüchten zufolge, um eine Talkshow. Täglich. Und teuer. Angeblich will Clinton 50 Millionen Dollar Honorar. Verglichen mit dem Einkommen der Talkshow-Kaiserin Oprah Winfrey ist das bescheiden – sie bekommt dreimal so viel. Doch das Durchschnittseinkommen amerikanischer Talkmaster bewegt sich eher zwischen drei und zehn Millionen im Jahr. Andererseits: Kaum einer von denen kann im Lebenslauf auf (fast) erfolgreiche Friedensverhandlungen verweisen, obwohl das für Talkmeister eigentlich zur Pflicht gemacht werden sollte.

Neben dem Honorar sind jedoch noch andere Fragen ungeklärt. Wie soll beispielsweise die Show heißen? The William Jefferson Clinton Show? President’s Talk? Bubba TV -nach seinem Spitznamen? Wie sollen die Gäste dieser Show ihren Host ansprechen? Üblich ist es, auch Ex-Präsidenten mit "Mr. President" zu titulieren – bestimmt eine Garantie für eine entspannte, lockere Gesprächsatmosphäre, nicht wahr?! Und wie will man sicherstellen, daß Clinton auch zuhört und nicht etwa das tut, was er am liebsten tut? - Nein, nein, nicht, was Sie schon wieder denken ... er redet halt gerne und viel!

Eine Frage dagegen ist schon geklärt - wer sich diese Show ansehen soll: alle. Die Hälfte der Amerikaner wird die Show sehen, um dem brilliantesten Präsidenten seit Kennedy noch einmal zuzuhören. Und die andere Hälfte wird zusehen, um den skandalösesten Präsidenten der letzten hundert Jahre noch einmal so richtig von Herzen zu hassen.