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Europa

Bruttoinlandsprodukt ade?

Bisher wurde der so genannte Fortschritt immer am Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes gemessen. Wenn die Wirtschaftsleistung des Landes hoch war, so galt dies als Indiz für Wohlstand.

Bruttoinlandsprodukt Deutschland, Saison- und kalenderbereinigt. (Grafik: DW, Per Sander)

Bruttoinlandsprodukt Deutschland, Saison- und kalenderbereinigt.

Doch ob das BIP immernoch das richtige Instrument ist, um den Fortschritt zu messen, wird jetzt in Frage gestellt. Am Beispiel wird deutlich warum: Man stelle sich ein Land vor mit hohem Bruttoinlandsprodukt, dessen Reichtum aber extrem ungleich verteilt ist und außerdem hat es eine schwer geschädigte Umwelt. Trotz der Negativfaktoren würde dieses Land in den meisten Wirtschaftsstatistiken gut abschneiden. Denn dient normalerweise allein das Bruttoinlandsprodukt als Maßstab. Doch das Bruttoinlandsprodukt oder BIP genannt, hat sich in gut siebzig Jahren als Gradmesser etabliert.

BIP verbessern, aber wie?

Ist Glück messbar? (Foto: bilderbox.com)

Ist Glück messbar?

Die Kommission will es aber auch nicht abschaffen. Doch Umweltkommissar Stavros Dimas meint es reiche nicht aus, um die Lebensumstände in einem Land zu beschreiben und als Grundlage für politisches Handeln zu dienen. "Das BIP ist nichts weiter als ein Maßstab für Wirtschaftstätigkeit. Es ist nicht dazu da, die Wohlfahrt zu messen. Es sagt nichts über einige entscheidende Faktoren aus, die die Lebensqualität bestimmen, wie beispielsweise eine intakte Umwelt oder gesellschaftlichen Zusammenhalt und schon gar nichts über Glück", so Dimas weiter.

Doch wie misst man Glück? Und wie misst man sozialen Frieden? Dimas gibt zu, das sei schwierig. Jedenfalls scheint er sich mit der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft einig zu sein, dass man ergänzende Maßstäbe suchen muss. Elisabet Falemo ist stellvertretende schwedische Umweltministerin und sagt: "Wohlfahrt und Lebensqualität drücken sich nicht immer in materiellem Wachstum aus. Wir müssen einen Maßstab für andere Dinge finden. Daher wird das BIP nicht der einzige Maßstab sein, um Wohlfahrt zu messen".

Energieverschwendung erhöht BIP

Abgeholzte Wälder schaden der Umwelt, steigern aber das BIP (Foto: DW, Mehmed Smajić)

Abgeholzte Wälder schaden der Umwelt, steigern aber das BIP

Ein reiner BIP-Maßstab kann absurde Konsequenzen haben. So erhöht zum Beispiel Energieverschwendung das Bruttoinlandsprodukt. Dimas verdeutlicht das mit einem Beispiel: "Wenn ein Land seine Wälder abholzt und das Holz verkauft, vergrößert das sein Bruttoinlandsprodukt. Aber mittel- bis langfristig wird diese Zerstörung des Naturkapitals, schädlich für das Land, seine Umwelt und die Wohlfahrt der Menschen sein. Das wird aber nicht gemessen".

Die Kommission und die schwedische Ratspräsidentschaft wollen auch mit Blick auf die anstehende Weltklimakonferenz in Kopenhagen Maßstäbe setzen. Noch geht es allerdings nur um ein Strategiepapier. Von 2010 an will die Kommission neben dem reinen Wachstumsbarometer einen Umweltindex aufstellen. Außerdem will sie soziale Faktoren wie die Gleichstellung von Frauen und Männern und die Lebensqualität in Städten bewerten und vergleichen. Wenn sich ein umfassender neuer Maßstab durchgesetzt hat, könnte er die bisherige Rangfolge der Staaten rein nach BIP gehörig durcheinanderwirbeln.

Autor: Christoph Hasselbach
Redaktion: Heidi Engels