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Wissen & Umwelt

Brustkrebs-Diagnose per Urintest?

Mit einer einfachen Urin-Probe herausfinden, ob eine Frau Brustkrebs hat oder nicht? Das könnte in einigen Jahren Realität sein. Ein Freiburger Team forscht daran und zwar erfolgreich.

Zwei bis drei Milliliter Urin reichen schon aus. Sie werden im Labor aufbereitet und ausgewertet. Insgesamt 48 Frauen haben an den ersten Tests teilgenommen, die Professor Elmar Stickeler von der Freiburger Universitätsklinik und sein Team entwickelt haben.

Bei der einen Hälfte war bekannt, dass die Probandinnen Brustkrebs haben, die andere Hälfte war gesund. Anhand der Urinproben konnten die Forscher, laut Stickeler, mit einer Sicherheit von 92 Prozent feststellen, ob Brustkrebs vorliegt oder nicht.

Wichtige Grundlagen

Das Ganze basiert auf bestimmten, kleinen Molekülen, die als Mikro-RNA bezeichnet werden. RNA ist die Abkürzung für Ribonukleinsäure, einer wichtigen Substanz für die Umsetzung von Erbinformationen. So regeln die Mikro-RNAs etwa den Zellstoffwechsel.

In Krebszellen sind die Moleküle fehlreguliert. Über das Blut können sie in den Urin gelangen. Dort haben die Wissenschaftler die Konzentration der Mikro-RNAs gemessen und konnten so die Werte ermitteln. Bei Brustkrebs ist das Mikro-RNA-Profil im Urin charakteristisch verändert.

"Das ist alles sehr komplex", sagt Stickeler. "Man hat noch gar nicht so ganz verstanden, wie die genaue Regulation dieser kleinen RNAs, dieser Mikro-RNAs funktioniert. Aber wir wissen, dass sie in Tumorzellen in deutlich anderen Mustern vorkommen als in normalen Zellen." Über 200 verschiedene RNAs gibt es. "Uns reichen neun", so Stickeler. "Die haben wir im Urin gemessen und die beiden Gruppen dann miteinander verglichen."

Schonendes Verfahren

Mammographie (Foto: Colourbox)

Mammographie ist eine gängige Vorsorgeuntersuchung

Jährlich erkranken allein in Deutschland weit über 70.000 Frauen an Brustkrebs, und noch immer sterben daran mehr als 17.000 daran. Bislang ist die gängige Methode zur Erkennung dieser Krebsart die Röntgen-Mammographie oder Ultraschall und bei Verdacht auf Brustkrebs meist noch eine anschließende Gewebeprobe.

Die Risiken sind vor allem die hohe Strahlenbelastung und nicht selten falsch-positive Befunde. Diese Risiken würden bei einem Urintest wegfallen. Stickeler sieht aber auch andere Vorteile: "Gerade im Bereich von Brustkrebs denken wir zum Beispiel daran, dass wir Therapie-Kontrollen machen könnten." Denkbar wäre auch ein Monitoring mithilfe der Urintests.

"Wenn wir sehen würden, dass zum Beispiel ein Muster dieser Mikro-RNAs verschwindet, könnten wir damit dann vielleicht sogar voraussagen, ob die Therapie anschlägt oder nicht. Einen anderen Ansatz sehe ich darin, ein Rezidiv, also eine wiederauftretende Erkrankung, rechtzeitig zu erkennen." Gerade bei Brustkrebs erhöht eine möglichst frühe Diagnose die Heilungschancen erheblich. "Die Urinanalyse führt vielleicht auch dazu, dass sich mehr Frauen als bisher testen lassen", so der Mediziner.

Größere Testreihe

Fast zwei Jahre lang hat das Team um Elmar Stickeler an dem Projekt gearbeitet. Aber bis zur Zulassung sei es noch ein ziemlich weiter Weg, gibt der ärztliche Leiter des Brustzentrums zu Bedenken. Bis diese Methode auf den Markt kommt, kann es seiner Ansicht nach noch bis zu fünf Jahren dauern.

Für eine umfangreichere Studie, die jetzt noch ansteht, haben die Wissenschaftler Fördergelder von der Pommer-Jung-Stiftung in Liechtenstein bekommen. Deren ausgewiesener Zweck ist unter anderem die Förderung von Wissenschaft und Forschung im humanmedizinischen Bereich. Außerdem habe es Mittel der Deutschen Krebshilfe gegeben, sagt Stickeler.

Krebs Früherkennung (Foto: dpa)

Wenn Brustkrebs früh erkannt wird, gibt es gute Heilungschancen

Zwischen 200 und 300 Frauen werden an der neuen, größeren Testreihe teilnehmen, und das ist nicht nur zeitlich aufwändig. "Es ist sehr teuer", so Stickeler. "An der nächstgrößeren Studie werden auch Patientinnen teilnehmen, die nicht an der Universitätsklinik Freiburg in Behandlung sind." Diese groß angelegten Untersuchungen sollen also an verschiedenen Standorten durchgeführt werden.

"Wenn es sich bestätigt, dass wir diese Art der Untersuchung wirklich anwenden können, dann können wir sie auch auf den Markt bringen." Später sehe er durchaus Möglichkeiten, diese Verfahren auch für andere Krebsarten zu entwickeln. "Aber dann vielleicht mit anderen Mikro-RNAs als denen, die wir jetzt hier in unserem Test einsetzen."

Kleines, aber feines Team

Hinter der Entwicklung steht ein Team von fünf Personen. Wissenschaftler gehören dazu, aber auch ein technischer Angestellter. "Es ist eine relativ kleine aber sehr erfahrene Gruppe von Leuten, die hier aber hochspezialisiert arbeiten. Gerade im kleinen Team kann man solche Dinge sehr gut umsetzen," sagt Stickeler.

Bei der größer angelegten Studie werden mehr Mitarbeiter nötig sein, allein schon um die Proben und Daten aufzuarbeiten. Den Urintest als Nachweis für Brustkrebs haben Stickeler und sein Team bereits als Patent angemeldet.

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