1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Bruch

"Du hast mir das Herz gebrochen!" Im Streit zerbrechen nicht nur Vasen, Teller und Tassen. Wenn menschliche Beziehungen in die Brüche gehen, kann das dazu führen, dass jemand seelisch daran zerbricht.

Nichts hält ewig, und wie wir wissen, hat alles ein Ende, außer der Wurst. Es geht diese Woche im Stichwort aber nicht um "Wurst", auch nicht um Ende, sondern um "Bruch".

Auf biegen und brechen

Das Wort "Bruch" hat fast immer einen Klang, der aufhorchen lässt. Ein Bruch ist nichts Angenehmes. "Bruch" kommt von "brechen", und wenn wir uns vor Augen führen, was "brechen" bedeutet, ist klar, dass der Bruch oder das Brechen immer so etwas Endgültiges haben. Zumindest ist ein Bruch nur schwer wiedergutzumachen.

Außerdem kommt es immer drauf an, um welche Art von Bruch es sich handelt. Einfache Knochenbrüche, Frakturen, wie die Ärzte sagen, sind im Allgemeinen leicht zu heilen. Bei komplizierten Brüchen ist dies – das Wort "kompliziert" drückt es ja schon aus – nicht so einfach.

Ge- und zerbrochen

Verlassen wir aber die Abteilung der medizinischen Brüche und wenden uns dem Bruch als solchem zu, sprich, wir versuchen, eine Definition zu geben. In einem alten deutschen Wörterbuch findet sich Brauchbares: "Die Bedeutungen", heißt es da, "beruhen auf denen des Zeitwortes: Es ist das Brechen, das Gebrochensein und der gebrochene Gegenstand." So ist es.

Machen wir die Probe aufs Exempel. Mit dem zerbrochenen Geschirr, alles beim Umzug zu Bruch gegangen, haben wir den ge- oder zerbrochenen Gegenstand. Wir wissen, dass nicht nur Blumenvasen und Porzellantassen zu Bruch gehen können. Wenn man Glück hat, lassen sich wertvolle Stücke mit Spezialkleber wieder zusammenfügen und man wird die Bruchstellen kaum sehen.

Du hast mein Herz gebrochen!

Das Gebrochensein ist in aller Regel in übertragener Bedeutung gebraucht. Wenn menschliche Beziehungen vielleicht wegen Ehebruchs in die Brüche gehen, so kann das durchaus dazu führen, dass dabei jemand oder auch mehrere Personen seelisch daran zerbrechen oder gebrochen sind. Wir sagen auch: "Das bricht mir das Herz", was bedeutet, etwas geht uns sehr nahe, rührt uns zu Tränen und tut in gewisser Weise weh.

Da wir gerade "Ehebruch" erwähnt haben: In vielen zusammengesetzten Substantiven erscheint "-bruch" als Grundwort. Mal in wörtlicher, mal in übertragener Bedeutung. Zum Beispiel in Beinbruch, Wolkenbruch, Dammbruch, Schiffbruch, Stimmbruch, Rechtsbruch, Steinbruch und Waffelbruch. Zu dieser bruchstückhaften Aufzählung ein paar Anmerkungen. "Schiffbruch", ein Schiffsunglück, kann in der Tat das Auseinanderbrechen des Schiffsrumpfes bedeuten – mit fatalen Folgen, wie man weiß. "Schiffbruch erleiden" heißt aber auch, eine Niederlage hinnehmen müssen, mit einer Sache endgültig scheitern.

Der Damm bricht

Was "Dammbruch" heißt, ist spätestens nach den Hochwasserkatastrophen der vergangenen Jahre im Gedächtnis geblieben. Vielleicht erinnert sich jemand in diesem Zusammenhang an den "Oderbruch". Das ist ein ehemaliges Sumpfgebiet, das Friedrich der Große trockenlegen und kolonialisieren ließ. Der "Oderbruch" hat also nichts mit "brechen" zu tun; vielmehr ist das alte Wort "Bruch" – das "u" wird lang gesprochen – in ihm erhalten geblieben, das "Sumpfgebiet, sumpfige Wiese" bedeutet.

Beim Waffelbruch indessen handelt es sich wie bei der Bruchschokolade um gebrochene Waffeln beziehungsweise Schokoladentafeln, die bei der Produktion gebrochen sind, deshalb werden sie dann auch billiger verkauft. Da wir beim Essbaren sind: "Nichts zu brechen und zu beißen haben" rührt von der Wendung "das Brot brechen" her. Ein Ausdruck, der an das christliche Abendmahl erinnert: "Er brach das Brot und gab es seinen Jüngern." "Das Brot brechen" kann auch bedeuten: "das Brot teilen". Und Bruchstücke sind Teile eines ehedem Ganzen.

Bruchrechnen

Beim mathematischen Bruch bestimmen Zähler und Nenner den Teil eines Ganzen. Und zwar ganz genau. Aber das Bruchrechnen soll uns jetzt nicht weiter interessieren. Wichtiger wäre, darüber nachzudenken, wie Brüche vermieden werden können, denn, wie gesagt, die meisten sind schmerzhaft und manche irreparabel. Ein Bruch im Sinne endgültiger Entzweiung mündet nicht selten in unversöhnliche Feindschaft. Da geht dann immer noch mehr zu Bruch.

Fragen zum Text

Bruch kommt von …

1. bruchen.

2. brauchen.

3. brechen.

Diesen "Bruch" gibt es nicht: …

1. den Ehebruch.

2. den Stimmbruch.

3. den Traumbruch.

"Das bricht mir das Herz" sagt man, wenn …

1. einem etwas sehr nahe geht.

2. man einen Knochenbruch erlitten hat.

3. man eine schöne Vase zerbrochen hat.

Arbeitsauftrag

Ehebruch, Schiffbruch, Stimmbruch – in vielen zusammengesetzten Substantiven erscheint "-bruch" als Grundwort. Mal in wörtlicher, mal in übertragener Bedeutung. Erstellen Sie eine Liste mit Wörtern, in denen Bruch vorkommt, und erklären Sie deren Bedeutung.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Ingo Pickel

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads