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Kultur

Browsen im Restrisiko

Für die einen ist es nur ein Medium, für die anderen der größte Abenteuerspielplatz der Welt: Das Internet. Und tatsächlich gilt auch hier: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.

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Machen wir uns nichts vor: Wir Netzbürger sind schon eine jämmerliche Spezies. Sind wir viel im Netz unterwegs, dann sind wir in Gefahr, unseren Job zu verlieren, wahlweise in der Schule zuerst auf- und dann durchzufallen oder zu vereinsamen - besagt eine Studie der Humboldt-Universität zu Berlin. Wenn wir dann auch noch eine eigene Website betreiben, haben wir damit endgültig unsere Unsicherheit, Kontaktscheu und Introvertiertheit bewiesen - sagt eine andere Studie von Psychologen an der Technischen Universität Chemnitz.

Daraus schließen wir messerscharf: Bei Psychologen haben Menschen wie wir keine Chance. Zumindest bei deutschen Psychologen - denn an der University of California in Los Angeles haben sie herausgefunden: Auch Internet-Nutzer haben Freunde - und wenn es kalifornische Kommunikationswissenschaftler sind.

Die drei Netztugenden

Dabei sind wir Netzbürger doch eigentlich ganz tolle Hechte: mutig, waghalsig, tollkühn. Wir verteilen unsere E-Mail-Adressen, bis wir in Angeboten für Sexinformationsseiten, Sexverbesserungspillen und raubkopierte Computerprogramme ersticken. Wir geben unsere Kreditkartennummern in Online-Formulare ein, nur weil uns jemand per E-Mail dazu aufgefordert hat - die Nachricht trug das Logo unserer Bank, also wird schon alles in Ordnung sein. Und: Wir benutzen einen Browser.

Natürlich benutzen wir einen Browser. Ohne Browser bleibt das Netz schließlich unsichtbar. Das Problem ist: Browser sollen dem Netzbürger das Netzleben einfach machen. Sie sollen Text lesbar darstellen, Grafiken sauber, Videos ruckfrei - und sie sollen uns mit dem Netz interagieren lassen. Dafür wurden eine Menge von Standards entwickelt, und auf einem Standard-PC (sprich: Windows) mit einem Standard-Browser (sprich: Internet Explorer) finden wir sie alle wieder. Explorer-Nutzer haben am meisten vom Netz, denn ihr Browser gilt seit Jahren als Netz-Standard, offen und bedienungsfreundlich.

Der falsche Standard?

Nun gut, da gab es immer schon die Microsoft-Hasser, die alles für grundböse halten, was aus Redmond im schönen US-Staat Washington kommt. Dann gab es die Microsoft-Hacker, denen es einfach mehr Spaß macht, Windows-Sicherheitslücken auszunützen als solche in irgendwelchen Exotenprogrammen - ein Hack-Angriff auf 0.5 Prozent aller PCs dieser Welt ergibt nun mal keine guten Schlagzeilen. Und dann gab es seit dem Siegeszug des Internet Explorer in den 1990er-Jahren noch immer ein paar Alternativbrowser - aber die brauchte eigentlich kein Windows-Nutzer, denn: Der Explorer war ja schon vorinstalliert.

Über Jahre hinweg passierte nun immer das Gleiche: Hacker starteten einen Angriff auf den Internet Explorer (oder einen anderen Bestandteil von Windows). Und Microsoft flickte das Loch im Browser - mal früher, mal später. Zwischen Angriff und Reparatur stürzten Systeme ab, gingen vertrauliche Daten flöten, verbreiteten sich Viren und Würmer - aber wir Netzbürger hatten uns damit abgefunden. So schien es.

Bis jetzt ausgerechnet die amerikanischste aller amerikanischen Regierungseinrichtungen (wenn wir nach der Bewertung der Regierung Bush gehen), das Ministerium für Heimatschutz, deutlich wurde und eine Warnung ausgerechnet vor dem amerikanischsten aller Browser aussprach: Das Computer Emergency Readiness Team (CERT) empfahl, angesichts der Vielzahl der Sicherheitslöcher im Internet Explorer auf einen anderen Browser umzusteigen. In Redmond war man nicht erfreut.

Kleinere Scheunentore

Seitdem steigen die Download-Zahlen für Alternativbrowser wie Mozilla, Firefox oder den Norweger-Browser Opera. Das Schöne daran: Die lassen sich - zumindest unter Windows, also auf mehr als 90 Prozent aller PCs - problemlos installieren und nutzen, sie stellen Webseiten genauso dar wie der Internet Explorer, aber sie bieten weniger Scheunentore für mißgünstige Mitmenschen.

"Weniger", nicht etwa "keine". Denn auch Opera mußte, nicht erst in der aktuellen Version 7.5, Sicherheitsprobleme reparieren, und selbst der von Spezialisten hochgejubelte Firefox-Browser ist nicht ganz so unverwundbar wie vermutet: Jüngst gab es den ersten Sicherheitsflicken auch für ihn.

Ich sage es ja: Wir Netzbürger sind doch ganz tolle Hechte: mutig, waghalsig, tollkühn. Egal, was deutsche Psychologen von uns halten.

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